Lesezeit: 7 Minuten
Aktualisiert am: 11.08.2026
In diesem Vlog erzähle ich, was für ein großes Glück wir hatten, von unseren Besuchen bei Auswandererfreund:innen und wie Integration nicht gelingt. Weitere Themen: Freundschaftsbücher und hochsensible Mütter.
Video: Glück im Unglück, Freund:innen, Auswanderung & Integration
Ein später Abend nach einem ziemlich aufregenden Tag
Hallo ihr Lieben! Heute gibt es wieder so ein eher unprofessionelles Video: mit Zahnspange, neuer Frisur und einem ziemlich vollen Kopf. Es ist schon spät, die Kinder sind im Bett, und eigentlich hatten wir einen schönen Tag. Nur eben auch einen, bei dem ich hinterher noch eine Weile zittern musste. Und Patrick schafft es zwischendurch natürlich auch noch, mein Video zu stören.
Falls euch meine Zahnspangen-Geschichte interessiert: Im Beitrag Zahnspange als Erwachsene: Milchzahn, Eckzahn und Alltag erzähle ich mehr dazu.
Glück im Unglück: zwei Unfälle an einem Tag
Unser Baby ist heute gestürzt. Ich kam genau in dem Moment dazu und konnte es hinten am T-Shirt packen. Dadurch ging die Sache mit einer leichten Schramme aus. Unser Baby lachte kurz darauf schon wieder, während ich noch vor Schreck gezittert habe.
Am Abend ist dann unsere Große auf der Kellertreppe gestürzt. Sie fiel die Treppe hinauf, schlug sich oben eine Beule und blutete ziemlich stark. Ich war einfach froh, dass sie nach oben gefallen ist. Nach zwei solchen Momenten an einem Tag fühlt sich das Wort „Glück“ plötzlich sehr handfest an. In solchen Augenblicken denke ich tatsächlich, dass es das Universum gerade ziemlich gut mit uns meint.
Freund:innen, Abschied und ein Freundschaftsbuch ohne Markenfiguren
Wir besuchen an diesem Wochenende Freund:innen, die wir lange nicht gesehen haben. Einige packen gerade ihre Sachen, weil sie auswandern. Ich freue mich sehr auf die gemeinsame Zeit und finde es gleichzeitig traurig, weil ihre Reise sie in eine andere Richtung führt als unsere.
Für die Kinder ist vor allem schön, dass sie sich noch einmal sehen können. Zusammen spielen, Quatsch machen, frei und liebevoll miteinander sein. Für unsere Große haben wir deshalb ein Freundschaftsbuch gekauft, in das sich die Kinder und auch erwachsene Freund:innen eintragen können.
Wir haben erstaunlich lange danach gesucht. In den Läden lagen Topmodel, Cars, Elsa und Anna und jede Menge Glitzer. Unsere Kinder waren davon ziemlich unbeeindruckt. Am Ende haben wir ein schlichtes Tier-Freundschaftsbuch gefunden. Genau so etwas hatten wir gesucht.
Wenn euch Auswandern, Freilernen und Reisen als Familie ebenfalls beschäftigen, passen dazu unser Q&A zu Freilernen und Auswandern und der spätere Beitrag Worldschooling mit Kindern: Alltag, Lernen und Stolpersteine.
Integration in der Schule: zwei sehr verschiedene Erfahrungen
Heute waren auch Freund:innen bei uns, die aus Syrien nach Deutschland gekommen sind. Mehrere Kinder der Familie gehen inzwischen hier zur Schule. Und gerade bei ihnen sehe ich, wie unterschiedlich Schule sich für junge Menschen anfühlen kann.
Bei zwei der Jungen erlebe ich ein sehr liebevolles Miteinander. Ich bin manchmal bei Elternabenden dabei und helfe beim Übersetzen oder Erklären. Dort habe ich Lehrkräfte und Klassen kennengelernt, in denen die Jungen selbstverständlich dazugehören. Ihre Deutschkenntnisse sind inzwischen so sicher, dass Gespräche im Alltag ganz leicht laufen. Wenn ich das sehe, denke ich wirklich: Genau so kann sich gelungene Integration anfühlen.
Beim ältesten Sohn klingt der Schulalltag ganz anders. Er erzählt, dass Gruppen häufig unter sich bleiben und dass er sich sehr wünscht, mehr mit deutschsprachigen Kindern in Kontakt zu kommen. Die Atmosphäre an dieser Schule habe ich schon früher als angespannt erlebt, als ich dort selbst gearbeitet habe. Heute berichtet er von viel Aggression und davon, dass er sich in der Schule wenig zugehörig fühlt.
Besonders belastet ihn seine Klassenstufe. Nach dem, was er und sein Vater uns erzählen, besucht er weiterhin eine deutlich niedrigere Klassenstufe, als es seinem Alter entsprechen würde, weil seine Deutschkenntnisse aus Sicht der Schule noch nicht ausreichen. Welche pädagogischen Überlegungen und Unterlagen hinter dieser Entscheidung stehen, kenne ich nicht. Sein Vater erzählt jedenfalls sehr deutlich, wie sehr die Situation den Jungen beschäftigt und wie sehr er selbst mit seinem Sohn mitfühlt.
Der Vater hat sogar erzählt, dass er in schweren Momenten darüber nachgedacht hat, nach Syrien zurückzugehen, weil er seinen Sohn so leiden sieht. Dieser Satz ist mir hängen geblieben.
Das ist eine einzelne Familiengeschichte. Die Kultusministerkonferenz beschreibt Bildung als wichtigen Teil von Integration und hebt dabei unter anderem Spracherwerb sowie die Rolle von Schule, Eltern und Lehrkräften hervor.[1] Gerade deshalb beschäftigt mich der Unterschied zwischen diesen beiden Schulgeschichten so.
Was mich von diesem Wochenende begleiten wird
Da ist auf der einen Seite die Freude auf unsere Freund:innen, die bald auswandern, und auf einen Tag, an dem die Kinder einfach miteinander sein können. Auf der anderen Seite geht mir die Frage nach, wie wir der Familie aus Syrien und besonders ihrem ältesten Sohn noch helfen können.
Vielleicht interessiert euch dieses ganze Gedankenknäuel gerade sehr, vielleicht seid ihr wegen eines ganz anderen Themas hier gelandet. Wenn ihr ähnliche Erfahrungen mit Schule, Ankommen oder Freundschaften über Sprachgrenzen hinweg gemacht habt, lese ich eure Gedanken dazu gern.
Hochsensible Mütter: das nächste Thema?
Außerdem liegt hier ein Buch über hochsensible Mütter. Ich hatte vorher viele schlechte Rezensionen gelesen und wollte trotzdem selbst hineinschauen. Nach den ersten Seiten war ich ziemlich enttäuscht. Jetzt lese ich erst einmal weiter und schaue, ob ich darin noch etwas finde, das mir für das Thema hochsensible Elternschaft wirklich weiterhilft.
Wenn daraus etwas entsteht, erzähle ich euch davon in einem eigenen Video oder Beitrag.
So ihr Lieben, ich wünsche euch alles Gute. Ich genieße jetzt noch ein bisschen meinen kinderfreien Abend.
FAQ
Worum geht es in diesem Vlog?
Um einen Familientag mit zwei Schreckmomenten, um Freund:innen vor dem Auswandern, um sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Integration in der Schule, um ein Freundschaftsbuch und um meine ersten Gedanken zu einem Buch über hochsensible Mütter.
Was meine ich mit gelingender oder misslingender Integration?
Ich meine damit das, was wir bei unseren Freund:innen erleben: Fühlen sich die Kinder in ihrer Klasse zugehörig? Entstehen Kontakte? Haben sie im Alltag Gelegenheit, Deutsch zu sprechen und sich mit anderen Kindern auszutauschen? Das beschreibt einzelne Erfahrungen aus unserem Umfeld und kein Urteil über Schulen allgemein.
Warum belastet den ältesten Jungen seine Schulsituation so?
Er wünscht sich mehr Kontakt zu deutschsprachigen Kindern und erlebt seine Schule nach eigener Aussage als stark in Gruppen getrennt. Zusätzlich frustriert ihn, dass er eine deutlich niedrigere Klassenstufe besucht, als es seinem Alter entsprechen würde.
Welches Freundschaftsbuch ist im Video gemeint?
Ein schlichtes Tier-Freundschaftsbuch ohne die damals überall präsenten Marken- und Filmfiguren. Uns war wichtig, etwas zu finden, das unserer Tochter selbst gefällt.
Was hat das Thema Auswandern mit diesem Vlog zu tun?
An diesem Wochenende treffen zwei ganz unterschiedliche Auswanderungsgeschichten aufeinander: Freund:innen packen für ihr Leben in einem anderen Land, während eine befreundete Familie den Weg aus Syrien nach Deutschland schon hinter sich hat. Beides hat viel mit Abschied, Ankommen und Zugehörigkeit zu tun.
Kommt noch etwas zu hochsensiblen Müttern?
Kann gut sein. Ich lese das Buch erst einmal zu Ende und bilde mir dann eine eigene Meinung. Wenn dabei etwas hängen bleibt, das euch ebenfalls weiterhelfen könnte, greife ich das Thema wieder auf.
Quelle zur Einordnung
- Kultusministerkonferenz (KMK): Integration im Bildungsbereich, insbesondere die Abschnitte „Integration durch Bildung“, „Zusammenwirken von Schule und Elternhaus“ und „Rolle der Lehrerinnen und Lehrer“; abgerufen am 11.08.2026.
Vlog: Glück im Unglück, Freunde, Auswanderer und Integration von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.