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Aktualisiert am 13. August 2026

Im Familienalltag passiert es schnell, dass ein Mitglied „mal unter den Tisch fällt“. Auch bei uns hat mancher Tag zu wenig Stunden, um alle Aufgaben zu erledigen. Und vor lauter Arbeit oder wilden Kindern verlieren wir aus den Augen, achtsam zu sein. Achtsam dafür, dass wir immer genügend Liebe und Frieden schenken könnten. Ein Bilderbuch brachte uns die Idee, einen „Achtsamkeitsstuhl“ zu errichten.
Wenn ihr euch fragt, wie im Gewusel mit mehreren Kindern noch ein paar ruhige Minuten füreinander Platz finden: Genau dafür mögen wir diese kleine Achtsamkeitsübung. Ein Stuhl oder eine Decke reicht. Wer dort Platz nimmt, bekommt für einen Moment die Aufmerksamkeit der anderen.
Achtsamkeitsübung für Familien mit Kindern: Was ist ein Achtsamkeitsstuhl?
Der Achtsamkeitsstuhl ist bei uns ein bewusst gewählter Platz in der Mitte. Mal ist es wirklich ein Stuhl, mal eine kuschelige Decke auf der Wiese. Dort sitzt oder steht ein Familienmitglied, während die anderen etwas sagen können, das im Trubel sonst leicht untergeht.
Mehr steckt für uns eigentlich gar nicht dahinter. Gerade an Tagen, an denen alle viel erzählen, brauchen oder erledigen wollen, gibt dieser Platz einer Person kurz Raum.
Achtsamkeitsübung für Familien mit Kindern – so geht sie:
Sind wir mit den Kindern beisammen, stellen wir einen Stuhl in die Mitte des Raumes (oder legen eine kuschelige Decke auf die Wiese). Meistens überlegen sich unsere Mädchen, was sie an diesem besonderen Platz verschönern möchten. Sie legen Blätter und Blüten daneben oder bauen Pappräder und Gurte um den Sitz.
Anschließend wählen wir ein Familienmitglied aus, das auf dem Dankestuhl (bzw. der Danke-Decke) Platz nimmt. Und schon kann es losgehen: Einer nach dem anderen darf sich nun bei dem auserwählten Familienmitglied bedanken.
Bei uns wurde sich z.B. für sowas bedankt:
„Danke, Mama, dass ich immer manchmal bei dir Mumi machen kann.“
„Danke, kleiner Bruder, dass du immer so gern mit mir lachst.“
„Als du mir heute beim Salatschneiden geholfen hast, darüber habe ich mich so gefreut. Und dass du deine Schwester getröstet hat, als ich nicht schnell genug kommen konnte, dafür möchte ich dir nochmal danken. Du bist ein wundervoller Mensch!“
„Ich fand es schön, als du mich heute einfach mal so geküsst hast.“
Diese Achtsamkeitsübung erlaubt, dass jede:r mal im Mittelpunkt stehen darf, wenn er oder sie das möchte. Es wird sich bewusst Zeit für etwas genommen, was schnell übersehen werden könnte. Zudem ist es eine wunderbare Alternative, um nicht ständig die Lobes-Keule zu schwingen.
Warum der Achtsamkeitsstuhl bei uns so gut in den Alltag passt
Für uns passt er auch deshalb gut in den Familienalltag, weil wir nichts groß vorbereiten. Ein Stuhl reicht; auf der Wiese eine Decke. Wenn unsere Mädchen Lust haben, bauen und schmücken sie ihren Platz ohnehin selbst. So entsteht aus ein paar Minuten schnell etwas Besonderes, ohne dass wir vorher ein Familienprogramm planen.
Achtsamkeit mit Baby und kleinen Kindern
Die ganz Kleinen in der Familie können natürlich noch nichts sagen. Es bietet sich aber an, dass jemand von den Eltern für den oder die Jüngste spricht. Dazu halte ich den Babymann im Arm und trete zu dem Kind (oder Papa) in der Mitte. Ich spreche dann in etwas veränderter Stimme oder im Flüsterton und denke mir etwas aus, für das sich unser jüngstes Kind bedanken könnte:
„Danke, liebe Schwester, dass du abends mit mir im Bett Quatsch machst.“
„Danke, Papa, dass du mich heute früh hochgenommen und die ganze Zeit umhergetragen hast, als es bei uns so hektisch war.“
Ich mag daran, dass auch der Babymann mittendrin ist, obwohl die Worte natürlich von mir kommen. Mit kleinen Kindern darf dieser Teil bei uns kurz und leicht sein. Ein Satz reicht, manchmal auch nur ein Lächeln.
Immer nur Danke?
Selbstverständlich muss sich am Achtsamkeits-Platz nichts um die Frage drehen, wofür man sich bedanken will. Genauso könnte auch erzählt werden,
- was man gerne mal (heute, am Nachmittag, im Urlaub, … ) machen möchte,
- was es zum Abendessen geben soll,
- was man richtig gut kann,
- was nachts geträumt wurde usw.
Der Achtsamkeits-Platz kann also ganz unterschiedliche Themen bekommen. Manchmal geht es um Dankbarkeit, manchmal um Wünsche, manchmal um Quatsch und manchmal einfach darum, dass jemand kurz dran ist.
Für wen sich diese Achtsamkeitsübung eignet
Wir mögen die Übung besonders an Tagen, an denen alle gleichzeitig etwas erzählen, fragen oder brauchen. Mit mehreren Kindern passiert das bei uns ziemlich zuverlässig. Ein paar Minuten auf dem Stuhl oder der Decke geben dann einer Person Raum, während die anderen zuhören. Mehr braucht es für uns meistens gar nicht.
Gesprächsideen für unterwegs
Unsere liebe Freundin schenkte uns vor unserer Abfahrt aus Deutschland ein Kartenspiel mit vielen weiteren Gesprächsideen. Damit klappt unser Familienspiel sogar während der Fahrt.
Weitere Buch- und Familienideen findet ihr auf unseren Seiten zu Buch7 und Thalia für Familien.
Weiterlesen, wenn ihr das Thema vertiefen möchtet
Wenn euch interessiert, was Geschwister im Alltag verbindet, passt vielleicht auch unser Beitrag über Geschwisterliebe und das, was Geschwister zusammenschweißt.
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Wenn euch beschäftigt, wie sich intensive Momente mit Kleinkindern begleiten lassen, passt auch unser Beitrag über Wutanfälle in der Autonomiephase.
Etwas grundsätzlicher wird es in unserem Text zu Attachment Parenting und beziehungsorientierter Elternschaft.
FAQ zur Achtsamkeitsübung für Familien mit Kindern
Ab welchem Alter klappt ein Achtsamkeitsstuhl?
Bei uns waren selbst die ganz Kleinen dabei. Wenn ein Baby noch keine eigenen Worte hat, kann ein Elternteil – wie oben beschrieben – stellvertretend sprechen. Sobald ein Kind selbst etwas sagen möchte, bekommt es dafür Raum.
Wie lange dauert die Übung?
Bei uns reichen ein paar Minuten. Wir hören lieber auf, solange es sich noch leicht anfühlt.
Geht es immer ums Bedanken?
Nein. Der Platz in der Mitte kann auch für Wünsche, Ideen, Träume oder kleine Familiengespräche genutzt werden.
Was, wenn ein Kind nichts sagen möchte?
Dann bekommt es bei uns genauso Raum, nichts zu sagen. Zuhören gehört für uns dazu.
Passt der Achtsamkeitsstuhl auch zu mehreren Kindern?
Gerade in unserer größeren Familie war das der Ausgangspunkt für die Übung: Im Trubel geht schnell etwas unter. Der Platz in der Mitte gibt einer Person für ein paar Minuten Aufmerksamkeit.
Kann man statt eines Stuhls auch etwas anderes nehmen?
Ja. Bei uns war es manchmal ein Stuhl, manchmal eine kuschelige Decke auf der Wiese. Wichtig ist der bewusst gewählte Platz.
Ist das eher Achtsamkeit oder eher Dankbarkeit?
Für uns ist es beides ein bisschen. Es geht um Dankbarkeit, aber genauso um Aufmerksamkeit füreinander. Eben darum, im Alltag kurz hinzuschauen, statt nur weiterzurennen.
Uns interessiert, was euch in eurer Familie zu mehr Achtsamkeit verhilft.
Alles Liebe – Evelin.
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