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Aktualisiert am: 07.08.2026

In dieser zweiteiligen Videoreihe spricht Evelin, inspiriert von André Stern, über das Thema Spielzeug und geht den Fragen nach, warum es wichtig ist, dass wir Großen das Spiel unserer Kinder ernst nehmen und was sich Kinder von „angeschafftem Spielzeug“ wünschen. Sie geht auf unrealistisches, „altersgerechtes“, „pädagogisch wertvolles“ Spielzeug ein und gibt einen Einblick in die Spielsachen unserer Kinder.

Ausführlicher haben wir über pädagogisch wertvolles Spielzeug und die Ernsthaftigkeit des kindlichen Spiels geschrieben. Hier geht es vor allem um die beiden Videos – und im zweiten Teil ganz praktisch durch unser damaliges Zuhause.

Spielzeug für Kinder Teil 1/2 – Über „pädagogisch wertvolles“ Spielzeug

Spielzeug für Kinder Teil 2/2 – Die Spielsachen unserer Kleinen

Die Videoreihe zum Nachlesen

Falls ihr lieber lest oder eine bestimmte Stelle sucht, findet ihr beide Videos hier auch als Transkript. Wir haben Versprecher, Wiederholungen und Zeichensetzung für die Lesbarkeit leicht geglättet. Inhalt und persönliche Beispiele haben wir dabei erhalten.

Transkript – Teil 1: Über „pädagogisch wertvolles“ Spielzeug

Warum ich über Spielzeug sprechen möchte

Ihr Lieben, seid gegrüßt zu einem neuen Video.

Heute geht es ums Spielen, um die Ernsthaftigkeit von Kindern und darum, wie wir Großen das im Alltag wahrnehmen. Ich möchte euch meine Gedanken dazu erzählen und auch ein paar Impulse von André Stern aufgreifen. Im Anschluss zeige ich euch dann noch, welches Spielzeug bei uns zu Hause momentan so herumkullert.

Falls ich zwischendurch den Blick von der Kamera abwende: Ich schaue auf meinen Spickzettel. Ich möchte es halbwegs kurz und bündig halten.

Der riesige Markt für „kindgerechtes“ Spielzeug

Ich beginne mal mit diesem riesengroßen Markt, der so viel grelles, buntes Spielzeug auf uns wirft. Wir Großen denken dann schnell: „Ah, hier sind wir gut aufgehoben.“ Schließlich steht überall dabei, für welches Alter etwas gedacht ist.

Da gibt es Spielzeug für Kinder von null bis drei Jahren und anderes, das für Kinder unter drei Jahren ungeeignet ist. Für Kindergartenkinder gibt es viele grelle, bunte, abgerundete, „sichere“ Spielsachen, oft aus Plastik. Später kommen Malheftchen dazu, und für die ganz Großen gibt es Kritzelblöcke oder Mandalas zum Ausmalen.

Es gibt wahnsinnig viele Sachen. Schnell kommt dann dieser Gedanke: „Oh, das könnte ich gebrauchen.“ Oder: „Das haben meine Kinder noch nicht.“ Oder: „Damit könnte ich sie fördern.“

Ich sehe darin oft einen Konsumkreislauf. Wir kaufen ein neues Spielzeug, irgendwann geht es kaputt oder das nächste interessante Ding taucht auf. Das eine fliegt weg, das nächste kommt dazu. Und schon dreht sich die Runde weiter.

„Du spielst ja nur“

Ich empfinde es so, dass wir das Spiel unserer Kinder manchmal gar nicht wirklich ernst nehmen. Viele kennen wahrscheinlich Sätze wie: „Du spielst ja nur.“ „Hör jetzt mal auf zu spielen.“ Oder: „Mach jetzt mal was Richtiges.“

Für André Stern und auch für mich hat Spielen eine ganz andere Bedeutung. Kinder können in ihrem Spiel sehr ernsthaft sein.

Nehmen wir ein Kind, das einen Kieselstein findet und darin etwas Besonderes entdeckt. Es schenkt ihn seiner Mama. Wir Mamas haben meistens ohnehin schon ziemlich viele Kieselsteine in irgendwelchen Taschen.

Am nächsten Tag bastelt dasselbe Kind vielleicht im Kindergarten unter Anleitung eine Karte zum Muttertag. Der Kieselstein war etwas, das es selbst entdeckt und ausgewählt hat. Er hatte für dieses Kind eine Bedeutung. Mit dem Geschenk drückt es vielleicht Achtung und Liebe aus.

Bei der angeleiteten Karte stellt sich für mich deshalb eine andere Frage: Was davon stammt aus dem eigenen Impuls des Kindes?

Kieselsteine, Raketen und ICEs

Kinder sind sehr fantasievoll. Ein Kieselstein kann zum Edelstein werden, zu etwas Magischem. Ein Tuch fliegt als Rakete zum Mond. Aneinandergereihte Stühle werden zum ICE.

Manchmal braucht es dafür kaum Material. Hände und Finger werden zu Figuren: „Das ist Papa, das ist Mama, das sind die Kinder.“ Mimik, Gestik und die eigene Vorstellung reichen schon für ein ganzes Spiel.

Unsere ganz Kleine spielt momentan sehr gerne „Beeren oder Pilze pflücken“. Dann knabbert sie die imaginären Fundstücke oder verschenkt sie.

Und dann kommt das angeschaffte Spielzeug

Natürlich haben wir trotzdem angeschafftes Spielzeug. Eine Zeit lang dachte ich sogar: Wir haben so wahnsinnig viel, eigentlich müssten wir nachts heimlich ausmisten.

Dann kamen wir zu anderen Familien, und plötzlich dachte ich: Wow, vielleicht haben wir doch gar nicht so viel.

Da waren diese tollen Kinderzimmer mit so vielen Dingen. Die Mütter zeigten mir Sachen, die sie für ihre Kinder ausgesucht hatten. Es funkelte und glitzerte, und überall steckte die Idee dahinter, was man Kindern alles anbieten könne, um sie zu „fördern“.

Das hat mich manchmal richtig angesteckt. Dann dachte ich: So etwas muss ich meinen Kindern vielleicht auch besorgen.

Erst zu Hause kam mein eigener Blick wieder zurück. Moment mal. Eigentlich sehe ich das doch anders.

Ich erlebe, dass Kinder an Dingen lange Freude haben können, wenn sie funktionieren und wirklich etwas mit ihnen machen können. André Stern spricht in diesem Zusammenhang sinngemäß von „Realität im Kleinformat“.

Das kann ein Auto sein, das sich wie ein Auto benutzen lässt. Ein Instrument, auf dem man tatsächlich spielen kann. Oder irgendein ganz alltäglicher Gegenstand, der im Spiel plötzlich eine neue Aufgabe bekommt.

Ein Kleinkind trommelt vielleicht voller Begeisterung auf Töpfen und Pfannen. Eines Tages wünscht es sich womöglich ein Schlagzeug. Wie fühlt sich dann eine Trommel an, die vor allem wie ein buntes Kinderprodukt aussieht und kaum das ermöglicht, was das Kind eigentlich ausprobieren wollte?

Ähnlich sehe ich das bei Kindern, die sich für Wissenschaft interessieren. Wenn sie etwas wirklich untersuchen möchten, ist für ihr Spiel entscheidend, was ein Mikroskop oder Teleskop tatsächlich kann.

Alltag kann ziemlich viel Spielmaterial liefern

Auch bei Montessori-Spielzeug bin ich skeptisch, sobald daraus ein fertiges Erwachsenenprodukt wird, mit dem ein Kind angeblich gezielt „gefördert“ werden soll.

Ich denke, vieles ergibt sich im Alltag, wenn Kinder an unserem Leben teilhaben können. Da gibt es ohnehin so viel zu sehen, anzufassen, auszuprobieren und nachzuspielen.

Ein Gedanke beschäftigt mich dabei besonders: Kinder orientieren sich an uns. Wenn wir bestimmte Sachen immer wieder als „kindgerecht“ oder besonders wertvoll präsentieren, prägt das natürlich auch, was sie kennenlernen und wonach sie irgendwann fragen.

Mehr über André Stern und seine Gedanken zum Spiel findet ihr in unserem Beitrag über seinen Vortrag zur „Ökologie der Kindheit“.

Und jetzt zeige ich euch noch ein bisschen, was bei uns zu Hause herumliegt.

Bis bald!

Transkript – Teil 2: Die Spielsachen unserer Kinder

Eine leise Runde durchs Spielzeug

Unsere Kinder sind heute auf der Spiel- und Tobematte. Deshalb erzähle ich euch hier drüben ein bisschen leiser, was wir so haben.

Das hier ist unsere Kinderküche, die momentan gleichzeitig Kaufmannsladen ist. Wir haben Gemüse zum Spielen. Vieles muss dabei gar nicht perfekt aussehen. Die Kinder haben ihre Fantasie und wissen in ihrem Spiel ziemlich genau, was etwas gerade sein soll.

Daneben liegen noch Übrigbleibsel aus der Babyzeit. Damals haben wir auch einiges selbst gebastelt. Vielleicht zeige ich euch das irgendwann noch in einem anderen Video.

Papier liegt bei uns in guter Griffnähe, falls jemand schnell etwas aufschreiben oder malen möchte. Dazu kommen Schwungbänder aus alten Gardinenstangen, Rollen und altem Verpackungsmaterial. Unsere Kinder bewegen die Bänder gerne zur Musik oder fliegen damit als Vogel durch die Gegend.

Malen, Musikinstrumente und manches doppelt

Was fürs Malen und Kleben gebraucht wird, ist ebenfalls griffbereit.

Bei uns gibt es viele Dinge zweimal. Das hat sich einfach so ergeben und ist manchmal praktisch, weil zwei Kinder gleichzeitig dasselbe machen können. Natürlich gibt es trotzdem Sachen, um die gestritten wird. Dann schauen wir, was gerade wichtig ist und wie alle Beteiligten damit klarkommen können.

Hier ist die Tasche mit unseren Musikinstrumenten. Manchmal kann ich es als ehemalige Erzieherin nicht lassen und fange irgendein Klangspiel an. Wer Interesse hat, kommt dazu.

Mit der Flöte wird zum Beispiel einfach experimentiert. Ich glaube, wir wollten sie unserer Großen damals zum ersten Geburtstag schenken, weil wir dachten: Das macht dem Kind bestimmt Spaß. Heute würde ich sie vermutlich nicht noch einmal kaufen. Sie wird auch kaum noch verlangt, deshalb kann ich sie gut weitergeben.

Bücher, Kuscheltiere und das Hebammen-Spiel

Hier sitzen unsere Kuscheltiere. Der Hund hat noch eine relativ realistische Form. Das Schweinchen mit den großen Augen war dagegen eher etwas, das uns Eltern damals begeistert hat, weil wir es so niedlich fanden.

Unsere Große liebt Geschichten. Die müssen für sie auch nicht unbedingt voller Bilder sein. Sie hört einfach gerne beim Vorlesen zu und taucht richtig in die Geschichte ein. Deshalb haben wir auch relativ viele Kinderbücher.

Hier unten ist momentan das Hebammen-Spiel aufgebaut. Dazu gehört ein Täschlein mit Schwangerschaftskontrollbogen, Sachen zum Eincremen, ein Handy und ein Taschenrechner. Vieles von dem, was eine Hebamme in ihrem Spiel braucht, hat sie sich selbst zusammengesucht.

Dieses Spiel begleitet sie schon ziemlich lange.

Murmelbahn, Regelspiele und ein Zug mit Macken

In unserem Schrank stehen ein paar klassische Spiele mit Spielregeln. Die Regeln spielen dann eine Rolle, wenn die Kinder gerade Lust auf dieses Spiel haben.

Hier unten steht die Murmelbahn, die von unseren Dreijährigen momentan sehr ausgiebig erforscht wird.

Und dann haben wir hier diesen Zug. An ihm sieht man ganz schön, was mich bei Spielzeug manchmal stört: Die Waggons halten schlecht zusammen. Genau das wird im Spiel schnell frustrierend, weil der Zug seine Aufgabe eben nur mäßig erfüllt.

Bei der Oma gibt es einen Zug aus Lego. Der funktioniert für das, was die Kinder damit vorhaben, offenbar besser.

Puppen, Trends und Dinge, die wir irgendwann anders sehen

Hier sind unsere Puppen. Unsere Kinder kennen Barbies von anderen Kindern, verlangen bisher aber keine. Plastikpuppen haben wir ebenfalls. Welche davon für ihr Spiel wichtig werden, entscheiden die Kinder ohnehin selbst.

Waldorf-Puppen haben wir bisher auch keine gekauft, nur weil sie in manchen „Öko-Eltern“-Kreisen irgendwie dazugehören. Das allein wäre für mich inzwischen kein Grund mehr.

Für längere Autofahrten haben wir manchmal kleine Puppen dabei. Außerdem gibt es Sorgenpüppchen.

Und da kommt dann doch wieder meine Erzieherinnen-Stimme durch: Mir fallen Lieder, Sprüche oder Fingerspiele ein, mit denen wir uns unterwegs beschäftigen können.

Unsere Große hat außerdem eine Kindergitarre von der Oma ausgeliehen. Daran kann sie ausprobieren, was sich damit machen lässt.

Schleifen binden, stecken und sortieren

Hier habe ich noch ein paar Sachen, bei denen ich inzwischen selbst ins Grübeln komme: Übungen zum Schleifenbinden, Steckspiele, Sortierspiele.

Warum gebe ich einem Kind so etwas eigentlich?

Vielleicht entsteht das Interesse am Schuhe­binden irgendwann von selbst, weil ein Kind seine eigenen Schuhe binden möchte. Und wenn jemand fädeln will, gibt es dafür auch Knöpfe an einer Schnur, Perlen oder kleine Glöckchen.

Das ist für mich inzwischen die spannendere Frage: Welche Tätigkeit interessiert das Kind gerade – und was braucht es tatsächlich dafür?

Ein Planschbecken aus der Fantasie

Unsere Große spielt hier gerade ein Planschbecken-Spiel.

„Das sind die Eltern“, hat sie erklärt, „und hier drin sind die Kinder.“

Dann stand eines der Kinder am Rand und rief: „Papa, ich möchte raus.“ Der Papa kam durch die Löcher und holte das Kind heraus.

Ich fand das unglaublich süß.

Gerade solche Spiele faszinieren mich, weil so viel aus der eigenen Vorstellung entsteht. Ein paar Gegenstände bekommen Rollen, Beziehungen und plötzlich eine ganze Geschichte.

Spieltiere, Raketen, Bausteine und Autos

Hier stehen unsere Spieltiere. Manche sehen freundlich und stark vereinfacht aus, andere ziemlich realistisch.

Im Video erzähle ich dazu auch ein Beispiel von André Stern: Für seinen Sohn suchte er eine Rakete und fand bei gewöhnlichem Kinderspielzeug offenbar nichts Passendes. Im Modellbaubereich fand er schließlich eine, mit der sein Sohn das darstellen und ausprobieren konnte, was ihn interessierte.

Hier sind unsere Bausteine. Die werden für alles Mögliche verwendet.

Und hier kommen die Autos. Wir dachten anfangs: Holzautos, schön schlicht, große Räder – das ist bestimmt toll.

Mit der Zeit haben wir gemerkt, dass Aussehen allein wenig darüber sagt, wie interessant so ein Auto im Spiel wird. Wir hatten einmal ein altes Modellauto, bei dem sich zum Beispiel die Türen öffnen ließen. Genau solche Funktionen konnten plötzlich wichtig sein.

Das ist diese kleine Realität der Autos, die ich im ersten Video meinte.

Mehr über Spielzeug, Fantasiespiel und André Stern

Bücher zum Thema

Wenn ihr André Stern weiterlesen möchtet, findet ihr sein Buch Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben auch im sozialen und unabhängigen Buchhandel. Unsere Hinweise dazu findet ihr bei Buch7 und Thalia.

CC BY-SA 4.0 Spielzeug für Kinder: Warum „pädagogisch wertvoll“ oft danebenliegt (Video) von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.