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Aktualisiert am: 11.08.2026

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein Erfahrungsbericht. Medizinische Beschwerden und eine Diagnose wie Colitis ulcerosa gehören in ärztliche Betreuung. Ernährung kann dabei eine begleitende Rolle spielen.

Liebe Freunde!

Ich erzähle euch hier von mehreren Jahren strenger rohveganer Ernährung als Teenager – davon, was mir daran gefiel, warum ich später wieder Gekochtes aß und wie ich meine Erfahrung mit Colitis ulcerosa heute einordne.

Smoothie hier, Brennnesselsalat da: Rohkost ist in aller Munde. Zumindest ist sie seit einigen Jahren schwer im Trend. Überall auf der Welt könnt ihr für viel Geld Fastenkurse machen, Kräuterseminare besuchen und euch von unzähligen „Expert:innen“ erklären lassen, wie toll Rohkost ist.

Meine Freundin Irina lebte damals mit ihrer Familie auf einem wilden Stück Land in Portugal. In ihrem „Vegan Rawfood Paradies“ bot sie unter anderem Seminare an, bei denen die rohvegane Ernährung im Fokus stand.

Irina schien ganz überrascht, als ich ihr erzählte, dass ich selbst viele Jahre strenge Rohkost hielt – und das freiwillig in meinen „besten“ Jahren: als Teenager. Wie es dazu kam, wie es mir dabei ging und warum Rohkost heute nur noch einen Teil meiner Ernährung ausmacht, verrate ich gern.

Schon immer ein Sonderling?

Ich als roh-veganes Teenie

Ich als roh-veganes Teenie

Wie viele wissen, esse ich seit meiner Einschulung kein Fleisch mehr. Meine Eltern wurden nach der Wende Vegetarier, ließen uns Kinder aber wählen, wie wir wollten. Wir mochten bald selbst auf Fleisch und Fisch verzichten. Irgendwann natürlich auch auf Gummibärchen. Mit Fragen dazu, was als gesund gilt und welche Auswirkungen Fleischkonsum hat, beschäftigten wir Kinder uns also schon recht zeitig.

Als ich 13 Jahre alt wurde, zog in unser Zuhause die Rohkost ein. Ein Buch von Franz Konz, in dem streng mit der Schulmedizin ins Gericht gegangen wird, brachte mich dazu, meine vegetarische Lebensweise zu hinterfragen. Ich wollte mehr als nur auf Fleisch verzichten. Ich ließ Medikamente und Impfungen wegen der Tierversuche nicht mehr an mich heran. Eier, Milch und Honig gehörten meines Erachtens schon bald „nur“ den Tieren. Ich wollte kein Tierleid unterstützen und ernährte mich fortan rohvegan.

Für mich standen die Kuh, die Henne und die Bienen dabei im Mittelpunkt. Ihren Körper und das, was sie hervorbringen, wollte ich für meinen Speiseplan nicht beanspruchen. Wenn euch die ethische Seite dahinter interessiert, findet ihr sie ausführlicher in unserem Beitrag Antispeziesismus: Definition, Ethik und Hintergrund.

100 % gesund – so fühlte es sich für mich an

Auf die Frage, warum mein Essen denn nun nicht mehr erhitzt, geölt, gesalzen oder gezuckert sein dürfe, erwiderte ich, dass es nur so in der Natur vorkäme. Was anderen sehr komplex erschien, war für mich selbstverständlich und simpel. Ausschließlich Wildkräuter, Obst, Gemüse, Nüsse, Sprossen, Samen und stilles Wasser zu mir zu nehmen, fiel mir leicht. Als Gewinn sah ich, dass ich NIE krank war und mich so wohl fühlte wie nie zuvor. Über 5 Jahre lang hatte ich nicht einmal eine Schnupfennase, keinerlei Periodenschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Magen-Darm-Erkrankungen. Nicht mal ein Püpschen kroch aus mir heraus. 😀

Das beschreibt meine Erinnerung und mein Erleben. Für Aussagen über die gesundheitliche Wirkung einer strengen Rohkost braucht es mehr als meine Geschichte.

Möhren im Glas

Möhren im Glas – aber bitte roh!

Was ich damals für selbstverständlich hielt

Was mir damals nicht bewusst war, ist, dass viele Menschen Ernährung ganz anders einschätzen als ich. Ich ging sogar davon aus, dass Milchtrinker wüssten, warum ich Milch als „Kalziumräuber“ bezeichnete, oder dass Salz genauso abhängig und krank machen könne wie Zucker. Diese Sätze gehörten zu meinen damaligen Überzeugungen. Für Ernährungsfakten waren sie viel zu pauschal.

Inzwischen denke ich darüber anders; Facebook sei Dank. Denn ich wunderte mich zunächst über die vielen Videos in der Timeline, in denen erklärt wird, dass Weizen krank macht. Oder dass Vollkorn das Essen nicht unendlich hoch aufwertet. Und dass Orangensaft und Vitamintabletten eben nicht das bieten, was die Natur einzigartiger anbietet.

Am meisten nervten mich aber irgendwelche Frauen, die mir ständig in privaten Nachrichten mit ihren Superfoodkapseln oder -pulvern in den Ohren lagen. Vielleicht meinen sie es gut, die Damen, die x Kilos verloren haben und sich jetzt fit fühlen.

Dennoch, liebe Fitness-Diät-Königinnen, mir bringen eure Fotos im Jogginganzug mit euren Smoothiegläsern und Müslischüsseln vor euren Spiegeln nichts. Ich kenne mich aus, danke – und kaufe weder Kapseln noch Trainingspläne.

Möchte ich da manchmal antworten.

Dass ich in meinen Jugendjahren „strenge“ Rohkost, auch „Urkost“ genannt, hielt, bedeutete für mich kein Verzicht. Hätte ich etwas anderes gewollt, hätte ich das jederzeit tun können.

Rebellion und Intoleranz? Fehlanzeige.

Teeniejahre sind oft eine Zeit, in der man sich familiär auseinanderlebt. Meiner Meinung nach hat mich die Rohkost aber noch mehr mit meinen Eltern und meinem Bruder verbunden – weil sie sich auch rohvegan ernährten.

Meine Klassenkameraden und Freunde zeigten sich absolut tolerant. Auf Klassenfahrten wurde ich mit reifem und regionalem Obst und Gemüse versorgt, bei Filmabenden steckten mir die Mütter leckere Nüsse zu, bei Geburtstagen bestellte man originelle Salate ohne Dressing und mein erster Freund stellte Volvic-Eis her. Sicher lag meine Lebensfreude auch daran, dass ich mich von allen angenommen fühlte.

Es war kein Hungerwahn. Es machte Spaß!

Die Jugendzeit ist voller schöner Erlebnisse und dennoch spürte ich jede einzelne gesunde Zelle meines Körpers als etwas Besonderes. Es fällt mir schwer, meinen körperlichen Zustand besser zu erklären. Ich will auf keinen Fall behaupten, dass eine Bewusstseinserweiterung durch Veganismus oder Rohkost eintritt. Als körperlich-gesundheitliche Erweiterung würde ich es lieber bezeichnen. Das Wichtigste an allem aber war: Es machte mir Spaß! Ich bin klein und zierlich, ähnlich gebaut wie meine Eltern. Meine Berufsschullehrer bestätigten es mir eines Tages; ich wirke weder knochig noch ausgehungert, sondern gesund und wohlgeformt. An mir „sei doch alles dran“.

So habe ich mich damals erlebt. Mein Wohlgefühl war echt. Die Frage, wie gut ich mit einzelnen Nährstoffen versorgt war, beantwortet es trotzdem nicht.

Granatapfel zubereiten

Genuss wie in Jugendjahren

Und danach?

Mit 18 Jahren wollte ich hin und wieder etwas Gekochtes essen. Deshalb kamen ab und zu Kartoffeln oder Linsen zum Salat oder ein Avocadobrot zwischendurch. Übertrieb ich es bei Freunden mit Süßigkeiten, quittierte mir das mein Körper jedoch sofort. Mein Darm war Zucker, Salz und stark verarbeitete Lebensmittel einfach nicht mehr gewöhnt.

Colitis ulcerosa: Was ich erlebt habe – und was ich daraus ableiten kann

Irgendwie schaffte es eine Frauenärztin damals, mir die Pille einzureden. Klar wusste ich um die Nachteile, aber die Vorteile und die Tatsache, dass alle meine Freundinnen brave Pillenschlucker waren, blendeten mich. Es dauerte nicht lange, und ich litt stark unter einer Colitis ulcerosa. Dass beides kurz nacheinander kam, reicht für mich heute nicht, um der Pille die Colitis zuzuschreiben.

Das war echt blöd, schmerzhaft, blutig und ekelig. Und während Ärzt:innen Zäpfchen und Tröpfchen verschrieben und Heilpraktiker:innen Schonkostpläne für mich aufstellten, wusste ich bereits besser, was zu tun war. Ich ließ noch einige Zeit mit mir experimentieren, dann reichte es mir. Ich fastete zwei Tage und aß anschließend wieder roh. Meine Beschwerden wurden innerhalb weniger Tage deutlich besser. Damals deutete ich das als Heilung durch Rohkost.

Mehr lässt sich aus meiner Geschichte seriös nicht machen: Ich fastete, aß wieder roh und die Beschwerden besserten sich. Warum, kann ich im Rückblick nicht sauber auseinanderhalten. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) bewertet in ihrer S3-Leitlinie von November 2025 die Evidenz für spezielle ernährungstherapeutische Maßnahmen zur Remissionsinduktion oder Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa als unzureichend.[1]

Seit dieser Zeit war ich lange überzeugt, mir brauche keiner etwas über „gesunde Ernährung“ oder Medikamente zu erzählen. Heute trenne ich meine eigene Erfahrung stärker von dem, was sie für andere Menschen aussagen kann.

Heute lebe ich recht ungezwungen.

Wenn ich Appetit auf einen Tee habe, dann koche ich mir einen. Hat Patrick frühs Brötchen gebacken, landen sie auch auf meinem Frühstücksteller. Bin ich bei Freunden eingeladen, esse ich alles mit, was vegan ist und mich anspricht. Und verliere ich im Familienchaos fast die Nerven, gönne ich mir hin und wieder einen Schokoladenriegel. Sei denn, die selbstgemachte Variante ist noch nicht aus. 😉

Ernährung ist für mich dann in Ordnung, wenn ich mit meinem Körper in Verbindung bleibe, wenn ich mit ihm und meiner Seele kommuniziere.

Und die Kinder?

Kinder essen Cherimoya und Mango

Kommt immer gut an: frisches Obst

Mit unseren Kindern halte ich es ähnlich. Cola, Limonade, Fertigpizza und bunt gefärbte Süßigkeiten spielen bei uns zu Hause eine kleine Rolle. Unsere Kinder haben ihre eigenen Vorlieben. Was sie essen möchten oder ablehnen, zählt für mich, und wir Erwachsenen tragen Verantwortung für Auswahl, Sicherheit und den Rahmen.

Wie wir das im Familienalltag begleiten, erzählen wir ausführlicher im Beitrag Selbstbestimmt essen mit Kindern: Beziehung statt Essensdruck.

Mein Zweifel an „Expert:innen“

Über Rohkost-Seminare staunte ich damals besonders deshalb, weil ich selbst nie an einem teilnahm. Ich brauchte keinen Mentor, der in seinem stillen Kämmerchen vielleicht doch Kekse knabbert. Für mich bedeutete „jahrelange Erfahrung“ auch nicht, dass die Rohkostjahre ständig von Ausnahmen oder „nur kleinen Beilagen“ unterbrochen wurden.

Ich selbst brauchte solche Seminare nicht. Dass sie Menschen motivieren können, die Rohkost ausprobieren möchten, kann ich mir aber gut vorstellen.

Was die Erfahrung lehrt

Den Begriff Expert:in mag ich bis heute nicht besonders. Zwei Gedanken aus meiner eigenen Erfahrung kann ich euch trotzdem mitgeben.

  • Wenn euch Rohkost neugierig macht, kann Neugier als Anfang reichen. Für mich waren feste Ziele wie „Die Fastenzeit muss ich durchhalten!“ oder „Am 1. Januar fange ich aber wirklich an.“ überflüssig.
  • Bei Krankheit gehört die Behandlung in fachliche Hände. Ernährung kann daneben ein Teil des eigenen Umgangs mit der Erkrankung sein. Für Colitis ulcerosa bewertet die DGVS die Evidenz für spezielle Ernährungstherapien zur Remissionsinduktion oder -erhaltung derzeit als unzureichend.[1]
  • Wenn ihr euch eine andere Ernährung auch für Partner:in oder Kinder wünscht, lässt Vorleben mehr Freiheit als Missionieren. Mir war immer wichtig, dass die anderen selbst entscheiden konnten.

Mit jeder Ernährungsform eckt man an. Vielleicht findet ihr meine Geschichte zu extrem, oder ihr seid selbst Urköstler:innen und haltet mich womöglich für schwächlich. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich weiterhin als „extrem“ bezeichnet werde. Für mich wäre das okay. Und die Interessen der Tiere waren ohnehin einer der Gründe, warum ich diesen Weg überhaupt gegangen bin. 😉

FAQ zur rohveganen Ernährung

Was bedeutete „rohvegan“ bei mir?

Bei mir hieß das damals: Wildkräuter, Obst, Gemüse, Nüsse, Sprossen und Samen, dazu stilles Wasser. Erhitzen, Öl, Salz und Zucker ließ ich weg. Das war meine sehr strenge Form von Rohkost; andere Menschen setzen Rohkost deutlich anders um.

Kann Rohkost Colitis ulcerosa heilen?

Meine Geschichte zeigt nur den zeitlichen Ablauf bei mir: zwei Tage Fasten, anschließend wieder Rohkost und innerhalb weniger Tage eine deutliche Besserung meiner Beschwerden. Die DGVS bewertet die Evidenz für spezielle ernährungstherapeutische Maßnahmen zur Remissionsinduktion oder Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa als unzureichend.[1]

Kann eine sehr strenge Rohkost zu Versorgungslücken führen?

Eine kleine Querschnittsstudie von 2022 untersuchte 16 langjährig streng roh essende Erwachsene. Die Forschenden fanden unter anderem niedrigere mittlere Aufnahmen von Energie, Protein, Calcium und Jod sowie niedrigere Werte einzelner Biomarker als in der Vergleichsgruppe. Der Vitamin-B12-Status unterschied sich deutlich danach, ob die Teilnehmenden supplementierten. Wegen der kleinen Stichprobe liefert die Studie einen Hinweis auf mögliche Versorgungslücken; ihre Häufigkeit lässt sich daraus nicht bestimmen.[2]

Alles Liebe,
Eure Evelin

Quellen & Einordnung

  1. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): S3-Leitlinie Colitis ulcerosa, Stand 11/2025, Empfehlung 8.6 „Durchführung der Ernährungs-/Substitutionstherapie“. DGVS-Leitlinie.
  2. Abraham K, Trefflich I, Gauch F, Weikert C (2022): Nutritional Intake and Biomarker Status in Strict Raw Food Eaters. Nutrients 14(9):1725. DOI: 10.3390/nu14091725.

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