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Aktualisiert am 13. August 2026.

Drei Tage verbrachten wir mit unseren Kindern in Norwegen, dem Land der Trolle und Riesen. Wir nehmen euch mit und erzählen von unseren lustigen, beeindruckenden und schlimmen Erlebnissen.

Diesen Blogpost gibt es auch als Video, falls ihr keine Zeit oder Lust zum Lesen habt:

Unsere drei Tage führten uns von der grünen Grenze bei Rottnemon über Elverum, Hamar und Lillehammer nach Tretten, Lom und ins Visdalen. Wir schliefen im Auto, begegneten Schafen auf der Straße, suchten Umwege um Mautstellen und lernten in Lillehammer, wie scharf eine winzige Chili-Schote sein kann.

Hinweis: Dieser Reisebericht erzählt von unserer Fahrt im Sommer 2019. Apps, Stellplätze, Preise, Mautregeln und Fährverbindungen können sich seitdem verändert haben. Wo das für eure eigene Reiseplanung wichtig werden könnte, findet ihr einen aktuellen Hinweis.

Über die grüne Grenze von Schweden nach Norwegen

Am Tag nach dem Midsommarafton in Schweden reisten wir nach Norwegen weiter. Wir fuhren über Östmark straßenbreiten, festgefahrenen, mit riesigen Pilzen und blühenden Lupinen gesäumten Waldwegen entlang. Die gemütliche Strecke und die oft grandiose Aussicht machten die Reise zu einem kurzweiligen Vergnügen.

Über die grüne Grenze nach Norwegen

Über die grüne Grenze nach Norwegen

Das Navi wollte uns zwar partout eine andere Strecke entlangführen, aber wir widersetzten uns. Problemlos passierten wir schließlich die grüne Grenze in Rottnemon.

Als wir norwegisches Staatsgebiet unter den Rädern hatten, stellte das Navi nüchtern fest, dass unser Weg doch der kürzere war.

Die hübschen, meist rot angestrichenen Häuser, wie wir sie in Schweden sahen, wichen zunehmend überwiegend braun oder weiß angestrichenen Block- und Holzhäuschen.

Nachdem wir den Waldweg verlassen haben, fuhren wir über die 201 und eine weitere Umleitung durch den Wald in Richtung Hamar, weil die App Park 4 Night dort eine tolle Übernachtungsmöglichkeit ausspuckte.

Park4night gibt es weiterhin. Ob ein Stellplatz noch zugänglich ist und welche Regeln dort gelten, kann sich allerdings ändern.

Zurück in der Zivilisation

Wir konnten es kaum fassen: Im Vergleich zum ruhigen, dünn besiedelten Schweden auf demselben Breitengrad, hatten wir hier in Norwegen eine Landschaft vor uns, die uns sehr an zuhause erinnerte.

Norwegen ist zwar ebenfalls von großen Seen und Wäldern geprägt, aber es gibt in dem Land auch weite Ebenen mit vielen, nahe beieinander liegenden Ortschaften, großen Feldern, etlichen Baustellen, einem gut ausgebauten Straßennetz und vor allem viel mehr Verkehr auf den Straßen.

Was gleich auffiel: Hier fahren viel mehr Elektrofahrzeuge, vor allem der Marke Tesla, herum als bei uns.

Das war unser Eindruck auf dieser Strecke. Wir haben natürlich keine Fahrzeuge gezählt, und in anderen Regionen oder zu anderen Zeiten kann das ganz anders aussehen.

Die Rache des Raubvogels

Unsere erste, größere Pause legten wir in Elverum beim Norsk skogmuseum ein, um dort im Museumsshop erfolglos nach einem schönen Aufkleber für unser Auto zu schauen.

Da wir die „Jagd“ nicht gutheißen und noch einen weiten Weg vor uns haben, verzichteten wir auf einen Museumsbesuch. Unsere Kinder hatten trotzdem viel Spaß mit den lebensgroßen Tierskulpturen und dem Labyrinth im Außengelände.

Lebensgroße Statue eines Elchs

Lebensgroße Statue eines Elchs

Wieder am Auto sahen wir das Unheil: Ein Vogel hatte einen riesigen Haufen auf die Frontscheibe gesetzt. Wir konnten die Vogel-AA zwar abwischen. Die Schlieren auf dem Glas fuhren wir jedoch noch auf der ganzen Reise durch Norwegen spazieren.

Hamar

Der zur Übernachtung ausgewählte Parkplatz in Hamar war uns dann doch zu windig und stark frequentiert, auch wenn er wunderschön am See lag, so dass wir nach einem Einkaufsbummel durch einen örtlichen Supermarkt noch etwas weiter in Richtung Lillehammer fuhren.

Mjøsa bei Hamar

Mjøsa bei Hamar

Das Angebot in den Kaufhallen ist vergleichsweise preisintensiv. Unserer Meinung nach war das, neben der norwegischen Zuckersteuer, einer der Gründe, weshalb die Menschen in Norwegen so schlank und relativ gesund aussehen.

Das war eine ziemlich spontane Deutung von uns. Ein paar Eindrücke im Supermarkt sagen wenig darüber aus, wie gesund Menschen sind oder warum sie so aussehen. Die norwegische Steuerverwaltung weist auch 2026 eine Zuckersteuer aus; sie betrifft bestimmte Zuckerarten wie Kristall- und Puderzucker, während Zucker als Bestandteil anderer Produkte davon ausgenommen ist.

Einzeln eingeschweißte Paprika

Da fehlt uns das Verständnis …

Übernachtung im Auto am Torpavegen

Kurz vor Lillehammer fuhren wir bei Vingrom den nicht stark befahrenen Torpavegen ins Gebirge hinauf und fanden dort einen ruhigen Parkplatz, wo wir übernachten konnten.

Parkplatz am Torpavegen

Morgenstimmung: Parkplatz am Torpavegen

Am nächsten Morgen wechselte sich eine kühle Brise mit Windstille gefühlt im Minutentakt ab. Die Sonne sendete ihre wärmenden Strahlen. Wir hörten die Vögel zwitschern, entfernt den Schrei einer Krähe und das Läuten der Glocken um den Hals frei herumlaufender Schafe und Rinder.

Das Schaf auf der Straße

Als wir vom unbequemen Nächtigen im Auto relativ gebeutelt zurück ins Tal fuhren, kreuzten mehrere Rinder- und Schafherden unseren Weg.

Schaf auf der Straße

Das Schaf auf der Straße: ob es ihm gut geht?

Ein Schaf lag merkwürdig auf der Straße und wir dachten, es wäre vielleicht verletzt. Als Evelin ausstieg, um nach dem Tier zu sehen, wandelte sich unsere Sorge in schallendes Gelächter. Ein Lamm, das offensichtlich mitten auf der Straße gestillt wurde, flüchtete vor Evelin und riss dabei seine Mama mit.

Das Lämmchen trug die Schafmama, die sich nur mit den Vorderbeinen auf der Straße abstützen konnte, quer über die Straße. Für uns sah die Szene einfach herrlich aus.

Die Autofahrer:innen waren alle sehr achtsam und hielten für die Tiere an.

Ein scharfer Sonntag in Lillehammer

Es war Sonntag und die Stadt Lillehammer stand auf dem Programm. Die Parkplatzsuche gestaltete sich einfach. Am Sonntag kostete der Platz, den wir uns aussuchten, nichts.

Fußgängerzone in Lillehammer

Fußgängerzone in Lillehammer

Wir bummelten durch die Stadt und konnten in einem arabischen Geschäft einige Lebensmittel einkaufen. Unser Kleiner naschte dort aus Versehen von einer sehr scharfen Chili-Schote. Er fing an zu schreien und konnte sich nicht mehr beruhigen. Er wollte nicht stillen, und auch das Gürkchen, das der hilfsbereite Verkäufer ihm brachte, nützte wenig. Es dauerte eine ganze Weile, bis der Schmerz nachließ. Wir sind froh, dass nichts Schlimmeres passierte.

Wir fuhren zum Museumskomplex Maihaugen, wo am Abend ein großes Feuer entzündet werden sollte, entschieden uns aber doch, das Eintrittsgeld zu sparen und weiter nach Tretten zu fahren, wo wir für zwei Nächte als Couchsurfer unterkommen durften.

Traumhafte Aussicht bei Tretten

Blick übers Tal

Von Tretten nach Lom

Unser Gastgeber, ein freundlicher und aufgeschlossener, junger Mann, zeigte uns noch am ersten Tag einen kleinen Wasserfall in seiner Nähe und wusste viel über Land und Leute zu berichten.

Wasserfall bei Tretten

Ein hübscher Wasserfall bei Tretten

Um unsere Anwesenheit in Norwegen auszukosten, wollten wir nach einer erholsamen, hellen Nacht einen Tagesausflug nach Lom und ins Hochgebirge Skandinaviens unternehmen, genauer gesagt zum Nationalpark Jotunheimen, benannt nach dem Land der Riesen aus der nordischen Mythologie.

Abenddämmerung bei Tretten

Abenddämmerung bei Tretten

Allein der Weg nach Lom war den Ausflug wert. Um die zahlreichen Mautstraßen zu umgehen, ließen wir uns vom Navi unbefestigte, teils sehr schmale, abenteuerliche Waldwege entlangführen. Über den Wildwasserfluss Sjoa und am Lemonsjøen vorbei leitete es uns bis nach Lom, wo eine Stabkirche aus dem 12. Jahrhundert, der türkisblaue Fluss Bøvra und viele, viele Touristen auf uns warteten.

Mehr über die Kirche findet ihr auf der offiziellen Seite der Lom Stave Church.

Wildwasserfluss Sjoa

Wildwasserfluss Sjoa

Stabkirche in Lom

Stabkirche in Lom

Bøvra in Lom

Bøvra in Lom

Nachdem wir den Ort erkundeten und uns an einem Brunnen das „weltbeste Wasser“ in unsere Flaschen abfüllten, fuhren wir noch ein Stück weiter ins Hochgebirge hinein.

Sognefjell-Straße

Sognefjell-Straße

Visdalsvegen

Das Visdalen, das genau zwischen den beiden größten Bergen des skandinavischen Gebirges, dem Galdhøpiggen und dem Glittertind, hindurchführt, wartete auf uns.

Das Auto ächzte unter der Fahrt über den Visdalsvegen. Da uns bei Lauvbakken ein Schild auf die Mautpflicht und für größere Autos unpassierbare Engstellen beim Befahren der vor uns liegenden Strecke aufmerksam machte, ließen wir das Auto verschnaufen und nutzten die Gelegenheit für einige Schnappschüsse dieser beeindruckenden Landschaft, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Tretten machten.

Visdalen

Visdalen

Im Nachhinein ärgere ich mich darüber, dass wir die Sognefjell Road, die höchste Passstraße Nordeuropas, die von Lom bis zum Lustrafjorden führt, nicht weitergefahren sind. Wer sich die Strecke genauer ansehen möchte, findet sie bei Norwegian Scenic Routes.

Jürgen Heidorn hat das, was wir verpasst haben, in seinem Youtube-Video festgehalten:

Auf dem Rückweg nach Tretten haben wir diesmal eine Mautstelle mitgenommen, besser als die 70 Kilometer zu fahren, um sie zu umgehen.

Von Eindrücken überwältigt fielen wir ins Bett.

Abreise mit der Fähre von Oslo nach Frederikshavn

Der nächste Tag war verregnet und trüb.

Tretten bei Regenwetter

Tretten bei Regenwetter

Wir räumten das Auto ein und fuhren gen Oslo, von wo aus uns eine Fähre über Nacht nach Frederikshavn in Dänemark bringen soll. Die Fähre der Stena Line haben wir vor Antritt unserer Reise für circa 200 Euro gebucht.

Die circa 200 Euro waren unser damaliger Preis. Noch wichtiger für die Reiseplanung heute: Stena Line stellte die Verbindung Oslo–Frederikshavn, die wir damals nutzten, am 19. März 2020 dauerhaft ein.

Um zum Fährhafen zu gelangen, kommt man um Mautstraßen nicht herum. Da mussten wir also in den sauren Apfel beißen. Die Mautrechnungen sollen dem Fahrzeughalter innerhalb eines Jahres zugestellt werden.

Heute läuft die norwegische Straßenmaut weiterhin über AutoPASS. Für ausländische Fahrzeuge erklärt AutoPASS die aktuellen Möglichkeiten auf einer eigenen Seite zu ausländischen Fahrzeugen.

Vor der Fähre der Stena Line

Vor der Fähre der Stena Line

Wir sind pünktlich am Fährhafen eingetroffen und warten im Nieselregen auf unser Schiff. Das Auto fand einen Platz auf dem Parkdeck. Wir nahmen so viel wir tragen konnten, suchten unsere Kajüte und fanden sie in der Nähe der Schiffsmotoren.

Nun hieß es, die Fähre zu erkunden, auf der es Bars, Restaurants, einen Einkaufsmarkt, Spielhallen, eine Disco und Angebote für „kleine Piraten“ gibt. Auf der Fähre ist alles auf Konsum, Unterhaltung und Vergnügen ausgelegt.

Oslofjord

Oslofjord

Das sanfte Dröhnen der Schiffsmotoren wiegte uns nach einer Dusche und einem provisorischen Abendessen aus Knäckebrot, Smøremyk und Salat in den Schlaf.

Pünktlich um 6 in der Frühe weckte uns der Kapitän der Fähre über die Bordlautsprecher. Da waren wir wieder in Dänemark.

Einfahrt in den Hafen von Frederikshavn

Einfahrt in den Hafen von Frederikshavn

Eine eindrucksvolle Reise durch Skandinavien liegt hinter uns und wir freuen uns nun auf die Länder und Abenteuer, die noch vor uns liegen.

FAQ: Norwegen mit Kindern, Maut und kurze Roadtrips

Ist Norwegen mit Kindern für einen kurzen Roadtrip geeignet?

Für uns hat das auf diesen drei Tagen gut funktioniert. Wir hatten viel Natur und viele neue Eindrücke, saßen allerdings auch etliche Stunden im Auto. Wie entspannt sich so eine kurze Runde anfühlt, hängt deshalb ziemlich stark davon ab, wie viel Fahrzeit für eure Familie gerade gut passt.

Was meint ihr mit „grüne Grenze“?

Mit der „grünen Grenze“ meinen wir in diesem Reisebericht den Übergang, den wir bei Rottnemon nutzten. Wir kamen über die Waldwege aus Schweden und fuhren dort ohne Schwierigkeiten nach Norwegen weiter.

Wie seid ihr mit der Maut in Norwegen umgegangen?

Anfangs ließen wir uns auf Umwege ein, um Mautstraßen zu vermeiden. Auf dem Rückweg nach Tretten nahmen wir dann doch eine Mautstelle, weil uns 70 zusätzliche Kilometer irgendwann zu viel waren. Für die heutige Abrechnung ist AutoPASS die passende offizielle Anlaufstelle.

Warum seid ihr nicht in den Museumskomplex Maihaugen gegangen?

Wir wollten das Eintrittsgeld damals lieber sparen und fuhren weiter nach Tretten. Dort konnten wir zwei Nächte bei unserem Couchsurfing-Gastgeber unterkommen.

Was war mit Kind am anstrengendsten?

Die Chili-Schote in Lillehammer. Unser Kind hatte plötzlich Schmerzen im Mund, und es dauerte eine ganze Weile, bis sie nachließen.

Welche Strecke hat uns landschaftlich am meisten beeindruckt?

Der Weg nach Lom und weiter ins Hochgebirge gehört für uns zu den eindrucksvollsten Abschnitten dieser kurzen Norwegenreise. Dass wir die Sognefjell Road damals nicht weitergefahren sind, ärgert mich bis heute.

Wie war die Übernachtung im Auto am Torpavegen?

Ruhig, wunderschön gelegen und ziemlich unbequem. Am Morgen wechselten sich kühle Brise und Windstille ab, dazu kamen Sonne, Vogelstimmen und die Glocken der Schafe und Rinder.

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CC BY-SA 4.0 Norwegen – mit Kindern durchs Land der Trolle und Riesen von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.