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Aktualisiert am 14. August 2026.
Liebe Freunde!
Mütter von Kleinkindern wurden befragt, was sie in ihrer Freizeit machten. Die meisten verstanden die Frage nicht, der Rest war während der Befragung eingeschlafen.
Das Problem
Ich kann mir vorstellen, dass es vielen von uns auch so ergehen würde. Besonders der letzte Monat hatte es dank mehrerer Geburtstagsfeiern, Arztbesuche und viel Arbeit am PC in sich. An den Blogartikeln, die so lange auf sich warten lassen, könnt ihr leicht erkennen, wie „gefüllt“ meine Freizeit mit Wäsche, Staubfusseln und der Erfüllung von Kinderbedürfnissen ist.
Ihr Lieben, ich bin nun seit acht Jahren Mama. In all der Zeit hörte oder las ich immer mal wieder, wie wichtig Pausen für Mütter wären. Heute nennt man diese Zeit, die ganz für einen selbst reserviert ist, „Me-Time“.
Wenn ich richtig fertig war (nicht mit der Wäsche, sondern mit den Nerven), verkroch ich mich mitunter in ein kurzzeitig ruhiges Fleckchen und googelte. Ich las nach, was Mütter angeblich so machen, wenn sie sich eine Auszeit nehmen.
Me-Time weit weg von den Kindern: Was für mich schwierig ist
Kurz zusammengefasst fand ich Auszeiten in Form von:
- Shopping,
- einem Wochenende im Hotel,
- Alkohol,
- schick Essen gehen,
- zum Frisör gehen und
- Schokolade.
Als ich diese Tipps las, merkte ich schnell: Vieles davon passt einfach nicht zu mir. Ich kann mich als Mama schwer woanders erholen, während ich gleichzeitig große Mama-Sehnsucht habe und meine Kinder bei Verwandten oder Freunden sind.
Okay, Schokolade geht auch, ohne die Kinder abzugeben. Aber seit ich weiß, dass Kinderarbeit in Kakao-Lieferketten weiterhin dokumentiert ist, macht mir das süße Frustfressen auch keinen Spaß. Das U.S. Department of Labor führt Kakao aus Côte d’Ivoire und Ghana seit 2009 wegen Kinderarbeit beziehungsweise bei Côte d’Ivoire auch wegen Zwangsarbeit und erzwungener Kinderarbeit in seiner entsprechenden Güterliste.
Ich will so bleiben wie ich bin – ich darf.
Meine Suchmaschine spuckte mir bald die nächsten Ergebnisse aus:
- Coachings,
- Bücher, um die eigene Kindheit aufzuarbeiten, oder
- Bücher über den Umgang mit „negativen Gefühlen“.
Okay. Ich kenne ein paar Mütter, die solche Coachings anbieten. Ebenso Autorinnen und Bücher, die vielleicht einigen Gleichgesinnten weiterhelfen könnten. Ich habe aber festgestellt, dass ICH all diese Dinge nicht will, wenn mir mein persönlicher, kleiner Affenzirkus gerade zu viel wird. Das hat tausend Gründe. Die wichtigsten sind: Coachings sind einfach nicht mein Ding. In akuter Überforderung brauche ich zuerst Luft. Und meine Gefühle dürfen zu mir gehören – eben, ohne jemanden damit zu verletzen. Genau darin liegt für mich auch ein praktischer Kern beziehungsorientierter Elternschaft.
Vom Leid der Vollzeitmama
Zurück zur Auszeit, zu meiner persönlichen Me-Time als Mama: Ich dachte immer, ich bräuchte sowas nicht. Ich habe nicht verstanden, dass das für Mütter auch etwas anderes als Shopping und Co. bedeuten kann.
Als ich in Schulen, Kitas und Familien arbeitete, stand mir jeden Tag eine Pause zu. Damals war das für mich selbstverständlich. Als Mutter vergesse ich die Zeit zum Verschnaufen dagegen leicht, weil im Familienalltag fast immer noch etwas ansteht.
Wir könnten viel darüber debattieren, wie Care-Arbeit verteilt ist und was sich daran ändern müsste. Ich bleibe hier lieber bei dem, was ich selbst kenne: Das Zusammenleben mit jungen Menschen ist spannend und zum Glück oft schön. Gleichwohl ist es keine Entspannung. Über meine Arbeit in Kitas habe ich mehr als einmal Sätze gehört wie: „Hast du’s gut. Was du machst, ist ja keine richtige Arbeit.“ Tauschen wollte dann komischerweise trotzdem niemand. Als Begründung hörte ich auch: „Weil man das nicht lange aushalten würde.“
Meine Gedanken waren also: Okay, wenn mir in meiner Arbeit Pausen zustanden, wieso bestehe ich als Vollzeit-Mama dann nicht einmal auf zehn Minuten am Tag nur für mich?
Kraft tanken: Darum braucht auch eine Mama eine Pause
Mir kam ein anderer Vergleich in den Sinn: Bei den Sicherheitsanweisungen im Flugzeug heißt es sinngemäß, zuerst die eigene Sauerstoffmaske aufzusetzen und danach anderen zu helfen. Im Mama-Leben bedeutet das für mich: Wenn ich wieder klarer bin, fällt es mir leichter, mit ganzem Herzen für meine Kinder da zu sein und ihre Gefühle aufzufangen. Hadere ich hingegen mit Müdigkeit, Wut und Unzufriedenheit, kostet mich genau das deutlich mehr Kraft.
Für eine Form anhaltender Überforderung gibt es auch einen fachlichen Begriff. Moïra Mikolajczak und Isabelle Roskam beschreiben „Parental Burnout“ als ein auf Elternschaft bezogenes Syndrom nach anhaltendem chronischem Stress. Dazu gehören vor allem starke Erschöpfung, emotionale Distanzierung von den Kindern und der Verlust an Erfüllung in der Elternrolle. Ich verwende den Begriff hier als Denkrahmen, nicht als Selbstdiagnose. Er hilft mir, dauerhafte Überlastung ernster zu nehmen als die Müdigkeit nach einer kurzen Nacht.
Die Bedeutsamkeit meiner „Pausen“ ist mir nun bewusst. Bevor ich mich an die komplizierte Umsetzung wage, überlege ich: „Was würde ich in meiner Freizeit gerne machen? Wofür benötige ich eine Pause ohne Kind?“
Was will ich in meiner Me-Time als Mama tun?
Meine Antworten sind:
- Schlaf nachholen durch Mittagsschlaf nach Bedarf.
- Um mir etwas Gutes zu gönnen, möchte ich in einem Buch lesen.
- Wäsche stopfen und basteln beruhigen mich nebenbei auch sehr.
Und wie kann ich das erreichen?
Überrumple ich meinen Partner damit, dass er zur Mittagszeit das tägliche Kindersitten übernimmt, könnte das schief gehen. Wenn jahrelang eingespielt wurde, dass die Mama die Wäsche macht, putzt und die Kinder bespaßt, und ich auf einmal wütend alles mit „Du kannst jetzt auch mal was machen“ von mir werfen will … Na ja, ihr merkt selbst, dass das keine durchdachte Sache ist.
Besser funktioniert es mit einem Gespräch in Ruhe. Ist die gerade nicht da und selbst am Abend ist dafür einfach kein Nerv mehr, kann auch ein Zettel helfen. Darauf könnte zum Beispiel stehen:
„Lieber Mann! Wir haben so süße und wundervolle kleine Geschöpfe bei uns und ich liebe sie von ganzem Herzen. Gerade merke ich, wie erschöpft ich bin und wie dringend ich eine Pause brauche. Mir würde zum Beispiel ein Nachmittagsschläfchen nach deinem Feierabend, eine Stunde Joggen am Abend oder deine Hilfe beim Bettfertigmachen vor deiner Spätschicht guttun. Hättest du heute oder morgen Raum dafür? Falls diese Zeiten für dich nicht passen, würde ich gern mit dir einen anderen Zeitpunkt finden.“
Wir befinden uns momentan wieder in meiner Pausen-Einarbeitungsphase. Manchmal klappt es gut und ich genieße 30 Minuten ganz für mich, ohne mich dabei auf dem Klo einzusperren. Ein anderes Mal ist das Baby krank und ich bräuchte gefühlt drei Pausen am Tag plus Nachtzuschlag. Mir ist klar, dass eine Umstellung der Familienzeit nicht von heute auf morgen funktioniert.
Daher verrate ich euch, was ich tue, wenn ich mich total erledigt fühle und Patrick nicht für mich einspringen kann. Vielleicht hilft davon auch Alleinerziehenden etwas; wie gut es passt, hängt natürlich von eurer Situation ab. Mit Ehemann im Dauerhomeoffice genieße ich definitiv viele Vorzüge. <3
Übrigens: An manchen Tagen kommt es vor, dass ich mich mittags richtig fit fühle. „Heute brauche ich keine Pause, Schatz!“, rufe ich ihm dann zu. Stunden später schlappern mir die Augensäcke in Höhe der Knie. Deshalb ist das Auftanken auch dann sinnvoll, wenn der Akku noch nicht komplett entladen ist.
Kraft tanken und eigene Bedürfnisse erfüllen
Kurzes Nickerchen
Fallen mir im Stehen die Augen zu, ist es Zeit für mein Nickerchen. Der windelfreie Spross bekommt ausnahmsweise eine Windel um. Alles, was irgendwie zu Bruch gehen könnte oder eine Quelle der Gefahr darstellt, kommt außer Kinderreichweite.
Manchmal reicht es, wenn ich den großen Kindern von meinem Vorhaben erzähle. Es gibt aber auch Tage, da stoße ich auf taube Ohren. Dann hilft nur mein Babysitter für Notfälle: Netflix mit Peppa Pig (in einer Fremdsprache nervt es mich nicht) oder die Sendung mit der Maus.
Auszeit MIT den Kindern
Nein, wir setzen uns nicht zusammen auf die stille Treppe. 😉
Mir helfen Spiele zum Verschnaufen, wie die von Ella auf HerzKindMama.de. Ich habe ihre und meine Ideen in ein kleines Büchlein gekritzelt, das ich meiner Freundin zum Geburtstag schenke. Hier auch für euch:

Me-Time: Mama-Wellness mit Kind
Ihr könnt die Grafik hier in höherer Qualität herunterladen.
Verantwortung im Familienalltag teilen
Ich bewunderte immer die Mütter, deren Kinder keine Aufgaben übernehmen. Toll, wenn das klappt! In Schule und Kindergarten haben unsere Kinder oft schon genug zu tun. Dass sie danach frei haben wollen, kann ich gut nachvollziehen. In unserer sechsköpfigen Familie funktioniert es trotzdem nicht, wenn eine Person dauerhaft alles übernimmt.
Bevor ich alle anfahre: „Ich kann nicht mehr!“, spreche ich lieber früh ab, wer was übernehmen kann. Erklären, wieso ich nicht alles alleine schmeiße, geht auch ohne Vorwürfe. Bei uns helfen die Kleineren oft gern mit. Bei den Größeren klappt Zusammenarbeit eher, wenn ich ihnen als Mensch begegne und wir miteinander aushandeln, was gerade realistisch ist.
Unsere Aufgaben haben wir gemeinsam überlegt, getrennt nach Zimmern. Welche Baustelle wartet in Küche, Bad oder Kinderzimmer? Oder haben wir für manche Räume sogar Absprachen, die wir wieder auffrischen könnten? Bei uns gibt es zum Beispiel einen Teller-, Gläser- und Besteckdienst. Unsere Unfall-Verhütungsregel lautet: „In der Badewanne zanken wir nicht.“ Und wenn das Baby schlafen will, ist die Hüpfzeit im Bett vorbei.
Sofort-Maßnahmen, wenn mich als Mama gerade keiner ablösen kann
Es sind noch Stunden bis zum Feierabend eures Partners und ihr fühlt euch schon jetzt total erledigt? Vielleicht ist noch ein klitzekleiner Nerv übrig, um die momentane Situation zu Hause einmal auseinanderzunehmen:
1. Was regt mich gerade so auf?
Ein Beispiel: Mir waren meine Kinder zu laut. Ich managte den Haushalt seit Wochen gefühlt alleine. Die Nächte waren zu kurz und Freizeit ist nicht vorhanden.
2. Was nehme ich bei meinen Kindern wahr – und was ist meine Deutung?
Wenn ein Kind brüllt, weiß ich zuerst nur: Es ist gerade laut, und die Situation ist angespannt. In meinem Fall merke ich dabei oft auch, wie gereizt ich selbst bin. Ob meinem Kind Ruhe, Nähe, Bewegung oder etwas ganz anderes fehlt, kann ich nur prüfen; aus dem Brüllen allein kann ich das nicht herauslesen.
3. Was kann ich sofort ändern?
- Rausgehen. Bei uns verändert draußen oft die Stimmung. Die Kinder können toben und kreischen, und ich schaffe es eher, wieder Herr meiner Sinne zu werden und zu entspannen.
- Zählen. Wenn ein Kind brüllt, zähle ich still für mich bis zu einer beliebigen Zahl und fange wieder von vorn an, wenn ich „rauskomme“. So bin ich zu beschäftigt, um mitzubrüllen.
- Atmen. Ich konzentriere mich wie beim Schwangerschaftsyoga oder bei den Geburtswehen auf meine Atmung. Einatmen – ausatmen.
- Singen. Mir hilft Singen manchmal, Stress abzubauen und wieder etwas leichter zu werden.
Ihr Lieben, welche Verschnaufpausen braucht ihr? Wer nimmt euch die Kinder mal ab? Oder welche kleinen Pausen funktionieren bei euch, wenn gerade niemand übernehmen kann?
Ich wünsche euch allen eine erfüllende Me-Time und nachhaltige Pausen vom Alltag des Eltern-Seins.
Eure Evelin
Quellen zum Nachlesen
- Mikolajczak, M. & Roskam, I. (2018). A Theoretical and Clinical Framework for Parental Burnout: The Balance Between Risks and Resources (BR²). DOI 10.3389/fpsyg.2018.00886. Tragende Stelle: Abschnitt „Parental burnout“, insbesondere die Beschreibung von Erschöpfung, emotionaler Distanzierung und Verlust an Erfüllung.
- Mikolajczak, M. & Roskam, I. (2020). Parental burnout: Moving the focus from children to parents. DOI 10.1002/cad.20376. Abstract bei PubMed.
- U.S. Department of Labor, Bureau of International Labor Affairs (ILAB): List of Goods Produced by Child Labor or Forced Labor. Cocoa Storyboard und Einordnung der Lieferkette, abgerufen am 14.08.2026.
Me-Time als Mama: Wie ihr im Familienalltag echte Pausen findet von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
Hallo Evelin,
schön, mal wieder was von Euch zu hören! Da mein Mann und ich uns Haushalt, Kindererziehung und -betreuung von Anfang an teilen, hab ich es da etwas leichter, aber so betrifft das Thema Me-Time uns beide und ist ein echter Dauerbrenner in unserer Familie. Einiges klappt inzwischen gut, an anderem muss ich noch sehr arbeiten. Während mein Mann einfach immer die Ruhe in Person ist, egal wie ko er ist, merke ich oft nicht, dass ich mich überlaste. Und dann explodiere ich teilweise regelrecht, was natürlich überhaupt nicht zielführend ist. Denn gerade unser drittes Kind ist mega feinfühlig und reagiert prompt mit Gegengebrüll.
Was gut klappt:
Samstag und Sonntag abwechselnd ausschlafen
Einer geht mit den Kleinen raus, einkaufen, in den Wald, was auch immer, der Andere macht ein Nickerchen
Die Großen werden regelmäßig „eingeteilt“ und übernehmen stundenweise die Betreuung der Kleinen
Abends räumen alle zusammen auf, erst dann wird entspannt
Mit den Kids: Kuscheln beim Fersehschauen, mit Kaffee oder Tee zum Spielplatz nebenan (da sind immer Freunde vor Ort), gemeinsam bauen ( das entspannt mich :-)), oder wenn wirklich keiner Zeit hat zu helfen, und ich eigentlich ko bin, mach ich gerne kleine Ausflüge in den Wald, auf einen unbekannten Spielplatz, zum Baggersee, …) Da kann ich Kraft tanken auch mit den Kids. Denn die sind dann meist mit Erkunden beschäftigt.
Und: immer wieder reden, reden, reden, wer von uns gerade was genau braucht im Alltag. Das klappt mal besser und mal schlechter…
Um auch mal Zeit zu Zweit zu haben, waren vor kurzem alle Vier bei der Oma über Nacht. Mit den Großen, die ganz gut wissen, wie unsere Kleinen „ticken“, ist das für die Oma machbar. Und nach anfänglichem Unbehagen konnten wir es dann richtig genießen.
Liebe Grüße Sabine