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Zuletzt aktualisiert: 22.02.2026

Wir lieben es, anderen kleine Geschenke zu machen. Eine Postkarte. Ein paar wärmende Worte. Etwas Selbstgemachtes, vielleicht eine Teemischung. Ein Blumensträußchen vom Wegesrand oder die erste Ernte aus dem Garten. Solche Kleinigkeiten machen uns oft selbst genauso viel Freude wie dem Menschen, für den sie gedacht sind.
Und dann gibt es diese anderen Abende. Als wir den ursprünglichen Beitrag 2016 schrieben, lagen wir nach einem langen, vollen Tag im Familienbett, die Kinder schliefen irgendwann ein, und uns ging eine Situation nach, in der wir härter oder ungeduldiger gewesen waren, als wir es sein wollten. Dann dachten wir manchmal an die Sache mit den kleinen Geschenken.
Kann ein Geschenk die Knitter glätten?
Die Vorstellung war verlockend: ein auf Vorrat gekauftes rotes Rennauto aufs Kopfkissen, neue Puppenkleidung im Hausschuh oder ein Schokoriegel in der Brotbüchse. Und schwupps wären die Knitter in der Eltern-Kind-Beziehung geglättet.
Ein Geschenk ersetzt keine Entschuldigung. Es kann Freude machen und trotzdem an der Verletzung vorbeigehen, um die es gerade geht. Deshalb geben wir Dingen lieber eine leichtere Aufgabe: Sie dürfen überraschen, nützlich sein oder einfach schön. Die Verantwortung übernehmen wir Erwachsenen mit unseren Worten und unserem Handeln.
Damals beschäftigte uns außerdem unser eigener Umgang mit Konsum. Wir wollten Trost und Zuneigung möglichst selten an neue Dinge binden. Dabei erinnerten wir uns an diesen Eindruck aus unserer Schulzeit: ein Kind, das scheinbar alles hatte – Süßigkeiten, Markenklamotten, das neueste Spielzeug – und bei dem wir uns trotzdem fragten, wonach es suchte. Über seine innere Perspektive konnten wir freilich nur spekulieren.
Mehr über Geschenkspiralen und unsere Alternativen findet ihr in unserem Beitrag „Zeit statt Zeug“.
Wie Patrick Liebe in Dinge packte
Im ersten Lebensjahr unserer ältesten Tochter arbeitete Patrick Vollzeit, häufig mit Überstunden; die Fahrt dauerte eine Stunde. Gemeinsame Zeit gab es vor allem am Wochenende. Regelmäßig brachte er seiner Tochter ein Geschenk mit. Im Rückblick steckte darin beides: der Wunsch, ihr seine Liebe zu zeigen, und der Versuch, das schlechte Gewissen zu besänftigen.
Zu Hause häuften sich Teddybären, Kuscheltücher, Quietschespielzeug, Babybücher und vieles mehr. Was Patrick fehlte, war gemeinsame Zeit.
Der Satz vor dem Einschlafen
Irgendwann fanden wir für schwierige Tage einen anderen Umgang. Abends kuschelten wir uns mit unseren Kindern ins Familienbett. Wir sagten leise, manchmal schon im Flüsterton, wie glücklich wir waren, diesen Tag miteinander verbracht zu haben. Wenn es Ärger gegeben hatte, bekam auch er Worte. Manchmal reichte ein schlichter Satz: „Heute habe ich mich doof verhalten. Das tut mir leid.“
Danach sprachen wir über den nächsten Tag und unseren neuen Versuch. Unser Ritual endete oft mit „Ich liebe, liebe, liebe euch“ und einem Kuss.
Wem die Verzeihung gehört
Jesper Juuls Bücher Dein kompetentes Kind und Die kompetente Familie halfen uns damals, die Erwartung an uns selbst herunterzuschrauben: Wir würden es als Eltern immer richtig machen. Den Gedanken aus dem alten Beitrag formulieren wir heute genauer: Eltern machen Fehler. Für den Umgang damit tragen sie Verantwortung. Ob und wann ein junger Mensch verzeiht, entscheidet er selbst.
Jean-Michel Robichaud und vier Kolleg:innen untersuchten 2025 in einer dreiphasigen Online-Studie 288 französischsprachige Jugendliche, die noch bei ihren Eltern lebten; ihr Durchschnittsalter betrug 16,75 Jahre. Die Forschenden unterschieden Entschuldigungen, die sich an der verletzten Person orientierten, von defensiven Antworten. Zur ersten Gruppe zählten sie etwa Reue, die Übernahme von Verantwortung, das Anerkennen der Verletzung, ein Angebot zur Wiedergutmachung und eine Bitte um Verzeihung ohne Druck. Solche Entschuldigungen hingen mit größerer Verzeihungsbereitschaft und höherer Beziehungszufriedenheit zusammen.1 Die ersten beiden Phasen erfassten Wahrnehmungen und erinnerte Situationen; die experimentelle Phase arbeitete mit einer hypothetischen Antwort. Das Design erlaubt Aussagen über mittlere bis späte Adoleszenz in diesem Untersuchungskontext; jüngere Kinder und Langzeitverläufe erfasste es nicht.
Für ein Gespräch nach einem schwierigen Moment kann daraus ein Satz wie dieser entstehen: „Das war mein Fehler. Ich sehe, dass ich dich verletzt habe. Das tut mir leid. Ich möchte es beim nächsten Mal anders machen.“ Antwort und Tempo bestimmt der betroffene junge Mensch.
Der Titel des ursprünglichen Beitrags versprach eine Wirkung, über die allein der betroffene junge Mensch entscheidet. Unser Handlungsspielraum liegt auf der anderen Seite: Wir können sagen, was geschehen ist, zuhören, uns entschuldigen, einen Schaden beheben und unser Verhalten verändern. Verzeihung kann Zeit brauchen oder ausbleiben.
Einen Gedanken aus dem alten Text möchten wir bewahren: Wir dürfen die Liebe unserer Kinder annehmen. Ihre Liebe ist freiwillig; unsere Verantwortung tragen wir selbst. Darin liegt für uns heute das eigentliche Geschenk.
Schenken aus Freude
Materielle Geschenke und Überraschungen gehören weiterhin zu unserem Familienleben. Wir schenken an gewöhnlichen Tagen, weil wir Freude teilen möchten. Ein Hörspiel kann zu einer gemeinsamen Stunde werden, ein Buch zu Vorlesezeit und ein kleines Werkzeug zu einem Nachmittag an der Werkbank. Manchmal genügt ein Zettel mit einer kleinen Botschaft oder zehn Minuten ungeteilter Aufmerksamkeit.
Als wir den ursprünglichen Beitrag 2016 schrieben, freuten wir uns schon auf den nächsten Morgen. Unsere Kinder würden die Badesachen fürs Schwimmbad auf ihrem Kindertischchen entdecken. Einfach so. Die Vorfreude war Anlass genug.
Wenn ihr Spielzeug jenseits von Dauerplastik sucht, findet ihr weitere Gedanken in Spielzeug für Kinder und Pädagogisch wertvolles Spielzeug.
Quelle
- Jean-Michel Robichaud, Karina Schumann, Hali Kil, Richard Koestner und Geneviève A. Mageau (2025): Should parents apologize to their adolescents to mend their parent–adolescent relationship? A multi-method, multi-phase investigation. Journal of Research on Adolescence, 35, e70024. Tragende Stellen: Abstract, S. 1–2; „Apology elements“, S. 3; „Participants“, S. 4; „Strengths, limitations, and future research“, S. 13–14.
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