Lesezeit: 9 Minuten

Sex im Familienbett - wir packen aus - Liebendes Pärchen, Liebende

Aktualisiert am 10. August 2026

Es ist Zeit, ein Tabu zu brechen! Wir sehen uns genötigt, das Thema „Sex im Familienbett“ anzusprechen. Immerhin geht das jeden was an, der die Kinder mit im Ehebett schlafen lässt. Unsere Nachbarn müssen erfahren, dass bei uns alles in Ordnung ist, damit sie nicht das Jugendamt rufen.

DAS wollen wir nicht!

Da hatte ich doch tatsächlich einen Professor, der behauptete: „Wenn Kinder den Geschlechtsakt der Eltern mitbekommen, schadet ihnen das genauso, wie wenn sie beim Toilettengang dabei wären. Nämlich gar nicht.“

Der kann sich ja nur irren. Hatte er doch wüstes und ungekämmtes Haar!

Sex? Neben den schlafenden Kindern im Bett? Also, wir machen sowas ja nicht! Nicht, dass die das mal hören! Da ist das Trauma vorprogrammiert. Ungezogene Blagen, die Schimpfwörter sprechen und mit ihren Schulkameraden Schmuddelhefte austauschen? Nein danke!

Not macht erfinderisch? Alles Quatsch!

Vom Schwager eines Freundes haben wir gehört, dass sie sich oft woanders vergnügen, sobald ihnen die kleinen Tyrannen den Platz im Bett streitig machen, zum Beispiel auf dem Küchentisch. Sowas kommt bei uns gar nicht infrage. Das ist unhygienisch. Da isst man schließlich dran.

Und unser Sofa? Das ist ein Erbstück von Tante Lene; und was würde die denn dazu sagen, wenn sie das wüsste? Nein, das geht wirklich nicht.

Tante Lene auf ihrer Couch

Tante Lene auf ihrer Couch

Oder vor dem Schreibtisch im Arbeitszimmer? Wie soll das möglich sein? Da kann man sich doch gar nicht vernünftig hinlegen. Auf dem harten Fußboden ist ein Dekubitus vorprogrammiert. Außerdem wird man da staubig. Und es ist überhaupt nicht schön, wenn Körperflüssigkeiten ins Parkett einziehen. Zwar hilft Natron gegen die Gerüche, aber die Flecken bekommt man damit nicht wieder raus.

Genauso unbequem wäre es im Badezimmer. Hier hätte man nur den Vorteil, dass man die Sauerei dann gleich ordentlich wegputzen könnte. Wir können und wollen uns den Sex vor dem Lokus nicht vorstellen, zumal die Fliesen kalt sind. Auf Blasenentzündung verzichten wir gern.

Neben Ken und Barbie im Kinderzimmer fühlen wir uns unwohl. Habt ihr mal gesehen, wie die aussehen? Da bekommt man doch Komplexe. Die Folge: schlaffe Nudel und Trockensteppe. Ganz nebenbei ist das Kinderbett nicht für über 140 kg ausgelegt.

Das Gästezimmer ist für uns wie auch für unsere Kinder zum Spielen tabu. Würden unsere Gäste von solcher Unzucht erfahren, würde uns niemand mehr besuchen kommen. Nur perverse Couchsurfer.

Sex im Auto? Wer bitteschön kommt denn auf so eine Idee? Vermutlich nur die Leute, die jeden Sonntagmorgen ihren blitzblanken, hartwachsversiegelten Mercedes aus der Garage fahren und den Rest des Tages damit verbringen, ihr gutes Stück zu wienern.

Garten statt Familienbett? Sex zwischen Runkeln, Rettichen und Kartoffeln? Pfft. Im Dreck zu suhlen ist nur was für Schweine. Oder Hippies.

Auto und Garten haben einen weiteren Nachteil: In der Zeit passt niemand auf die Kinder auf. Fällt also flach.

Vom Familienbett aufs Klavier auszuweichen ist ebenfalls Unsinn. Habt ihr schon mal so eine Klaviatur gereinigt? Außerdem macht’s Krach.

Sturmfreie Bude

Nun käme der eine oder andere auf die Idee, man könnte doch ungezwungenen Sex im Familienbett ausleben, wenn der Nachwuchs außer Haus ist. So einfach ist das nicht! Wenn unsere Kinder mit ihren Freunden herumstrolchen, können wir endlich mal produktiv sein.

Statt Sex im Familienbett steht dann auf dem Programm:

  • Gummibärchentorte für die Kinder backen und dekorieren
  • putzen und fegen, ohne dass jemand mit den herbeigezauberten Wollmäusen spielt
  • Wäsche waschen und bügeln, ohne dass Kinderhände die nassen Schlüpfer vom Wäscheständer oder den Stecker vom Bügeleisen aus der Steckdose ziehen
  • einkaufen gehen, ohne dass die Brut nervt, das Auto mit Semmelkruste vollkrümelt oder mit Schokolade beschmiert
  • in Ruhe mit der besten Freundin telefonieren
  • ins Nagelstudio gehen
  • Deckchen häkeln

Sex im Familienbett? Es ist kompliziert.

Sex gehört sich nur im Bett! Aber da liegen unsere Kinder drin.

Vielleicht überlegen wir uns das mit dem Sex wieder, wenn unsere Kinder nicht mehr bei uns schlafen – sofern wir sie jemals wieder aus dem Familienbett rauskriegen.

Obwohl wir dann aus dem Alter raus sind. Wir sind ja schon jetzt so alt, dass Sex nicht mehr ohne weiteres klappt.

Und bei aller Vernunft: Wir haben bereits drei Kinder. Das ist nun wirklich genug.

Unsere Alternative für eine glückliche Beziehung

Verzicht soll aber auch nicht gut sein für die Beziehung. Deshalb nehmen wir uns jeden dritten Samstagabend im Monat Zeit füreinander.

Die Kinder kommen nach dem Sandmann ins Bett.

Wir setzen uns auf das Sofa und gucken einen Krimi oder eine schöne Schnulze. Ich habe einen deftigen Sauerbraten mit Klößen vorbereitet, den wir essen, und meinem Mann stelle ich eine Flasche Bier hin, die er zu dem besonderen Anlass einmal trinken darf.

DAS ist für uns effektive Zeit als Paar, die wir sehr genießen!

Was wissen wir über Kinder, die ihre Eltern beim Sex mitbekommen?

Erstaunlich wenig. Genau solche Situationen lassen sich schwer erforschen, und die vorhandenen Studien erlauben keine einfache Antwort für jedes Kind und jede Familie.

Paul Okami und seine Kolleg:innen begleiteten im UCLA Family Lifestyles Project 200 Kinder über 18 Jahre. Als die Teilnehmenden 17 bis 18 Jahre alt waren, fanden die Forschenden bei den untersuchten Merkmalen keinen schädlichen Haupteffekt früher elterlicher Nacktheit oder des Beobachtens elterlicher Sexualität. Bei einem Teil der Ergebnisse unterschieden sich Jungen und Mädchen allerdings deutlich. Die Autor:innen weisen außerdem ausdrücklich auf Grenzen ihrer Daten und solcher Langzeit-Regressionsstudien hin. Die Studie taugt deshalb weder als Freifahrtschein noch als Beleg für ein vorprogrammiertes Trauma. (Okami et al., 1998)

Katherine Allen und ihre Kolleg:innen werteten später die rückblickenden Erzählungen von 57 Studierenden zu frühen Erinnerungen an Nacktheit und sexuelles Verhalten aus. Viele Teilnehmende – besonders Frauen – beschrieben ihre unmittelbare Reaktion als verwirrt oder aufgewühlt; nur wenige berichteten von anhaltendem Unbehagen. Die Autor:innen leiten daraus ab, dass eine unmittelbare zugewandte und klärende Reaktion der Eltern hilfreich sein kann, vor allem wenn ein Kind seine Eltern beim Sex überrascht. (Allen et al., 2018)

Wenn ein Kind plötzlich wach ist

Dann interessiert uns zuerst seine Perspektive: Was hat es überhaupt mitbekommen? Was beschäftigt es daran? Und welche Frage stellt es wirklich? Ein erschrockener Gesichtsausdruck erzählt schließlich noch keine fertige Geschichte über das, was in seinem Kopf passiert.

Ein möglicher Satz wäre zum Beispiel: „Wir waren gerade privat. Du hast nichts falsch gemacht. Was möchtest du wissen?“ Damit bekommt das Kind eine ehrliche Antwort, ohne dass Erwachsene aus dem Augenblick gleich einen Vortrag über Sexualität machen.

Auch Privatsphäre gehört zu einem Familienleben, in dem die Bedürfnisse aller Beteiligten zählen. Ein Familienbett entscheidet schließlich nur darüber, wo Menschen schlafen. Was Eltern mit ihrer Paarzeit machen, ist noch einmal eine ganz andere Frage.

Fazit

Ein Paar, das sich mit ausreichendem Abstand zum schlafenden Baby oder Kleinkind, leise und zärtlich unter einer dieser riesigen Bettdecken vergnügt, wird es wohl kaum wecken.

Und falls doch: Die wenigen Studien zu solchen Situationen liefern keinen Beleg dafür, dass allein dieser eine Moment ein Kind langfristig verstört. Kinder können ihn sehr unterschiedlich erleben. Eine ruhige, zugewandte und klärende Reaktion der Eltern gehört jedenfalls zu den Dingen, die sie selbst beeinflussen können.

Interessierte finden hier Anregungen (auf Englisch), wie sie auf Babys, kleine und große Kinder sowie Teenies reagieren können, die die Eltern auf frischer Tat ertappen. 😉

FAQ: Sex im Familienbett

Ist Sex im Familienbett schädlich für Kinder?

Diese Sorge kennen wahrscheinlich viele Eltern: Was passiert, wenn das Kind doch einmal etwas mitbekommt? Die wenigen Studien, die es dazu gibt, geben keinen Anlass zu der Annahme, dass allein so ein Moment einem Kind zwangsläufig schadet. Okami et al. fanden in ihrer Langzeitstudie mit 200 Teilnehmenden keinen schädlichen Haupteffekt. Gleichzeitig gab es einzelne Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, und die Forschenden weisen selbst auf Grenzen ihrer Studie hin. Eine einfache Antwort für jedes Kind und jede Familie lässt sich daraus also nicht ableiten. (Okami et al., 1998)

Was ist, wenn unser Kind uns beim Sex überrascht?

So ein Moment kann für alle Beteiligten ziemlich überraschend sein. In der kleinen Studie von Allen et al. erinnerten sich viele der Befragten zunächst an Verwirrung oder Aufgewühltheit. Nur wenige berichteten von länger anhaltendem Unbehagen. Die Autor:innen halten deshalb eine zugewandte und klärende Reaktion der Eltern für hilfreich. (Allen et al., 2018)

Was können wir in so einem Moment sagen?

Oft braucht es gar keine große Erklärung. Ein Satz wie „Wir waren gerade privat. Du hast nichts falsch gemacht. Was möchtest du wissen?“ kann schon reichen. Danach kann sich das Gespräch daran orientieren, was das Kind tatsächlich gesehen hat und was es überhaupt wissen möchte. Manchmal ist die Frage viel kleiner, als wir Erwachsenen im ersten Schreck vermuten.

Gibt es ein Alter, ab dem solche Situationen problematischer werden?

Eine feste Altersgrenze geben die hier geprüften Studien nicht her. Kinder verstehen je nach Alter, Entwicklung und eigener Erfahrung sehr unterschiedlich, was sie sehen. Okami et al. untersuchten unter anderem Erfahrungen vor dem sechsten Geburtstag und spätere Ergebnisse. Allen et al. werteten rückblickende Erzählungen junger Erwachsener aus. Daraus lässt sich kein bestimmter Geburtstag ableiten, ab dem plötzlich alles anders wäre.

Müssen wir wegen des Familienbetts auf Paarzeit verzichten?

Zum Glück entscheidet ein Familienbett nur darüber, wo wir schlafen – und nicht darüber, ob wir noch ein Paar sein dürfen. Nähe und Privatsphäre können in jeder Familie anders aussehen. Manchmal passt ein anderer Zeitpunkt, manchmal ein anderer Ort, und manchmal sind alle einfach zu müde. Auch das gehört zum Familienleben.

Weiterlesen bei FreeYourFamily

CC BY-SA 4.0 Sex im Familienbett – wir packen aus von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.