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Aktualisiert am: 11.08.2026
Ich plaudere über Spannungen und Schönes, über Unterricht und Freilernen und über neue, entspannende Videos.
Video: Un-glückliche Fügungen & inspirierende Erzählungen
Ein paar sehr anstrengende Wochen
Ich grüße euch heute aus unserem Gewächshaus. Damals war das wahrscheinlich der Ort, an dem ich hoffen konnte, für zehn Minuten von unseren Kindern unentdeckt zu bleiben. Ich war in dieser Zeit sehr gefragt. Unsere beiden Töchter gerieten gefühlt ständig aneinander, und mir ging immer wieder dieser Satz durch den Kopf: Kinder spiegeln uns. Mehr will ich daraus gar nicht machen. In diesen angespannten Wochen war der Gedanke für mich einfach sehr präsent.
Patrick hatte sehr viel Arbeit und saß entsprechend viel am Rechner. Unter anderem bauten wir eine Website für Freunde. Dafür gab es damals keine direkte Bezahlung; vielleicht sollte später einmal ein anderer Ausgleich entstehen. Ich betreute die Kinder in dieser Phase von früh bis spät allein. Das war schön. Und es war anstrengend.
Auch die Mittagszeit brachte wenig Ruhe. Die Babyschale unseres Sohnes war kaputtgegangen, deshalb nutzten wir vorübergehend eine Ersatzschale. Er machte sehr deutlich, dass er darin ungern saß und auch keine Lust aufs Autofahren hatte.
Wenn er mittags schlief oder schlafen sollte, versuchte ich nebenbei möglichst viel im Haushalt zu schaffen. Manchmal musste ich ihn erst nach oben bringen, während die älteren Kinder noch unten waren. Die wollten währenddessen auch nicht einfach im Auto sitzen. So ging es hoch und runter, auf und ab. Irgendwie bekamen wir Einkäufe, Mittagsschlaf und Alltag trotzdem zusammengepuzzelt.
Deutschunterricht mit Spiel und Alltag
Damals betreute ich außerdem geflüchtete Familien und gab einigen Kindern so etwas wie Deutschunterricht oder Nachhilfe. Die Kinder wollten das gern, ihre Eltern ebenfalls, und ich hatte Freude daran. Mir lag eine Mischung aus Spiel, Alltag und freiwilligem Lernen viel näher als Frontalunterricht.
So gern ich mit meinen eigenen Kindern zusammen bin: Diese Zeit mit anderen Kindern tat auch mir gut. Für eine Weile hatte ich andere Fragen im Kopf und konnte mich auf etwas ganz anderes konzentrieren. Unsere Kinder waren währenddessen bei Patrick oder bei Oma und Opa.
Computerbetrug und ein kaputtes Handy
In dieselben Wochen fielen gleich mehrere Dinge, auf die wir gut hätten verzichten können. Patrick brauchte für seine Arbeit einen schnelleren Rechner und fand gebraucht ein Modell, das für ihn passte. Später stellte sich heraus, dass der vermeintliche Verkäufer eine fremde Identität benutzt hatte. Patrick musste zur Polizei, wir hatten Papierkram, verloren Geld und vor allem wieder Zeit und Nerven.
Kurz darauf ging auch noch Patricks Handy kaputt. Eine unserer Töchter wollte bei einem Familienausflug ein Pferd fotografieren. Sie konnte mit dem Telefon schon gut umgehen, hielt es fest – und dann rutschte es ihr aus der Hand. Das Display zersplitterte so stark, dass wir es nicht mehr sicher benutzen konnten.
Solche Dinge passieren. In dem Moment nerven sie gewaltig.
Wie aus dem kaputten Handy ein schönes Wiedersehen wurde
Das kaputte Handy führte dann ausgerechnet zu einer dieser Fügungen, wegen denen der Vlog seinen Titel trägt. Wir fanden gebraucht ein anderes iPhone. Auf dem Rückweg konnten wir bei einer Freundin vorbeifahren, die ich aus meiner Erzieherfachschulzeit kenne. Wir hatten uns lange nicht gesehen, und der Austausch tat richtig gut.
Ich erzählte ihr auch von unseren Plänen rund ums Freilernen und Reisen. Sie fand das sehr mutig. Diesen Satz höre ich öfter. Ich sehe die Sache etwas anders: Ich finde es ebenfalls mutig, Kinder in die Schule zu schicken und sich Tag für Tag mit allem auseinanderzusetzen, was dieser Weg für eine Familie mit sich bringt.
Meine Freundin erzählte von einem Kind aus ihrem Umfeld, das gerade in die erste Klasse gekommen war. Schon in der zweiten Schulwoche hatte es ein Diktat geschrieben. Unter der Arbeit stand sinngemäß, es solle mehr üben; außerdem wurde ein Termin bei einer psychologischen Stelle angesprochen. Das ist die Erfahrung einer einzelnen Familie. Mich hat daran beschäftigt, wie früh Leistungsdruck in einem Schulalltag auftauchen kann, auf den sich ein Kind vorher sehr gefreut hat.
Ich halte Schule deshalb nicht pauschal für schlecht. Meine Frage ist eher, wie Schule gestaltet sein kann, damit junge Menschen mit ihrer Freude, ihren Interessen und ihren unterschiedlichen Lernwegen darin Platz haben.
Freilernen, Vertrauen und ein Buch, das mich überrascht hat
Eine andere Freundin hatte mir damals das Buch „Wir sind so frei: Freilerner-Familien stellen sich vor“ ausgeliehen. Mein erster Gedanke war ungefähr: Brauche ich das wirklich? Ich kann doch auch Blogbeiträge von Freilerner-Familien lesen.
Dann fing ich an zu lesen und war überrascht, wie sehr mich diese Geschichten mitnahmen. Die Familien schreiben sehr unterschiedlich. Manche erzählen, wie Lernen im Alltag aussieht. Andere berichten von ihrer Schulzeit, von ihren Gründen für das Freilernen und davon, wie Kontakte zu anderen Freilerner-Familien entstanden sind. Gerade diese lebensnahen Einblicke fand ich unglaublich inspirierend.
Besonders hängen geblieben ist bei mir der Gedanke, dass Vertrauen eine Entscheidung ist. Ich vertraue meinen Kindern auch deshalb, weil ich in unserem Alltag immer wieder beobachte, wie viel aus ihrem eigenen Interesse heraus entsteht. Diese Beobachtung beschreibt unsere Familie; sie ist für mich kein Beweis dafür, wie Lernen bei allen anderen Familien verlaufen wird.
Solche Bücher helfen mir vor allem in Zeiten, in denen bei uns alles angespannt ist. Sie holen mich gedanklich ein Stück heraus aus dem täglichen Gewusel. Danach sehe ich unser eigenes Familienleben oft wieder klarer.
Wenn euch interessiert, was wir unter Freilernen und Unschooling verstehen, findet ihr dazu unseren ausführlicheren Beitrag Was ist Unschooling? Selbstbestimmtes Lernen erklärt. Zu unseren Erfahrungen unterwegs passen außerdem Unschooling in Tschechien: Worldschool-Picknick in Prag und unser Beitrag zu Anmeldung, Abmeldung und Befreiung von der Schulpflicht.
Hochsensibilität: eine Nachricht, die ich gern wiederfinden würde
Vor einiger Zeit hatte mir eine Mutter auf Instagram geschrieben. Sie steckte mit ihrem hochsensiblen Kind gerade mitten in einer Krise und wünschte sich Hilfe. Leider habe ich diese Nachricht später nicht mehr gefunden. Falls ihr diese Mutter wart, freue ich mich sehr über eine neue Nachricht per E-Mail. Ich würde gern noch einmal lesen, was ihr damals genau geschrieben hattet.
Mich interessieren bei diesem Thema vor allem echte Erfahrungen. Wie fühlt sich Familienalltag mit Hochsensibilität für euch an? Was hilft euch, wenn die eigenen Gefühle sehr stark werden? Was macht es schwer? Ein Buch über hochsensible Mütter, das ich damals gelesen hatte, hat mir persönlich wenig gegeben. Vielleicht kam daher auch meine Idee, Erfahrungen verschiedener Menschen zusammenzubringen.
Über Geschichten von Müttern, Vätern, Großeltern, Lehrer:innen und anderen Menschen, die Hochsensibilität aus ihrem Alltag kennen, würde ich mich deshalb freuen. Daraus könnte irgendwann ein Beitrag entstehen, der verschiedene Perspektiven nebeneinanderstellt. Einen älteren Text von uns findet ihr bereits unter Hochsensible Kinder im Kindergarten.
Warum ich Entspannungsreisen ausprobieren möchte
Ich merke immer wieder, dass ich lieber schreibe als klassische Vlogs drehe. Die Videos haben sich bei uns einfach entwickelt. Gleichzeitig haben mir einige Zuschauer:innen geschrieben, dass sie beim Hören meiner Stimme gut herunterfahren können. Das fand ich spannend – zumal man die eigene aufgenommene Stimme ja oft ganz anders wahrnimmt.
Deshalb möchte ich kurze Entspannungsreisen ausprobieren: eigene kleine Geschichten, von mir geschrieben und ruhig gesprochen. Patrick kann Musik oder eine passende Geräuschkulisse darunterlegen. Vielleicht entstehen daraus Videos, vielleicht Blogtexte und irgendwann sogar ein kleines E-Book. Im Moment sind das Ideen. Ich schaue, welche davon sich in unserem Alltag wirklich umsetzen lassen.
Meine Stimme soll euch also erhalten bleiben. Wahrscheinlich nur in einer Form, die besser zu dem passt, was ich selbst gern mache. Wenn euch interessiert, wie sich unsere Haltung zu Video und Social Media über die Jahre verändert hat, passt dazu auch Kein Facebook und keine Videos mehr.
FAQ zum Vlog über Freilernen, Schule und Hochsensibilität
Worum geht es in diesem Vlog?
Um ein paar sehr anstrengende Wochen, in denen vieles gleichzeitig zusammenkam: viel Arbeit, kaputte Technik, Familienalltag, Deutschunterricht und Gedanken über Schule und Freilernen. Gleichzeitig geht es um die Dinge, die mir in solchen Phasen gut tun – Gespräche, Bücher und neue Ideen.
Was meint ihr mit Freilernen oder Unschooling?
Bei uns heißt das: Die Fragen und Interessen der Kinder bekommen viel Raum, Lernen passiert mitten im Alltag, und wir Erwachsenen begleiten und tragen Verantwortung. Ausführlicher haben wir unsere Sicht im Beitrag Was ist Unschooling? beschrieben.
Wie blickt ihr auf Schule?
Meine Kritik in diesem Vlog richtet sich gegen den frühen Leistungsdruck in der erzählten Situation. Bei anderen Schulen und Lehrkräften kann der Alltag ganz anders aussehen. Mich interessiert, wie junge Menschen lernen können, ohne dass ihre Freude am Lernen unter Bewertung und Druck verschwindet.
Was hilft dir in angespannten Familienphasen?
Bei mir können Bücher erstaunlich viel verändern. Sie geben mir Abstand zum eigenen Gewusel und erinnern mich daran, dass andere Familien ebenfalls suchen, zweifeln und ihren Weg finden. Gespräche mit Menschen, die mir nahestehen, tun mir ähnlich gut.
Warum sprichst du im Vlog über Hochsensibilität?
Auslöser war die Nachricht einer Mutter, die mit ihrem hochsensiblen Kind gerade eine Krise erlebte und nach meinen Erfahrungen fragte. Die Nachricht ging mir später verloren. Daraus entstand die Idee, verschiedene persönliche Erfahrungen zu sammeln, statt so zu tun, als gäbe es für jede Familie denselben Tipp.
Kommt eine Serie mit Entspannungsreisen?
Ich möchte damit experimentieren. Geplant sind kurze eigene Geschichten mit meiner Stimme sowie Musik oder Geräuschen von Patrick. Ob daraus eine längere Reihe oder irgendwann ein E-Book wird, ist offen.
Wie können Leser:innen ihre Erfahrungen beitragen?
Über persönliche Nachrichten und Leserbriefe freue ich mich weiterhin. Gerade bei Hochsensibilität, Schule und Freilernen interessieren mich Erfahrungen, die zeigen, wie unterschiedlich Familien ihren Alltag erleben.
Buchtipp aus dem Video
Buchtipp aus dem Video: „Wir sind so frei: Freilerner-Familien stellen sich vor“
29 Familien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz schildern ihre persönlichen Wege und ihre Erfahrungen mit einem Leben ohne Schule.
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Vlog: (Un-)glückliche Fügungen & inspirierende Erzählungen von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
Natur Liebe
Natur Liebe
vor 50 Sekunden
Hallo liebe Evelin,
ohne dich wüsste ich gar nicht, dass es sowas wie Hochsensibilität gibt. Oft reagiere ich emotional und vorallem über. Ich bin schnell wütend und interpretiere oft einen persönlichen Angriff, wo keiner ist. Ich finde s gut, dass du diese Lücke im Büchermarkt füllen möchtest.
Der Betrug ist wirklich sehr ärgerlich. Es gibt schon böse Energien in dieser Welt. Umso wichtiger ist es mit positiver Energie dieses Defizit auszugleichen. Ich verstehe gut, dass du die Kinder auch mal „loswerden“ möchtest. Man braucht auch mal Zeit um sich zu sammeln und die eigenen Energien für kommende Hürden zu bündeln. Gut, dass deine Familie hinter dir steht und dich unterstützt.
Liebe Grüße