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Eure Kinder interessieren sich für das alte Ägypten und dafür, wie Menschen im Land der Pharaonen gelebt haben? Vielleicht sucht ihr auch Ideen für Kindergarten, Hort oder Grundschule, um aus dem Thema etwas zum Anfassen, Ausprobieren und Spielen zu machen. Hier findet ihr unser kleines Ägypten-Museum zu Hause, Kinderbücher, Ideen rund ums Essen, Hieroglyphen, Mumien, Ausgrabungen und Bewegungsspiele.
Faszination Ägypten
Seid gegrüßt, Freunde des Pharaos!
Wer schon mal einen Blick in unseren Flur werfen konnte, kennt neben dem „Gerümpelschrank“ auch unseren „Jahreszeitentisch“. In unserer festen „Base“, wenn wir gerade nicht reisen, ist er für die Kinder ein besonderer Hingucker: mal Geburtstagsplatz, mal Experimentierstation, mal Mini-Museum.
Seit unserer Rückkehr aus Rumänien hatten wir schon zwei manchmal fast ägyptisch-warme Sommermonate zu Hause verbracht. Dann deckten wir den Jahreszeitentisch mit den Kindern wieder neu ein. Diesmal war schnell klar, worum es gehen sollte: Das alte Ägypten zieht unsere Kinder immer wieder an.
Wir waren in Ägypten bisher zwischen Hurghada und Luxor unterwegs – unsere Eindrücke findet ihr unter Hurghada mit Kindern und Urlaub mit Baby: Schritt zur Bewusstwerdung. Und vielleicht trudeln wir diesen Winter wieder bei den Pyramiden ein.
Nun habe ich genug geschwafelt! Ich zeige euch lieber, wie unsere damals vier kleinen Freilerner sich dem alten Ägypten widmeten.

Unser „Jahreszeitentisch“ zum Thema „Altes Ägypten“
Für das ägyptologische Museum zu Hause
Unser Schränkchen bekam:
- eine sandfarbene Tischdecke
- Bilder und Schautafeln zum Nil
- Bücher zum Thema Ägypten (siehe unten)
- in verschiedenen Schälchen Lebensmittel zum Anschauen, Tasten und Probieren
- Tongefäße und ein Binsenkörbchen fürs Badewasser-Spiel
- Baumwollbinden und Körperöle fürs Mumienspiel
- kleine Tierfiguren aus Holz
- Knete zum Nachbilden verschiedener Statuen
- Faltpapier für Pyramiden
- Kajal und einen Spiegel
All die Dinge dürfen nach Lust und Laune befühlt, angeschaut, ausprobiert, verbastelt oder gelesen werden. Genau dafür steht das ägyptische Museum im Mini-Format bei uns im Flur: Die Kinder können sich selbst darin verlieren, ohne dass wir Erwachsenen danebenstehen und dauernd erklären, was sie jetzt bitte lernen sollen.

Nofreknete. Ja, das Wort bleibt.
So reifen immer neue Ideen in den Kindern oder sie greifen Wissen auf, von dem wir selbst gar nichts ahnen. Ganz ohne ältere Vorleserinnen, Vorleser oder Mitspieler geht es aber nicht immer – zum Beispiel bei Büchern.
Kinderbücher zum alten Ägypten

Zum Lesen und Vorlesen: Kinderbücher zum Thema Ägypten
Geschichtenbücher
Zu Besuch bei den Ägyptern
Ist Wissen in eine Geschichte verpackt, bleibt oft viel mehr hängen. So ging es uns mit „Zu Besuch bei den Ägyptern“. Zwei Kinder nehmen euch mit in ihren Alltag. Es geht um Essen, Körperpflege, Handwerk, Familie und die Familie des Pharaos; auch die Aufklappseiten mochten unsere Kinder.
Der Geschichtslehrer erzählt
Falls ihr Geschichte als Geschichten mögt, gefällt euch vielleicht auch ein älterer Sammelband. Ich erinnerte mich noch an die spannenden Erzählungen aus meinem ansonsten eher einseitigen Geschichtsunterricht und habe das alte DDR-Buch irgendwann gebraucht auf eBay aufgetrieben. Von der Steinzeit an könnten meine Kinder daraus ewig vorgelesen bekommen.
Sachbücher über das alte Ägypten
„Geschichte in Bildern – Ägypten“ ist gut bebildert und übersichtlich gegliedert. Weil die Ausgabe schon älter ist, findet ihr sie häufig gebraucht. Die Sachtexte faszinieren bei uns alle ab 4 bis 34. 😉 Ich finde die Erklärungen auch aus Schülerperspektive gut verständlich.
Unsere Mittlere hat sich außerdem im Buchladen „Das alte Ägypten. Goldenes Reich am Nil“ ausgesucht. Das Buch ist sachlicher und arbeitet viel mit Fotos – für manche Kinder ist genau das der bessere Zugang.
Ein altes Geografiebuch, eine Landkarte, ein Schulatlas oder ein Afrika-Buch helfen erstaunlich gut bei der Frage, wo der Nil eigentlich entlangfließt. Wenn eure Kinder an Ägypten Gefallen gefunden haben, findet ihr in unserer großen Liste mit Kinderbüchern über Geschichte noch viele weitere Zeitreisen von der Urzeit bis zur DDR.
Spiele zum Thema Ägypten
Essen im alten Ägypten: Tasten, kosten, naschen
Linsen, Bohnen, Erbsen und Getreide sind gar nicht so leicht zu unterscheiden. Zumindest dann nicht, wenn sie sonst selten in euren Töpfen landen.

Körbchen mit Lebensmitteln und anderen Dingen zum Thema Ägypten
Ihr könnt daraus ein kleines Familien-Rollenspiel machen: ein niedriges Tischchen, Schälchen zum Tasten und Probieren und eine Wasserschüssel zum Händewaschen. Dabei kommen die Fragen meistens von selbst. Was könnte Alltag gewesen sein? Was eher Festessen? Und was davon kennen die Kinder schon aus unserer Küche?
- Fladenbrot aus dem Orientladen als praktische Annäherung
- Frühlingszwiebeln
- Erbsen und andere Hülsenfrüchte
- Trauben, Datteln oder Feigen als Nachtisch
Brot und Bier gehörten zu den Grundnahrungsmitteln im alten Ägypten, aber die tatsächlichen Herstellungsweisen waren komplexer als manche populäre „So machten die Ägypter das“-Erklärung. Wenn ihr tiefer einsteigen wollt, sind Delwen Samuels Untersuchungen zu Brot und Brautechniken gute Einstiege: DOI 10.1126/science.273.5274.488 und „A new look at old bread“.
Verkleiden als Ägypterin, Ägypter oder Mumie
Ein helles Bettlaken mit einem Strick oder Gürtel verwandelt Kinder ruckzuck in eine ägyptische Figur. Wer mag, ergänzt eine Kopfbedeckung, Schmuck oder Kajal. Fürs freie Spiel reicht das völlig; daraus muss keine archäologisch korrekte Kostümrekonstruktion werden. Ich kann mir vorstellen, dass sich manch einer sogar zu einem flotten Bauchtanz zu ägyptischer Musik überreden lässt.
Wenn eure Kinder gerade die Mumifizierung im alten Ägypten spannend finden, reichen fürs Rollenspiel ein paar weiße Tücher oder Binden, zum Beispiel aus einem abgelaufenen Verbandskasten. Klärt vorher gemeinsam die Grenzen: Augen, Mund und Nase bleiben frei, niemand wird fest eingeschnürt, in einen Teppich gerollt oder in eine Kiste gesteckt. Schießt stattdessen lieber ein Erinnerungsfoto.

So wie dieses. 🙂
Unsere beiden Mädchen bestanden übrigens auf einem erweiterten „Mumienspiel“. Das Gehirn war eine Walnuss und wurde „aus der Nase gezogen“. Ein paar Schüsseln standen für Gedärme und Innereien bereit, die wir aus einem Körperteile-Magnetspiel nahmen. Goldene Geschenkbänder verzierten die blaue Haube der schönen Nofretete.
Das Land am Nil im Sandkasten
Im Sandkasten oder am Sandstrand lässt sich fast alles nachgestalten:
- die drei Pyramiden von Gizeh,
- Tempelanlagen wie in Luxor oder
- ein Nilufer mit Feldern, Bauern, Ochsen und Eseln.
Ausgrabungen
Woher auch immer Kinder die Geduld dafür nehmen: Wenn es ums Ausgraben von Dinosauriern, versteinertem Holz oder sonstigem Plunder aus Plastik geht, sind sie Feuer und Flamme.
Falls ihr ein paar alte Krüge, Teller oder Schüsseln aus Keramik habt, könnt ihr sie im Sandkasten verbuddeln. Reicht den jungen Archäologinnen und Archäologen ein paar Malerpinsel und lasst sie Funde für euer ägyptisches Museum freilegen. Vielleicht entstehen dabei gleich Sagen und Mythen um den Sprung in „Kleopatras einstiger Suppenschüssel“?
Schatzsuche
Versteckt auf dem Spielplatz, im Sandkasten, im Garten oder in einem Zelt etwas „Grabschmuck“. Das können kleine Ringe, Kettchen oder in Goldpapier eingewickelte Süßigkeiten sein.
- eine gezeichnete Grabkarte für die jungen Schatzsucher
- Hindernisse aus Springseilen
- ein Kletterparcours aus Bänken
- Wegweiser aus Stöcken
Im Dämmerlicht wird die Suche noch geheimnisvoller. Ein Zelt, die Gartenlaube oder ein paar Bettlaken unter einem Baum werden schnell zur Grabkammer. Teelichter im Glas können den Weg markieren – bei uns nur so, dass nichts kippen kann und ein Erwachsener dabeibleibt.
Duschen mit Binsenkörbchen
Ein Duschkopf wie heute gehörte natürlich nicht zum altägyptischen Badezimmer. Für Häuser der Elite und Paläste sind steinerne Badeflächen und Abflüsse belegt; Wasser wurde in Gefäßen herangebracht. Die Ägyptologin Heidi Köpp-Junk beschreibt außerdem, dass durch Körbe gegossenes Wasser einen duschähnlichen Strahl erzeugen konnte.
Fürs Spiel reicht deshalb eine einfache Variante: Wasser aus einem Krug durch ein Binsenkörbchen laufen lassen und ausprobieren, wie sich das anfühlt. Im Garten, im Pool oder in der Badewanne geht das wunderbar – als spielerische Annäherung, nicht als exakte Rekonstruktion.
Hieroglyphen schreiben
Die Hieroglyphenschrift der alten Ägypter ist nicht ohne. Für Kinder muss sie trotzdem nicht bei ehrfürchtigem Anschauen bleiben. Wichtig ist nur die kleine Fußnote für uns Erwachsene: Hieroglyphen funktionieren nicht wie ein Alphabet, bei dem jedes deutsche Zeichen einfach durch ein ägyptisches ersetzt wird. Manche Zeichen stehen für Laute, andere für ganze Wörter oder helfen dabei, deren Bedeutung einzuordnen.
Für einen spielerischen Einstieg eignen sich vereinfachte Namensübungen. Ihr könnt zum Beispiel diese Materialien nutzen:
- Activity Sheet „Egyptian Hieroglyphs“ (National Museum of Ireland)
- „Write Like An Egyptian!“ (Penn Museum, PDF)
Egal ob Tinte oder Filzstift, ob auf kaffeegesprenkeltem Papier oder auf echtem Papyrus: Ein Namensschild in Hieroglyphen ist bestimmt etwas für kleine Ägyptenfans. Papyrus lässt sich fertig bestellen, aber auf Amazon gibt es eigentlich nur Schmarrn. Beim Römershop erhalten wir keine Provision, doch scheint mir das Angebot bei weitem besser.

Hieroglyphen im Karnak-Tempel

Hieroglyphen schreiben: ein spielerischer Einstieg
Grabräuber
In altägyptischen Gräbern lagen je nach Zeit und Status ganz unterschiedliche Beigaben. Für unser Spiel muss daraus kein wissenschaftlich korrektes Grabinventar werden. Legt auf ein großes Tuch Dinge, die zu eurem Ägypten-Setting passen: eine gefaltete Pyramide, Schälchen mit Hülsenfrüchten, eine Sphinx, eine Katzenfigur, eine Baumwollbinde, Kajal, Schmuck oder ein Tongefäß.

Spielidee: Grabräuber
Jedes Kind darf einen Gegenstand auf das Tuch legen und kurz erzählen, wofür er gedacht sein könnte. Dann wird ein Kind zum Grabwächter und schließt die Augen, während ein anderes heimlich einen Gegenstand wegnimmt und versteckt. Danach wird geraten, was fehlt. Reihum kommt jede und jeder mal dran.
Das harte Leben im alten Ägypten ins Spiel lassen
Neben Museum und Büchern zeigt sich die Begeisterung für das alte Reich bei uns am schnellsten im freien Spiel. Im Kinderzimmer entsteht eine Pyramide aus Lego, Puppen werden mit Verbandssachen mumifiziert und Playmobilfiguren zu Pharao und Königin Nofretete.
Manches davon klingt für Erwachsene plötzlich gar nicht mehr so hübsch. Vielleicht wird eine Figur von einem „Pyramidenstein“ aus Sofakissen begraben, vielleicht spricht ein Kind als Aufseher ziemlich barsch mit den anderen. Solche Szenen unterbrechen wir nicht automatisch. Wir greifen ein, wenn jemand verletzt wird, Angst bekommt, festgehalten wird oder gegen den eigenen Willen mitspielen soll. Ansonsten darf ein Spiel auch düster sein.
Und wenn dabei historischer Unsinn auftaucht, lässt er sich später in Ruhe korrigieren. Das bekannte Bild von Sklavenheeren, die die Pyramiden von Gizeh errichteten, passt zum Beispiel nicht zum heutigen Forschungsstand. Digital Giza der Harvard University beschreibt eine ägyptische Arbeiterschaft aus Fachhandwerkern und anderen Arbeitskräften. Das Spiel muss deshalb nicht abbrechen; die falsche Information aber auch nicht stehen bleiben.
Das passt zu unserem Grundgedanken, das freie Spiel unserer Kinder nicht ständig zu lenken.

Totentempel der Hatschepsut
Bewegungsspiele wie im alten Ägypten
Zicklein vom Felde
Zwei sitzen sich gegenüber, die Beine ausgestreckt, Fuß an Fuß, und halten sich an den Händen. Das ist der „Zaun“. Ein drittes Kind nimmt Anlauf und springt darüber. Die Hände beginnen tief und wandern mit jeder Runde ein Stück höher. Am besten barfuß und auf Gras oder Sand.
Tauziehen ohne Seil
Zieht eine Linie auf den Boden. Zwei Kinder stehen sich gegenüber und halten sich an den Armen. Spielen mehrere mit, hängen sie sich hinter den beiden an der Taille fest, bis zwei kleine Polonaisen entstehen. Dann wird gezogen: Wer zuerst über die Linie kommt, verliert. Stoppt sofort, wenn jemand stolpert oder das Spiel zu ruppig wird.
Ballspiele mit Rhythmus
Das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst beschreibt ein Ballspiel, bei dem der Ball rhythmisch hin- und hergeworfen wird und vor dem Fangen ein bestimmter Rhythmus geklatscht werden muss. Einen überlieferten Reim dazu haben wir nicht. Uns hielt das nicht davon ab, einen zu erfinden:
„Fang den Ball im Spiel,
uns’re Hände sind das Ziel.
Doch wirf ihn nicht in’ Nil,
sonst kommt das Krokodil.“
Esel mit Tragekörben
Ein älteres oder kräftigeres Kind – oder ein Erwachsener – ist der „Esel“. Zwei kleinere Kinder liegen seitlich daneben und greifen über seinen Rücken zu den Knien oder Füßen des jeweils anderen. Dann erhebt sich der Esel auf alle Viere und trägt seine beiden „Körbe“ ein paar Schritte. Sobald irgendwo etwas zieht oder unangenehm wird: Schluss.
Weitere historische Spielideen findet ihr als PDF-Datei auf smaek.de. Und wer Englisch mag, kann sich auch auf discoveringegypt.com umsehen.
Für welches Thema fiebern eure Kinder gerade, und was davon taucht bei euch im Spiel auf?
Viel Spaß im Leben der alten Ägypter wünscht euch
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Quellenhinweise (für einzelne Sachdetails)
- Samuel, D. (1996). Investigation of Ancient Egyptian Baking and Brewing Methods by Correlative Microscopy. Science. DOI: 10.1126/science.273.5274.488
- Samuel, D. A new look at old bread: ancient Egyptian baking. Archaeology International. DOI: 10.5334/ai.3010
- The Metropolitan Museum of Art: Food and Feasts in Middle Kingdom Egypt
- Heidi Köpp-Junk: Rain, Rain, Go Away: Dealing with Wastewater and Rain in Ancient Egypt
- Digital Giza, Harvard University: Frequently Asked Questions
- Staatliches Museum Ägyptischer Kunst: Spielen wie die Ägypter – sechs Spiele für draußen (PDF)
- National Museum of Ireland: Activity Sheet „Egyptian Hieroglyphs“
- Penn Museum: „Write Like An Egyptian!“ (PDF)
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