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Die ersten 25 Jahre meines Lebens verbrachte ich in der Matrix. Wie Thomas A. Anderson im gleichnamigen Film lebte ich in einer scheinbar heilen Welt, die ich nicht hinterfragen musste. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse. Das gipfelte darin, dass ich von einem Tag auf den anderen vegan wurde. Was war passiert? Was sind meine Gründe für den Veganismus? Welche Auswirkungen hat das vegane Leben? Und brauchen Tiere Rechte?
Um das Thema Veganismus ging es auch in der schulischen Projektarbeit meiner Nichte. Mit dem folgenden Interview habe ich sie bei ihrer Arbeit unterstützt. Für mich war das gleichzeitig die Gelegenheit, einmal ausführlicher aufzuschreiben, warum ich seit 2007 vegan lebe – mit all den ethischen, gesundheitlichen und ganz alltäglichen Fragen, die dazugehören.
Wenn ihr mehr über meinen Weg aus der Matrix wissen wollt und warum es sich – im übertragenen Sinn – lohnen kann, die rote Pille zu schlucken: Lest weiter! 🙂
Aber Vorsicht: Vielleicht ist dieser Blogpost selbst eine der roten Pillen.
Veganismus – eine Definition
Die Vegan Society beschreibt Veganismus als Philosophie und Lebensweise, die Tierausbeutung und Grausamkeit gegenüber Tieren so weit ausschließen will, wie es möglich und praktisch umsetzbar ist.[1] Für mich steckt darin ein wichtiger Punkt: Veganismus ist mehr als eine Zutatenliste. Es geht darum, andere Tiere nicht als Mittel für unsere Zwecke zu behandeln, wenn wir darauf verzichten können.
Wie lange lebst du schon vegan?
Ich lebe seit April 2007 vegan.
Wie bist du auf das Thema Veganismus aufmerksam geworden?
Ich lernte in meiner Jugend und als junger Erwachsener hin und wieder junge Veganer kennen – allesamt eher schmächtige Gestalten. Es waren flüchtige Kontakte. Daher bewertete ich sie als komische, sentimentale Verrückte und beschäftigte mich ansonsten nicht weiter mit ihnen und ihren Ansichten.
Auf meinen Streifzügen durch das damals noch vergleichsweise junge Internet stieß ich auf die Tierrechtsgruppe Maqi. Die grausamen Bilder von ausgebeuteten Tieren auf deren Website führten das erste Mal dazu, dass ich vegan leben wollte. Das Ganze ging tüchtig daneben. Obwohl es für mich unerträglich war, was ich dort gesehen hatte, ließen meine Gier nach all den köstlich riechenden und schmeckenden „Tierprodukten“ und die dummen Sprüche von Bekannten mich meine guten Vorsätze schon nach einer Woche über den Haufen werfen.
An einem Morgen im Januar 2007 erwachte ich mit unvorstellbaren Schmerzen. Ich hatte keine Ahnung, was da los war, und dachte, das wäre mein Ende. Mein Vater brachte mich ins Krankenhaus. Die Diagnose: Ein Nierenstein saß im Harnleiter fest. Die Schmerzmittel schlugen kaum an, und auch die Entfernung des Steins war mehr als unangenehm. Damals brachte ich das sofort mit meiner Lebensweise und meinem hohen Konsum tierischer Lebensmittel in Verbindung und schraubte ihn drastisch herunter. Ob beides tatsächlich ursächlich zusammenhing, weiß ich nicht. Seit ich vegan lebe, hatte ich jedenfalls keinen weiteren Nierenstein.
Earthlings – meine rote Pille zum Veganismus
Drei Monate später erregte ein Link in einem Profil bei einer „Online-Singlebörse“ meine Aufmerksamkeit. Er führte mich zum Film „Earthlings“. Was ich dort sah, erschütterte mich zutiefst. Ich saß heulend vorm Monitor. Der Film legte in mir einen Schalter um. Ich wollte nicht mehr Teil dieses entsetzlichen Systems sein. Und daran hat sich seitdem nichts geändert.
Ihr wollt ihn sehen? Hier geht’s zum Film: Earthlings auf YouTube.
Nach dem Film beschäftigte ich mich intensiv mit Veganismus, mit Argumenten dafür und dagegen und vor allem mit der Frage, was Tiernutzung für die betroffenen Tiere bedeutet. Später kamen Gesundheit, Klima und Umwelt als weitere Gründe dazu. Mein Ausgangspunkt war und ist aber die Tierethik.
Aus welchen Gründen bist du vegan?
Ich verstand irgendwann etwas, das eigentlich banal klingt: Ein anderes Tier ist ein Individuum, kein Rohstoff und keine Funktion. Für Säugetiere und Vögel gibt es heute starke wissenschaftliche Unterstützung für bewusstes Erleben; für alle Wirbeltiere sieht die New York Declaration on Animal Consciousness mindestens eine realistische Möglichkeit bewussten Erlebens.[2] Für mich folgt daraus eine ethische Grenze: Ihre Interessen zählen.
Peter Singer formuliert den Ausgangspunkt als gleiche Berücksichtigung vergleichbarer Interessen und kritisiert es als Speziesismus, wenn Interessen allein wegen der Artzugehörigkeit geringer gewichtet werden.[3] Ich muss ein Schwein deshalb nicht für einen kleinen Menschen halten. Es reicht, dass sein Schmerz sein Schmerz ist und sein Körper nicht deshalb verfügbar wird, weil es zu einer anderen Spezies gehört.
Gesundheit und Umwelt sind für mich zusätzliche Gründe. Eine gut geplante vegane Ernährung kann für gesunde Erwachsene gesundheitsfördernd sein; zugleich bewertet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine vegane Ernährungsweise unter Umweltgesichtspunkten sehr positiv.[4] Der Kern meines Veganismus bleibt die Tierethik.
Sie sind wie wir – und zugleich ganz sie selbst
Ähnlichkeit kann Empathie erleichtern. Sie ist für mich aber kein moralischer Aufnahmetest. Ein Huhn muss nicht denken wie ich, ein Schwein muss kein menschliches Familienleben führen und ein Fisch muss mir nicht sympathisch sein. Wenn ein empfindungsfähiges Individuum betroffen ist, reicht das als Grund, seine Interessen ernst zu nehmen.
Gerade als Vater finde ich es wichtig, die Rollenbegriffe zu hinterfragen, die wir Tieren geben. „Haustier“, „Nutztier“, „Versuchstier“, „Schädling“: Solche Wörter sagen vor allem etwas darüber aus, was Menschen mit einem Tier vorhaben. Das Individuum dahinter wird dadurch nicht zu seiner zugeschriebenen Funktion.
Sind es „nur Tiere“?
Ein Kaninchen kann in einer Familie leben, in einem Labor festgehalten oder für Fleisch getötet werden. Seine zugeschriebene Rolle verändert nicht, dass es ein empfindungsfähiges Individuum ist. Genau diese Verschiebung finde ich so wichtig: weg von der Frage „Wozu ist dieses Tier für uns da?“ und hin zu dem Tier selbst.
Natürlich gibt es relevante Unterschiede zwischen Menschen und anderen Tieren und auch zwischen Tierarten. Gleichbehandlung wäre oft unsinnig. Die ethische Frage lautet, ob ein Unterschied für das berührte Interesse überhaupt etwas ändert. Dass ein Schwein kein Mensch ist, sagt nichts darüber aus, warum sein Interesse an körperlicher Unversehrtheit bei unserem Geschmack weniger zählen sollte.
Das speziesistische Denken
Speziesismus bezeichnet genau diese geringere Berücksichtigung aufgrund der Artzugehörigkeit. Wenn ihr das genauer auseinandernehmen wollt, haben wir dazu inzwischen einen eigenen Beitrag über Antispeziesismus, Tierethik und moralische Gleichberücksichtigung.
Für mich heißt Gleichberücksichtigung nicht, jedem Lebewesen dieselben Rechte zu geben. Ein Schwein braucht kein Wahlrecht. Aber die Interessen, die es tatsächlich hat, dürfen nicht schon deshalb aus der Rechnung fallen, weil Menschen es einer Kategorie wie „Nutztier“ zugeordnet haben.
Wir alle leben auf derselben Welt. Sobald wir in den Körper, die Freiheit oder das Leben eines anderen empfindungsfähigen Individuums eingreifen, brauchen wir dafür einen Grund. Geschmack, Gewohnheit, Unterhaltung oder Bequemlichkeit reichen mir dafür nicht.
„Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen“
Dass Menschen etwas lange getan haben, beantwortet noch nicht die Frage, ob wir es heute weiterhin tun sollten. Tradition kann erklären, warum eine Praxis normal wirkt. Sie kann sie nicht allein rechtfertigen.
Was Eltern, Großeltern und das Umfeld täglich vorleben, hinterfragen wir als Kinder zunächst kaum. Das ging mir genauso – bis weit ins Erwachsenenalter. Ich will daraus keinen Vorwurf an frühere Generationen machen. Mich interessiert, welche Gewohnheiten ich selbst weitertrage, obwohl ich heute anders entscheiden kann.

Ein Kind vor einem Käfig
Wenn aus einem Individuum ein Produkt wird
Im Supermarkt steht keine Kuh neben der Milchpackung und kein Schwein neben dem Aufschnitt. Aus Körpern, Fortpflanzung und Leben werden Lebensmittel, Zutaten und Materialien. Gelatine steckt in Süßigkeiten, Leder wird zum Schuh, Milchpulver taucht irgendwo in der Zutatenliste auf.
Damit verschwindet leicht aus dem Blick, was vorher geschehen ist. Hinter Fleisch, Milch und Eiern stehen Tiere, deren Körper und Fortpflanzung Menschen nutzen; bei Fleisch endet die Nutzung mit der Tötung. Eine hübsche Verpackung ändert daran nichts.
Karnismus
Die Sozialpsychologin Melanie Joy bezeichnet das kulturelle Glaubenssystem, das Menschen dazu bringt, bestimmte Tiere zu essen, als Karnismus.[5] Der Begriff hilft mir, eine alltägliche Selbstverständlichkeit überhaupt erst als erlernte Einteilung zu erkennen: Manche Tiere bekommen Namen und einen Platz auf dem Sofa, andere erscheinen hauptsächlich als Lebensmittel.
Das sagt nichts darüber aus, ob der einzelne Mensch gefühllos ist. Gewohnheit, Familie, Kultur, Preis, Verfügbarkeit und Geschmack beeinflussen Essentscheidungen. Ich kenne die Macht solcher Gewohnheiten aus meinem eigenen Leben: Ich hatte die Bilder gesehen und bin beim ersten veganen Versuch trotzdem nach einer Woche wieder ausgestiegen.
Deshalb halte ich wenig davon, andere Menschen zu beschämen. Die Haltung kann klar sein, ohne die Person gegenüber abzuwerten.
Alles hängt miteinander zusammen
Veganismus hat meinen Blick auch auf andere Konsumentscheidungen verändert. Wenn ich frage, wer für mein Essen einen Preis zahlt, liegt die nächste Frage nahe: Wer oder was ist von meiner Kleidung, meinem Smartphone oder den Rohstoffen in einem Fertigprodukt betroffen?
Bei Palmöl zum Beispiel gehören Entwaldung, Biodiversität, Landnutzung und Arbeitsbedingungen zur Bewertung. Wir meiden Palmöl nach Möglichkeit. Ausführlicher haben wir unsere Gründe und die Grenzen dieser Entscheidung im Beitrag über Palmöl, Alternativen und Alltag aufgearbeitet.
Veganismus löst solche Probleme nicht automatisch. Er verändert aber den Ausgangspunkt: Ein Produkt ist nicht nur das, was in meiner Hand liegt. Es hat eine Geschichte.
Tierversuche
Bei Tierversuchen wird der Körper eines empfindungsfähigen Tieres zum Mittel für einen fremden Zweck. Der mögliche medizinische Nutzen ist das stärkste Gegenargument: Forschung kann Erkenntnisse anstreben, die Menschen vor Krankheit und Tod schützen. Dieser Zweck ist real. Er lässt die Interessen der eingesetzten Tiere an körperlicher Unversehrtheit und am eigenen Leben aber nicht verschwinden.
Bei Kosmetik und Alltagsprodukten versuche ich deshalb, Produkte und Unternehmen zu wählen, die ohne Tierversuche auskommen. Bei Arzneimitteln sind Entscheidungen schwieriger, weil eine notwendige Behandlung einen unmittelbaren gesundheitlichen Zweck haben kann. Für mich wäre es falsch, daraus entweder eine moralische Reinheitsprüfung für kranke Menschen zu machen oder die Tierausbeutung in der Forschung einfach auszublenden.
Tiere zu Unterhaltungszwecken
Auch bei Zoos hilft mir die Trennung zwischen Zweck und betroffenem Individuum. Der Verband der Zoologischen Gärten nennt Forschung, Zucht, Natur- und Artenschutz sowie Bildung als Kernaufgaben von Zoos.[6] Die IUCN Species Survival Commission erkennt an, dass Zoos erheblich zum Artenschutz beitragen können und beitragen, weist zugleich aber darauf hin, dass längst nicht alle Einrichtungen dieses Potenzial erfüllen.[7] Das ist eine ernstzunehmende Gegenposition zu meiner Haltung.
Für das einzelne Tier bedeutet Zoo trotzdem Gefangenschaft: Menschen begrenzen seinen Lebensraum und das Tier kann diesen Ort nicht verlassen. Artenschutz auf Ebene einer Art und Bildungsziele auf Ebene der Besucher:innen beantworten deshalb noch nicht automatisch die Frage, ob die Gefangenschaft dieses Individuums gerechtfertigt ist.
Für unsere Familie überwiegt diese Grenze. Wir suchen andere Wege, Tiere und ihre Lebensräume kennenzulernen. Einige davon haben wir im Beitrag Alternativen zum Zoo mit Kindern gesammelt.
Fleisch
Fleisch ist ein Teil des Körpers eines getöteten Tieres. Haltungslabel können reale Unterschiede bei einzelnen Lebensbedingungen anzeigen. Die Tötung selbst verschwindet dadurch nicht.
Für mich ist deshalb „besseres Fleisch“ keine Antwort auf die eigentliche Frage. Wenn ich ohne Fleisch gut leben kann, reicht mir Geschmack nicht als Grund, ein anderes empfindungsfähiges Individuum dafür töten zu lassen.
Milch und Milchprodukte
In der Milchwirtschaft nutzen Menschen die Fortpflanzung und den Körper weiblicher Rinder: Kühe bekommen Kälber und bilden nach der Geburt Milch, die Menschen für den Verkauf melken. Die EFSA behandelt Kuh-Kalb-Kontakt ausdrücklich als Wohlergehensthema und empfiehlt mindestens einen Tag Kontakt; längerer Kontakt kann Vorteile für Kuh und Kalb haben.[8]
Die frühe Trennung ist damit keine bloße technische Einzelheit in einer Lieferkette. Zwei Tiere sind betroffen. Zugleich wird die Fortpflanzung der Kuh Teil eines Systems, dessen Zweck außerhalb ihres eigenen Lebens liegt. Das nenne ich Ausbeutung.
Ich muss dafür keine menschliche Mutter-Kind-Beziehung auf Rinder übertragen. Es reicht, die belegten Vorgänge ernst zu nehmen: Geburt, Kontakt zwischen Kuh und Kalb, Trennung und die Nutzung der Milch.
Eier
Auch hinter einem Ei steht ein Tier. Die EFSA bewertet bei Legehennen unter anderem Knochenverletzungen, Bewegungseinschränkungen, Probleme beim Ruhen sowie Schäden an Haut, Federn, Krallen oder Schnabel als relevante Wohlergehensfolgen und behandelt zugleich die Folgen der Zucht auf hohe Legeleistung.[9]
In Deutschland verbietet § 4c Tierschutzgesetz grundsätzlich das Töten von Küken der Art Gallus gallus; das Gesetz nennt eng umrissene Ausnahmen.[10] Das beseitigt eine konkrete Tötungspraxis, beendet aber nicht die Ausbeutung der Hennen: Menschen züchten und halten sie weiterhin, um ihre Eier zu nutzen.
Für mich ist deshalb das Tier der Ausgangspunkt, nicht das Ei im Karton. Eine Henne ist kein Produktionsmittel.
Tierschutz
Tierschutz und Tierrechte setzen an unterschiedlichen Stellen an. § 1 des deutschen Tierschutzgesetzes schützt Leben und Wohlbefinden der Tiere und verbietet, einem Tier ohne „vernünftigen Grund“ Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen.[11]
Was dieser Schutz innerhalb erlaubter Tiernutzung praktisch zulässt, zeigt § 29 der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung: Für Schweine mit einem Durchschnittsgewicht von mehr als 50 bis 110 Kilogramm sind mindestens 0,75 Quadratmeter uneingeschränkt nutzbare Bodenfläche pro Tier vorgeschrieben.[12]
Mehr Platz, weniger Verletzungen oder bessere Rückzugsmöglichkeiten können für die betroffenen Tiere einen echten Unterschied machen. Solche Verbesserungen sind deshalb nicht wertlos. Die Tierrechtsfrage beginnt einen Schritt früher: Welcher Grund rechtfertigt überhaupt, dieses empfindungsfähige Individuum einzusperren, seinen Körper zu nutzen oder es zu töten?

Schweine, dicht zusammengedrängt auf einem Lastwagen
Tierrechte
Eine Tierrechtsperspektive fragt deshalb nicht nur, wie Ausbeutung weniger belastend gestaltet werden kann. Sie fragt, welche Ansprüche Tiere gegen unsere Nutzung haben.
Für mich gehören körperliche Unversehrtheit, Bewegungsfreiheit und Weiterleben zu den Interessen, die moralisch berücksichtigt werden müssen, soweit das jeweilige Tier sie haben kann. Das ist eine normative Position. Wissenschaft kann untersuchen, welche Tiere empfindungsfähig sind, wie sie auf bestimmte Bedingungen reagieren und welche Bedürfnisse sie haben. Ob wir daraus moralische Rechte ableiten, entscheidet keine einzelne Verhaltensstudie.
Das stärkste Gegenargument bleibt: Manchmal greifen Menschen in die Freiheit oder den Körper eines Tieres ein, um ihm selbst zu helfen – etwa bei medizinischer Versorgung oder einer Rettung. Solche Fälle unterscheiden sich von Eingriffen für Geschmack, Unterhaltung oder wirtschaftlichen Nutzen. Genau deshalb braucht die ethische Bewertung den Zweck und die Interessen des betroffenen Individuums.

Gefesselte Pfauen auf einem Markt
Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit
Freiheit bedeutet für mich nicht grenzenlose Bewegungsfreiheit in jeder Situation. Ein verletztes Tier kann zeitweise festgehalten werden müssen, weil die Behandlung seinem eigenen Interesse dient. Gefangenschaft für menschliche Unterhaltung oder vermeidbare Nutzung braucht eine andere Rechtfertigung.
Gleichheit bedeutet ebenfalls keine Gleichmacherei. Unterschiedliche Lebewesen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Entscheidend ist, vergleichbare Interessen nicht allein aufgrund der Spezies unterschiedlich zu gewichten.
Und Geschwisterlichkeit? Viele Menschen erleben längst speziesübergreifende Freundschaften mit Hunden, Katzen oder anderen Tieren. Für mich ist der nächste Schritt, diese Empathie nicht genau dort enden zu lassen, wo gesellschaftlich die Kategorie „Nutztier“ beginnt.

Wir sind Freunde: Bello und ich
Merkst du Unterschiede, seit du vegan lebst?
Ja. Ich bin weltoffener geworden, aber auch kritischer. Ich hinterfrage viel stärker, wie ich lebe, was ich konsumiere und welche Folgen das für andere hat.
Körperlich fühle ich mich heute fitter als früher. Das ist meine persönliche Erfahrung und kein Beweis dafür, dass vegane Ernährung automatisch gesund macht. Ernährung ist nur ein Teil von Gesundheit, und auch vegan kann man sich ziemlich einseitig ernähren.
Der wichtigste Unterschied sitzt für mich im Kopf: Beim Essen ist der frühere Widerspruch zwischen meinem Mitgefühl für Tiere und meiner eigenen Beteiligung an ihrer Nutzung weitgehend verschwunden.
Ist vegane Ernährung gesund? Wie sieht es mit deiner Gesundheit aus?
Bei mir sieht es gesundheitlich gut aus. Nach ungefähr fünf Jahren Veganismus ließ ich erstmals bewusst meine Blutwerte kontrollieren. Damals waren Vitamin B12 und Vitamin D eher niedrig, weshalb ich angefangen habe zu supplementieren. Seitdem behalte ich solche Werte im Blick.
Für die allgemeine Frage ist meine Erfahrung weniger wichtig als die Fachlage. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kommt in ihrer Neubewertung von 2024 zu dem Schluss, dass eine gut geplante vegane Ernährung für gesunde Erwachsene gesundheitsfördernd sein kann. Voraussetzung sind eine zuverlässige Vitamin-B12-Supplementierung, eine ausgewogene Lebensmittelauswahl und eine bedarfsdeckende Versorgung mit potenziell kritischen Nährstoffen.[4]
Damit ist auch das stärkste ernährungsbezogene Gegenargument ernst zu nehmen: Vegan heißt nicht automatisch ausgewogen. Wer nur Pommes, Weißbrot und vegane Süßigkeiten isst, hat zwar tierische Zutaten gemieden, aber noch keine gute Ernährung zusammengestellt.
Umgekehrt trägt die pauschale Aussage „vegan ist ungesund“ die Fachlage ebenfalls nicht. Auch Aussagen über tierische Lebensmittel müssen genau sein: Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC stuft verarbeitetes Fleisch als krebserregend für Menschen und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend ein.[13] Für Milch gibt es keine entsprechende pauschale IARC-Einstufung.
Über Pflanzengefühle und das Soja im Regenwald
In Diskussionen kommt irgendwann oft die Frage: „Aber Pflanzen leben doch auch.“ Ja, Pflanzen leben. Daraus folgt noch keine Aussage darüber, ob sie bewusst erleben. Für meine tierethische Grenze ist Empfindungsfähigkeit entscheidend, weil es um Interessen eines erlebenden Individuums geht.
Auch Soja kann mit Entwaldung und anderen Umweltproblemen verbunden sein. Für die globale Nutzung ist aber wichtig, genauer hinzusehen: Nach dem OECD-FAO Agricultural Outlook 2026–2035 werden rund 90 Prozent der Sojabohnen und anderer Ölsaaten zunächst verarbeitet; dabei entstehen Öl und proteinreiches Schrot. Sojaschrot macht mehr als zwei Drittel der weltweiten Proteinmehlproduktion aus, und Proteinmehl wird nahezu ausschließlich als Tierfutter eingesetzt.[14] Das macht Sojaanbau nicht automatisch unproblematisch. Es zeigt aber, warum sich die globale Sojanachfrage nicht sinnvoll mit Tofu und Sojadrink erklären lässt.
Für die größere Umweltfrage muss ich ohnehin nicht mit einzelnen Kilogramm-Rechnungen jonglieren. Die DGE bewertet vegane Ernährung als besonders umweltfreundlich und nennt eine deutliche Verringerung tierischer Lebensmittel als sinnvolle Maßnahme, um die Umweltbelastung des Ernährungssystems zu reduzieren.[4]
Warum geht vegan leben über Ernährung hinaus?
Wer Veganismus nur als Ernährungsform versteht, sieht nur einen Teil. Leder, Pelz, Wolle, Daunen, Kosmetik, Tierversuche, Zoos, Zirkusse und andere Formen der Tiernutzung gehören ebenfalls zu der Frage, ob wir Körper, Arbeitskraft, Fortpflanzung, Freiheit oder Leben anderer Tiere für unsere Zwecke einsetzen.
Vollständig folgenlos lebt trotzdem niemand. Schon die Definition der Vegan Society enthält deshalb die Begrenzung auf das Mögliche und Praktikable.[1] Für mich macht das Veganismus alltagstauglicher, nicht beliebiger: Es geht um vermeidbare Ausbeutung, nicht um moralische Reinheit.
Veganismus und der Schutz der Meere
Bei der Fischerei greifen Tierethik und Umweltfragen ineinander. Fanggeräte aus Kunststoff tragen erheblich zum Müll an europäischen Stränden bei: Die Europäische Kommission bezifferte fischereibezogene Gegenstände auf 27 Prozent der Kunststoff-Müllteile, die an Stränden gefunden wurden.[15] Diese Zahl beschreibt Strandfunde. Sie bedeutet nicht, dass 27 Prozent des gesamten Plastiks in allen Weltmeeren aus der Fischerei stammen.
Auch bei Sauerstoff und CO2 lohnt Genauigkeit. Nach Angaben der NOAA stammt ungefähr die Hälfte der weltweiten Sauerstoffproduktion aus dem Ozean, überwiegend von planktonischen Organismen.[16] Der Global Carbon Budget 2025 beziffert die Nettoaufnahme des Ozeans für 2015 bis 2024 auf durchschnittlich 3,2 ± 0,4 Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr; das entsprach nach der aktualisierten Bewertung 29 Prozent der gesamten anthropogenen CO2-Emissionen dieses Jahrzehnts.[17]
Und dann sind da die Fische selbst. In Umweltdebatten verschwinden einzelne Tiere schnell hinter Begriffen wie „Bestand“ oder „Ressource“. Die EFSA behandelt bei Fischen Neurobiologie, Nozizeption, Schmerz, Furcht, Stress und Sentienz und warnt zugleich davor, Befunde undifferenziert zwischen Fischarten zu übertragen.[18] Für mich ist deshalb auch beim Meer das Individuum Teil der Betrachtung.
Wenn ihr tiefer in Fischerei, Meeresschutz und die Schwächen mancher populärer Behauptungen einsteigen wollt, haben wir unseren Beitrag zu Seaspiracy ausführlich aktualisiert und mit einem Faktencheck versehen.
Vegane Ernährung bei Kindern: Wie setzt ihr das in eurer Familie um?
Meine Kinder wachsen von Geburt an vegan auf. Als Eltern achten wir darauf, dass ihre Ernährung abwechslungsreich und energiereich genug ist. Auf dem Tisch landen Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Sojaprodukte, Getreide, Nüsse und Samen; vieles bereiten wir selbst zu.
Bei Kindern reicht „pflanzlich und abwechslungsreich“ als Ernährungskonzept allerdings nicht. Die DGE spricht aufgrund der weiterhin begrenzten Datenlage weder eine eindeutige Empfehlung für noch gegen vegane Ernährung im Kindes- und Jugendalter aus. Sie weist auf das Risiko teilweise irreversibler Folgen bei inadäquater Durchführung hin und empfiehlt für diese Gruppen fundierte Ernährungskenntnisse; in ihren FAQ rät sie bei vegan ernährten Kindern außerdem zu qualifizierter Beratung.[4]
Vitamin B12 supplementieren wir zuverlässig. Darüber hinaus gehören Jod und die weiteren potenziell kritischen Nährstoffe in den Blick. Welche angereicherten Lebensmittel oder weiteren Supplemente im Einzelfall sinnvoll sind, hängt von Ernährung, Lebensphase und individueller Versorgung ab. Bei Kindern würde ich das nicht nach Bauchgefühl entscheiden.
Im Familienalltag wird die Theorie schnell konkret: Welche Pflanzendrinks sind mit Calcium und Jod angereichert? Gibt es regelmäßig Hülsenfrüchte? Woher kommen Eisen und Omega-3-Fettsäuren? Essen die Kinder genug Energie? Solche Fragen helfen uns mehr als das Etikett „vegan“ allein.

Vegane Ernährungspyramide (Quelle: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, 2018, CC-BY-4.0)
Fertigprodukte gibt es bei uns natürlich auch: mal Fleischersatz, veganen Käse oder Pflanzendrinks. Bei Produkten für die Kinder schauen wir darauf, wie sie ernährungsphysiologisch zu dem passen, was sonst auf dem Tisch steht. Ein Vegan-Siegel beantwortet diese Frage nicht.
Mit Kindern ehrlich über Essen sprechen
Wir erklären unseren Kindern altersgerecht, wo Lebensmittel herkommen und warum wir manche Dinge nicht essen. Das ist uns wichtig, weil sie später ihre eigenen Entscheidungen treffen sollen – und dafür brauchen sie Informationen.
Andere Familien erklären Tierprodukte anders. Ich möchte ihnen keine Motive unterstellen. Für uns heißt Ehrlichkeit: Fleisch stammt vom Körper eines getöteten Tieres. Kuhmilch hängt mit der Geburt eines Kalbes und der Laktation der Kuh zusammen. Eier entstehen im Körper einer Henne. Diese Tatsachen lassen sich kindgerecht benennen, ohne Kindern Bilder aufzudrängen, die sie nicht sehen wollen.
So bleibt die rote Pille aus „Matrix“ für mich ein brauchbares Bild – nur ohne Zwang. Wissen kann eine vertraute Welt verändern. Was unsere Kinder später daraus machen, entscheiden sie selbst.
Wie lässt sich Veganismus in den Alltag integrieren?
Ehrlich gesagt: Für mich heute ziemlich unspektakulär. Meine Freunde wissen, dass ich vegan lebe und akzeptieren das. Irgendetwas gibt es meistens, das ich essen will – „kann“ ist für mich immer der falsche Ausdruck. Im Restaurant frage ich nach, und wenn es wirklich nichts Passendes gibt, esse ich eben später etwas.
Das vegane Leben ist für mich längst selbstverständlich. Manchmal wundere ich mich eher darüber, dass es noch immer als exotisch wahrgenommen wird.
Ich hatte einmal eine lustige Begegnung im Reformhaus. Zwei ältere Frauen suchten ein Geschenk. Eine hob eine Teepackung hoch und entdeckte das Vegan-Siegel. Ihre Reaktion: „Vegan? Nee, sowas kaufe ich nicht.“ Beim nächsten Produkt dann: „Oooooh, auch vegan. Das gibt’s doch nicht!“ Ich stand daneben und dachte nur: Hä? Vermutlich war ihnen schlicht nicht klar, dass auch Tee, Kartoffeln, Tomaten und Wasser vegan sein können.
Über Missionieren, Moralapostel und Gespräche
Veganer:innen wird gern vorgeworfen, sie wollten missionieren. Ich verstehe, woher dieser Eindruck kommen kann. Wer sich gerade intensiv mit der Ausbeutung und Tötung anderer Tiere beschäftigt hat, möchte oft, dass sich sofort etwas ändert. Das kenne ich selbst.
Ich bin trotzdem davon abgerückt, andere „bekehren“ zu wollen. Nicht weil mir das Thema weniger wichtig wäre, sondern weil ein Gespräch ein Gegenüber braucht, das überhaupt eines führen will.
Wie so eine Diskussion aussehen kann, seht ihr in diesem Reaktionsvideo von Aljoscha:
Wenn mich jemand ernsthaft fragt, lege ich meinen Standpunkt dar – wie in diesem Interview. *zwinker*
Und einer 90-Jährigen müssen wir an ihrem Geburtstag wirklich keinen Vortrag über Buttercremetorte halten. Diese Grenze zwischen klarer Haltung und unnötiger Belehrung ist mir mit den Jahren wichtiger geworden.
Was hat sich verändert? Ist vegan leben heute leichter?
Ja. Sehr viel leichter.
Als ich 2007 vegan wurde, war schon die Suche nach manchen Produkten ein kleines Projekt. Heute stehen Pflanzendrinks, vegane Joghurts, Aufstriche, Burger, Käsealternativen, Süßigkeiten und Fleischersatz im normalen Supermarkt oder Discounter. Wer den Geschmack von früher vermisst, findet für vieles eine Alternative.
Dazu kommt eine riesige Rezeptkultur im Netz. Für vegane Leberwurst, veganen Matjessalat oder veganen Eiersalat muss niemand mehr selbst bei null anfangen.
Auch bei Kosmetik, Kleidung und Schuhen gibt es viel mehr Auswahl. Das nimmt dem Umstieg praktische Hürden. Es macht aber aus jedem veganen Produkt noch kein gutes Produkt.
„Vegan“ beantwortet nicht jede Kaufentscheidung
Ein Produkt kann vegan sein und trotzdem viel Zucker enthalten, schlecht verpackt sein, unter problematischen Arbeitsbedingungen entstehen oder Rohstoffe aus ökologisch problematischen Lieferketten enthalten. Vegan, gesund, fair und umweltverträglich sind verschiedene Kriterien.
Unser Beitrag „Rein pflanzlich ist nicht immer vegan“ beschreibt, welche zusätzlichen ethischen und ökologischen Fragen wir beim Einkauf stellen. Ein Produkt kann nach gängiger Definition vegan sein und trotzdem nicht zu unseren übrigen Maßstäben passen.
Ist vegan leben teuer?
Es kommt stark darauf an, was im Einkaufswagen landet. Spezielle Ersatzprodukte können teuer sein. Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Getreide, saisonales Gemüse und viele andere Grundnahrungsmittel sind dagegen keine Luxusprodukte.
Auch eine vegane Ernährung kann teuer werden, wenn sie überwiegend aus Markenprodukten, Fertiggerichten und Spezialitäten besteht. Sie kann relativ günstig sein, wenn man viel mit Grundzutaten kocht. Eine pauschale Antwort wäre deshalb unseriös.
Eine politische Besonderheit ist die Mehrwertsteuer: Der allgemeine Umsatzsteuersatz beträgt in Deutschland 19 Prozent; für die in Anlage 2 des Umsatzsteuergesetzes genannten Waren gilt der ermäßigte Satz von 7 Prozent. Dort sind Milch und Milcherzeugnisse aufgeführt, Pflanzendrinks dagegen nicht.[19] Deshalb werden gewöhnliche Pflanzendrinks grundsätzlich mit 19 Prozent besteuert, Kuhmilch mit 7 Prozent.
Auch die Bezeichnungen sind rechtlich geregelt. Der Europäische Gerichtshof entschied 2017 im Fall TofuTown, dass rein pflanzliche Produkte grundsätzlich nicht unter Bezeichnungen wie „Milch“, „Rahm“, „Butter“, „Käse“ oder „Joghurt“ vermarktet werden dürfen, die das EU-Recht Milcherzeugnissen vorbehält.[20] Darum steht auf vielen Packungen „Sojadrink“ statt „Sojamilch“. Man kann diese Regel politisch kritisieren, ohne ihre Entstehung irgendwelchen unbelegten Lobbyabsprachen zuzuschreiben.
Welche Tipps hast du für Menschen, die vegan werden wollen?
Wenn ihr vegan leben wollt, müsst ihr nicht an einem Wochenende eure komplette Küche, euren Kleiderschrank und euer soziales Umfeld neu erfinden. Für mich hilft es mehr, die eigenen Gründe zu kennen und dann praktische Gewohnheiten aufzubauen.
Kontakte zu anderen Veganer:innen können dabei guttun – online oder offline. Gerade am Anfang ist es angenehm, nicht bei jeder Zutatenliste und jeder Familienfeier das Gefühl zu haben, der einzige Alien im Raum zu sein.
Bei der Ernährung würde ich heute früher auf belastbare Informationen setzen, als ich es 2007 getan habe. Eine zuverlässige Vitamin-B12-Supplementierung gehört bei veganer Ernährung dazu; bei Jod und weiteren potenziell kritischen Nährstoffen lohnt sich ebenfalls ein genauer Blick.[4] Bei Kindern und anderen Gruppen mit besonderen Anforderungen an die Nährstoffversorgung ist qualifizierte Beratung besonders wichtig.
Was bereits im Kühl- oder Vorratsschrank liegt, lässt sich durch Wegwerfen nicht ungeschehen machen. Der Kauf ist bereits erfolgt. Ob ihr vorhandene tierische Lebensmittel aufbraucht, verschenkt oder entsorgt, ist eine Übergangsentscheidung; für die Zukunft zählt, was ihr neu unterstützt und kauft.
Wer tiefer in die ethischen Argumente einsteigen möchte, findet in unserem Beitrag über Antispeziesismus eine ausführlich belegte Einordnung. Die alte Veganissimo-Reihe erwähne ich trotzdem gern: Sie gehörte zu den ersten Seiten, die mir damals geholfen haben.
Für mich war die Entscheidung für das vegane Leben eine der besten Entscheidungen, die ich treffen konnte. Nicht, weil seitdem jede Mahlzeit perfekt, jeder Einkauf widerspruchsfrei oder jede Diskussion angenehm wäre. Sondern weil mein Alltag heute viel besser zu einer Überzeugung passt, die für mich sehr einfach geworden ist: Andere Tiere sind nicht für mich da.
Was denkt ihr über Veganismus, Tierethik und vegane Ernährung? Schreibt uns gern in die Kommentare.
Ich wünsche euch eine schöne Zeit!
Patrick
PS: Wenn euch der Beitrag gefallen hat, teilt ihn gern mit euren Freunden. Außerdem freuen wir uns über jeden Energieausgleich.
(Titelbild von Simon Berger auf Unsplash)
Quellen
- The Vegan Society: Definition of veganism. Tragende Stelle: Definition im ersten Absatz („possible and practicable“, Ausbeutung und Grausamkeit; Ernährungsdefinition unmittelbar anschließend). Vegan Society.
- New York Declaration on Animal Consciousness, 19.04.2024. Tragende Stelle: Erklärungstext, Abs. 1–3 zu starker wissenschaftlicher Unterstützung für bewusstes Erleben bei anderen Säugetieren und Vögeln sowie mindestens realistischer Möglichkeit bei allen Wirbeltieren und mehreren Gruppen wirbelloser Tiere. Erklärung.
- Singer, Peter: Animal Liberation. Ecco-Ausgabe im Projektbestand. Tragende Stellen: S. 5–8 zur gleichen Berücksichtigung von Interessen, zur Unterscheidung zwischen gleicher Berücksichtigung und identischer Behandlung sowie zur Empfindungsfähigkeit als moralisch relevantem Kriterium.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2024): Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung; ergänzt durch die aktuellen DGE-FAQ zur veganen Ernährung. Tragende Stellen: Abschnitte „Sorgfältig gestaltet kann eine vegane Ernährung gesundheitsfördernd für Erwachsene sein“, „Keine Empfehlung für oder gegen eine vegane Ernährung für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Senior*innen“ sowie Umweltbewertung; FAQ Abschnitt „Was sollten Personen beachten, die sich vegan ernähren möchten?“. Position 2024; FAQ.
- Beyond Carnism / Melanie Joy: What Is Carnism? Tragende Stelle: erster Abschnitt mit der Definition von Karnismus als Glaubenssystem beziehungsweise Ideologie, die Menschen dazu konditioniert, bestimmte Tiere zu essen. Beyond Carnism.
- Verband der Zoologischen Gärten: Wissenschaft und Forschung. Tragende Stelle: erster Satz, in dem Forschung neben Tierhaltung, Zucht, Natur- und Artenschutz sowie Bildung als Kernaufgabe von Zoos bezeichnet wird. Die Quelle belegt die Selbstdarstellung des Verbands, nicht die ethische Rechtfertigung von Gefangenschaft. VdZ.
- IUCN Species Survival Commission (2023): Position Statement on the role of botanic gardens, aquariums, and zoos in species conservation. Tragende Stellen: S. 2–3; insbesondere die Anerkennung signifikanter Beiträge von Zoos zum Artenschutz sowie der Hinweis, dass nicht alle Einrichtungen ihr Schutzpotenzial erfüllen. IUCN SSC.
- EFSA Panel on Animal Health and Welfare (2023): Welfare of calves. EFSA Journal 21(3):e07896. DOI: 10.2903/j.efsa.2023.7896. Tragende Stellen: S. 1 und 3–6; vertiefend S. 79–129 zu Kuh-Kalb-Kontakt und Trennung. Ergänzend: Welfare of dairy cows, DOI: 10.2903/j.efsa.2023.7993, S. 1 und 3–6. Kälber; Kühe.
- EFSA Panel on Animal Health and Welfare (2023): Welfare of laying hens on farm. EFSA Journal 21(2):e07789. DOI: 10.2903/j.efsa.2023.7789. Tragende Stellen: S. 1 und 3–6 sowie S. 121–136 (Conclusions and Recommendations). DOI.
- Tierschutzgesetz (TierSchG), § 4c Abs. 1–3. Tragende Stellen: Abs. 1 zum Verbot der Tötung von Küken von Haushühnern der Art Gallus gallus; Abs. 2–3 zu den Ausnahmen. § 4c TierSchG.
- Tierschutzgesetz (TierSchG), § 1. Tragende Stelle: Satz 1–2 zu Zweck des Gesetzes sowie Verbot von Schmerzen, Leiden oder Schäden ohne vernünftigen Grund. § 1 TierSchG.
- Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV), § 29 Abs. 2. Tragende Stelle: Tabelle zur uneingeschränkt nutzbaren Bodenfläche; über 50 bis 110 kg: 0,75 m² pro Schwein. § 29 TierSchNutztV.
- International Agency for Research on Cancer (IARC): IARC Monographs Volume 114 – Red Meat and Processed Meat. Tragende Stellen: Bewertung von verarbeitetem Fleisch als „carcinogenic to humans“ (Group 1) und rotem Fleisch als „probably carcinogenic to humans“ (Group 2A), Pressemitteilung/Q&A vom 26.10.2015. IARC.
- OECD/FAO (2026): OECD-FAO Agricultural Outlook 2026–2035, Kapitel 3 „Oilseeds and oilseed products“. Tragende Stellen: Abschnitte 3.1 und 3.3 zu Verarbeitung von Sojabohnen/Ölsaaten, Anteil von Sojaschrot an der Proteinmehlproduktion und Verwendung von Proteinmehl überwiegend als Tierfutter. OECD.
- Europäische Kommission (2021): Unterlagen zur Single-Use-Plastics-Regulierung. Tragende Stelle: S. 2, Frage „Why does the SUP Directive specifically deal with fishing gear?“, dort 27 % der an Stränden gefundenen Kunststoff-Müllteile. Kommission, Guidance 2021.
- NOAA Ocean Service: How much oxygen comes from the ocean?, aktualisiert 16.06.2024. Tragende Stelle: erster Absatz zur Schätzung, dass ungefähr die Hälfte der Sauerstoffproduktion der Erde aus dem Ozean stammt, überwiegend durch Plankton. NOAA.
- Friedlingstein P et al. (2026): Global Carbon Budget 2025. Earth System Science Data 18:3211–3278. Tragende Stelle: Summary/Results zur Ozeansenke 2015–2024: 3,2 ± 0,4 GtC/Jahr und 29 % der gesamten anthropogenen CO₂-Emissionen des Jahrzehnts. Volltext.
- EFSA Panel on Animal Health and Welfare (2009): General approach to fish welfare and to the concept of sentience in fish. EFSA Journal 954:1–27. DOI: 10.2903/j.efsa.2009.954. Tragende Stellen: S. 3–4 und 9–19 zu Neurobiologie, Nozizeption/Schmerz, Furcht, Stress und Sentienz sowie zur Warnung vor undifferenzierter Übertragung zwischen Fischarten. DOI.
- Umsatzsteuergesetz (UStG), § 12 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 sowie Anlage 2 Nr. 4. Tragende Stellen: 19 % Regelsteuersatz; 7 % für Waren der Anlage 2; dort „Milch und Milcherzeugnisse“, nicht Pflanzendrinks. § 12 UStG; Anlage 2.
- Gerichtshof der Europäischen Union, Urteil vom 14.06.2017, C-422/16, Verband Sozialer Wettbewerb e. V. gegen TofuTown.com GmbH, ECLI:EU:C:2017:458. Tragende Stellen: Rn. 20 ff., insbesondere die Auslegung der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 zu den für Milch und Milcherzeugnisse vorbehaltenen Bezeichnungen; Tenor. Urteil.
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Ein Wahnsinn, Tiere als Sachen, Dinge, Objekte einzustufen, oder seht Ihr das anders?
Ich wünschte mehr Menschen hätten Deine Einstellung.
LG
Lion