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Aktualisiert am: 10.08.2026

Brief an meine Gebärmutter – ein persönlicher Text über Schwangerschaft und Dankbarkeit

Dieser Brief entstand am Ende meiner dritten Schwangerschaft, wenige Tage vor der Geburt unseres dritten Kindes.

Liebe Gebärmutter,

während meine Hände heute über meinen prächtigen Bauch strichen, keimte in mir auf, dass ich ihn Dir zu verdanken habe. Ich hätte ihn nicht, wenn Du meinem Kind keine Wohnung schenktest. Diese Wohnung ist viel perfekter als meine. In meiner ist es manchmal unaufgeräumt, verstaubt, zu laut oder zu leise. Zeitweise riecht es unangenehm, ist es zu kalt oder zu warm. Mitunter ist auch nicht das richtige Essen im Haus oder alle Bewohner haben schlechte Laune. Doch Du bietest meinem Kind eine Wohnung, die zu 100 Prozent makellos ist. Du bist optimal für das Baby, das in Dir wohnt und wächst.

Liebe Gebärmutter, ich weiß nicht, ob Du Google kennst. Es ist eine Suchmaschine für das Internet. Man kann nach Dingen recherchieren. Herausfinden, was etwas ist. Es gibt Menschen, die Dich nicht kennen, zum Beispiel junge Mädchen. Sie „googeln“, um etwas über Dich zu lernen. Immerhin können sie Dich nicht sehen, schmecken, riechen, hören und anfassen. Man spürt auch nicht viel von Dir.

Heute habe ich „Gebärmutter“ gegoogelt.

Google sagt, die Gebärmutter wäre ein weibliches Geschlechtsorgan. Das ist sehr primitiv gehalten, ich weiß. Tatsächlich zeigt Google neben dieser einfachen Erklärung noch andere, schreckliche Ergebnisse an. Ich dachte, es müsse beim Blick auf die Suchergebnisse schnell zu erkennen sein, dass Du hinreißend bist. Wer Dich aber nicht kennt, wird das jedoch nicht anhand der Suchergebnisse Googles herausfinden.

Ich nenne Dir ein paar der ersten Schlagwörter: Gebärmutterentfernung, Gebärmuttervorfall, Gebärmuttersenkung, Myome, Ausschabung, Gebärmutterhalskrebs, Gebärmutterhalskrebsimpfung und Gebärmuttervergrößerung.

Nun, liebe Gebärmutter, ich schäme mich etwas.

In den ersten Jahren habe ich Dich nicht wertgeschätzt, als Du Deine Bedeutung für meinen Körper ausbildetest. Ich war wütend, dass ich wegen Dir blutete. Einmal ärgerte ich mich deshalb sogar an meinem Geburtstag über Dich. Hatte ich Schmerzen, warf ich mitunter eine Tablette ein, um meinen Körper und Dich „auszutricksen“. Eine Zeit lang setzte ich Chemie gegen Dich ein, damit Du Deiner Arbeit nicht nachkommen konntest.

Ich hätte nicht gedacht, dass Du so schlau bist, um gerade dann mit mir zu kommunizieren. Du hast Dich mit dem Rest meines Körpers „zusammengetan“. Letztendlich half die Colitis ulcerosa, Dich wieder als meine Freundin zu sehen, „Ja“ zu Dir und „Nein“ zur Einnahme der Pille zu sagen. Wir stellten uns aufeinander ein. Ich lernte, in einem Rhythmus, in einer Verbindung mit Dir zu leben. Du hast mir gezeigt, was meinem Körper guttut und was nicht.

Ich erlebte, wie Du ein Kind in Dir aufgenommen und wieder losgelassen hast, als Du merktest, dass ich noch nicht reif genug für ein Leben als Mutter war.

Ich glaube, Du hast mit Deinen befreundeten Nachbarinnen, den Eierstöcken, den Eileitern, Eizellen, kleinen Hormonen und so weiter, sogar eine bedeutsame Macht über meinen Körper hinaus. Lass mich Dir das kurz erklären: Als ich meinen heutigen Mann kennenlernte, erlebte ich mich so wie nie zuvor.

Ich war wahnsinnig verknallt in diesen Mann,…

… liebte jede Zehntelsekunde mit ihm und war mir sicher, dass ich den Rest meines Lebens mit ihm verbringen wollte.

Patrick und ich – ein Foto aus unserer gemeinsamen Zeit

Patrick und ich

Mein Leben war bezaubernd und aufregend. Mein Körper fühlte sich genauso. Ich glaube heute, dass sich mein Körper ein Kind von diesem wunderbaren Mann wünschte. Ich wollte diesen Wunsch nicht hören. Es dauerte zwei Not-OPs wegen Ovarialzysten und monatelange Medikamenteneinnahme, bis ich zur Vernunft kam.

Nach der OP in einem italienischen Krankenhaus

nach der OP in einem italienischen Krankenhaus

Endlich wollte ich mehr, als nur mit diesem Mann zu schlafen. Du warst nach all der Aufregung keineswegs beleidigt, hast mir diesen Umweg nicht übel genommen. Als ich als Letzte aller Beteiligten den Wunsch nach einem Kind äußerte, hast Du zusammen mit Deinen Nachbarinnen sofort zugestimmt.

Ich habe spüren dürfen, welch wunderbare Arbeit Du für mich verrichtest. Du bist gewachsen und gewachsen, ohne Dich zu beschweren. Du hast mein erstes Kind ausgetragen, es rund um die Uhr perfekt versorgt und feierlich ausziehen lassen. Nach der Geburt bist Du so schnell wieder klein geworden, dass man meinem Bauch nicht ansah, dass er einmal fast einen Meter Umfang maß.

Du hast mir eine lange Blutungspause geschenkt, in der ich mich ganz auf das Nähren meines Babys konzentrieren durfte.

Zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft – ein Babybauchfoto

zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft

Und als ich mir ein zweites Kind wünschte…

… hast Du wieder sofort reagiert und mit einem freundlichen „Herzlich willkommen, nur hereinspaziert!“ dem neuen Leben zugewunken.

Jetzt durfte ich zum dritten Mal Deine außerordentliche Großzügigkeit erleben. Ich habe verstanden, dass Du ein ganz besonderes Lieblingsorgan in meinem Körper bist und ich Dich so sehr brauche. Ich schätze Dich. Wie freue ich mich doch mit diesem neuen Bewusstsein auf die Geburt, die Du in ein paar Tagen meistern wirst!

Du hast mehrere Goldmedaillen verdient.

Liebe Gebärmutter – ich danke Dir!

FAQ: Gebärmutter, Zyklus und Schwangerschaft

Was ist die Gebärmutter eigentlich?

Die Gebärmutter heißt in der Medizin auch Uterus und gehört zu den inneren weiblichen Geschlechtsorganen. Sie ist ein Hohlorgan, in dem sich nach einer Befruchtung eine Eizelle einnisten und während der Schwangerschaft weiterentwickeln kann. Ziemlich nüchtern beschrieben für ein Organ, dem ich oben mehrere Goldmedaillen verliehen habe.

Was macht die Gebärmutter während des Zyklus?

Im Laufe des Zyklus baut sich die Gebärmutterschleimhaut auf. Nistet sich keine befruchtete Eizelle ein, wird ihre oberste Schicht während der Menstruation abgestoßen. Dabei zieht sich die Muskulatur der Gebärmutter immer wieder zusammen. Manche Menschen spüren davon wenig, andere erleben Krämpfe und deutliche Schmerzen.

Wann sind Regelschmerzen ein Grund für eine ärztliche Abklärung?

Starke Regelschmerzen können den Alltag erheblich einschränken. Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder mit der Zeit stärker werden, rät das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen zur ärztlichen Abklärung. Hinter solchen Beschwerden kann zum Beispiel eine Endometriose stecken. Das bedeutet zugleich: Schmerzen verdienen Aufmerksamkeit. Niemand gewinnt eine Medaille dafür, sie tapfer wegzulächeln.

Was passiert mit der Gebärmutter nach der Geburt?

Nach der Geburt zieht sich die Gebärmutter wieder zusammen. Diese Rückbildung beginnt direkt nach der Geburt und gehört zu den körperlichen Veränderungen des Wochenbetts. Nachwehen können dabei durchaus kräftig spürbar sein. Falls ihr gerade selbst vor dieser besonderen Zeit steht, findet ihr bei uns auch 14 Tipps für ein entspanntes Wochenbett mit Geschwisterkindern.

Wie genau ist ein errechneter Geburtstermin?

Ein Geburtstermin lässt sich ziemlich ordentlich berechnen und trotzdem nicht auf den Tag vorhersagen. Das IQWiG beschreibt einen Zeitraum von zwei Wochen vor bis zwei Wochen nach dem errechneten Termin, in dem die meisten Kinder geboren werden. Wie die Berechnung funktioniert und wo ihre Grenzen liegen, erklären wir ausführlicher im Beitrag Geburtstermin berechnen.

Quellen zu den Sachinfos

CC BY-SA 4.0 Brief an meine Gebärmutter – Zum Abschied von einer Schwangerschaft von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.