Kind wird in die KiTa gebracht

Gedankenaustausch, positives Feedback, liebevolle Leserbriefe – für mich sind das die drei wichtigsten Gründe, zu bloggen. Manchmal sage ich zu Patrick, dass ich keine Lust mehr darauf hätte, weil die Schreiberei ein Zeitkiller ist.

Aber dann denke ich an all die Eltern, die gern bei uns lesen und uns um ihren Rat bitten. Und schon kehrt die Schreiblust sofort wieder zurück.

Deshalb gehe ich heute der Frage nach, was eine Eingewöhnung im Kindergarten einfacher machen könnte.

Die meisten Kinder, die ich als Erzieherin eingewöhnte, waren noch keine drei Jahre alt. Im Vergleich zu Vorschulkindern ist das nicht immer „ein Klacks“ gewesen.

Auch bei der Eingewöhnung hochsensibler Kinder war es sinnvoll, dass einige der Tipps von beiden Seiten – ErzieherInnen und Eltern – beachtet wurden.

In meinen Ausführungen stehen Mütter stellvertretend für die Bezugsperson des Kindes – also Väter, Omas, Opas, Tanten, usw. Die „Erzieherin“ kann genausogut ein Erzieher oder eine andere Person sein, der die Eltern ihr Kind anvertrauen. Und die Leiterin der Kita tritt im Namen aller möglichen Oberhäupter, Chefs und Vorsitzenden in Erscheinung.

Hier sind sie nun, meine Top Ten Tipps für eine entspannte und erfolgreiche Eingewöhnung:

1. Schweigen ist nicht Gold

Wenn das Kind sprechen kann, hat das einen entscheidenden Vorteil: Es kann seine Gefühle und Gedanken gegenüber dem Kita-Personal verbal äußern.

Es wird Dein Kind beruhigen, wenn es die Worte der ErzieherInnen versteht.

Wie wir Erwachsenen wollen Kinder sich auf das Gesagte verlassen können. Sagt die Erzieherin: „Deine Mama kommt nach dem Spielen wieder. Solange bin ich bei dir und passe gut auf dich auf!“, und lässt Worten Taten folgen, kann das Kind schneller Vertrauen fassen.

Unter Beachtung der Sprachentwicklung Deines Kindes lautet mein Rat: Zögere den Kindergartenbesuch so lange wie möglich hinaus.

Signalisiert Dein Kind seine Bedürfnisse ausschließlich nonverbal, sollte das für das Personal der Kindertageseinrichtung jedoch kein Problem darstellen. Es liegt im Geschick der Pädagogen, bei den Kleinsten mit Mimik und Gestik zu kommunizieren.

2. Einen Schonbezug für den Schonbezug oder: Eingewöhnung vor der Eingewöhnung

Um Dein Kind in seinem eigenen Tempo einzugewöhnen, kannst Du Vorarbeit leisten. Beispielsweise könntest Du:

  • regelmäßig am Kindergarten vorbeispazieren. Dafür bietet sich der Vormittag super an. Wenn mehrere Kindergruppen im Freigelände spielen, wird Dein Kind neugierig. Es bleibt stehen und beobachtet. Das Spiel anderer interessiert jedes Kind. Den ErzieherInnen kannst Du währenddessen unauffällig über die Schulter schauen. Ihr Verhalten wird Dir die Entscheidung für oder gegen jene Kita erleichtern.
  • vorbereitende Gespräche mit dem Kind führen. Als ich unsere Tochter auf den wöchentlichen Besuch des Kinderchors im Kindergarten vorbereitete, half es ihr, mit mir „Kindergarten“ zu spielen.
  • Freunde Deines Kindes begleiten. Vielleicht seid ihr mit Familien befreundet, deren Kinder bereits den Kindergarten besuchen. Wenn Du mit Deinem Spross beim Abholen dabei bist, hat sicher niemand etwas dagegen. So bekommt ihr die Möglichkeit, einen Einblick ins „Innenleben“ der Kita zu erhaschen.
  • Kennenlerngespräche immer gemeinsam mit Deinem Kind wahrnehmen. Selbst wenn Du meinst, dass Du für verschiedene Anliegen mehr Ruhe bräuchtest: Nimmst Du Dein Kind zum Termin mit der Kindergartenleitung oder der Erzieherin mit, bietet sich wieder eine Gelegenheit, Vertrauen zu schaffen. Ich legte Kennenlerntermine gern auf den Nachmittag. Im Gruppenraum wurden zu dem Zeitpunkt keine Kinder mehr betreut und das „neue“ Kind konnte sich ganz in Ruhe mit den Spielsachen vertraut machen. Dann gab es auch noch eine kleine Zugabe: „Das ist unser Badezimmer. Und hier hängt schon ein Handtuch für dich. Auf dieser Matratze schläft mittags mein Teddy, aber wenn du möchstest, macht der auch mal Platz für dich …“
  • um eine längere Eingewöhnungszeit bitten. Ratsam ist das vor allem, wenn Deinem Kind größere Kindergruppen nicht vertraut sind, es noch sehr jung oder hochsensibel ist.

3. Gemeinsam ist weniger einsam

Für gewöhnlich wird in eine bestehende Kindergruppe immer nur ein neues Kind aufgenommen, bis dessen Eingewöhnung einigermaßen „läuft“. Das heißt konkret, dass nicht mehr als ein neues Kind pro Woche eingewöhnt wird.

Das bedeutet nicht, dass die Kita nicht für alternative Wege offen wäre. Soll das Nachbarskind „euren“ Kindergarten ebenfalls bald besuchen? Vielen Kindern fällt es leichter, wenn sie einen neuen Lebensabschnitt zusammen mit einem Geschwisterchen oder einem Spielfreund meistern. Im Einvernehmen mit den Eltern des anderen Kindes kannst Du der Kita-Leitung vorschlagen, die Eingewöhnung zu „verdoppeln“.

Ähnliches gilt für die Auswahl der Gruppe, in die Dein Kind kommt. Bitte hierbei die Leiterin der Kindertagesstätte, dass Dein Kind zu seinem Spielfreund kommt. Hat es bereits Bekanntschaften mit anderen Kindern geschlossen, fühlt es sich in seinem „zweiten Zuhause“ rascher wohl.

4. Regelmäßigkeit schaffen

Auch wenn ich als Mama eine „Glucke“ bin, finde ich: Die Eingewöhnung sollte sich nicht über einen längeren Zeitraum als vier Monate ziehen.

Besucht ihr die Kita nur ab und zu, kann Dein Kind keine Regelmäßigkeit, keine Routine darin erkennen. Es könnte meinen, dass das jetzt immer so ist, dass es mit Mama nur hin und wieder – zum bloßen Zeitvertreib – in diese Spielgruppe geht.

Wenn es nach Monaten plötzlich ernst wird und das Kind dann täglich ohne seine Mama in die Kita soll, ist das Drama vorprogrammiert.

Kindergarten - Bedeutsame Wege - das letze Mal mit Mama

Bedeutsame Wege – das letze Mal mit Mama

Plane die Eingewöhnung am besten täglich ein. Ein junges Kind kann sonst nicht einschätzen, ob es zum Beispiel morgen wieder in die Kita gehen wird oder erst in ein paar Tagen. Für das Kind ist es verheerend, wenn die Routine erst einsetzt, wenn die Eingewöhnungszeit bereits „gelaufen“ ist.

5. Kindergarten ist nicht alles

Vielleicht hat Dein Kleines schon mehrere Eingewöhnungen erlebt, ohne dass Du es bemerkt hast? Bei uns waren es fließende Übergänge, bis die Kinder das erste Mal ohne ihre Mama bei der Oma, der Tante oder Freunden blieben.

Tränen und dicke Klöße im Hals gab es dabei nicht. Sicher gibt es neben eurer Lieblingserzieherin noch andere Menschen, denen Du Dein Kind gleichermaßen anvertrauen würdest.

Mit Hilfe von Großeltern, Freunden und Bekannten, zu denen Dein Kind bereits Vertrauen gefasst hat, kannst Du “kleine Eingewöhnungen” üben.

6. Den größten Fehler vermeiden

Die Zeit ist ein wichtiges Thema bei der Fremdbetreuung von Kindern in Kitas, was das Wiederkommen der Eltern anbelangt.

Ich versuchte, den Eltern immer wieder zu verdeutlichen, dass das Kind es nicht versteht, wenn sie zu ihm sagen, sie wären in soundsoviel Minuten oder Stunden wieder da. Erst Vorschulkinder entwickeln ein Zeitverständnis.

Ich erinnere mich daran, dass ich es als Kind kaum aushielt, auf den Nachmittag zu warten. Der war für mich immer noch ewig weit weg, als ich in den Kindergarten gebracht wurde.

Mein dringlichster Rat ist: Sprich mit Deinem Kind, bevor Du den Raum verlässt. Und sage ihm, dass du wiederkommst.

Ein Fehler wird in Kitas immer wieder gemacht: Man vereinbart mit der Erzieherin, dass man für 5, 10, 20 oder 30 Minuten den Raum verlässt. Dann schleichen sich die Eltern davon, sobald ihr Kind gerade beschäftigt ist – wohlmeinend, damit es das Kind nicht mitbekommt.

Es passiert aber Folgendes: Entweder kriegt es das Kind gar nicht mit, dass die Mama es verlassen hat – und erfährt so nicht mal ansatzweise, was das Getrenntsein bedeutet.

Oder das Kind erlebt einen ernsten Vertrauensbruch: „Meine Mami ist weg. Sie hat mich einfach so verlassen. Hier in der Fremde!“

Ähnlich wie beim Einschlafen im eigenen Zimmer weiß ein Kind nicht, ob und wann die Eltern wiederkommen. Sie können nicht wissen, dass ihre allerwichtigste Bezugsperson durch den Türschlitz lugt.

7. Zeichen der Freundschaft

Zeichen der Verbundenheit und Liebe - das Herz

Zeichen der Verbundenheit und Liebe

„Kleine, geheime Symbole“ können Dir und Deinem Kind helfen, die getrennte Zeit zu überstehen. Das kann zum Beispiel ein auf euren linken Handrücken gemaltes Herz sein. Ihr vereinbart, ähnlich wie bei dieser uralten Kinderschokoladen-Werbung: „Immer, wenn du auf das Herz schaust, denke ich an dich und schicke dir viel Kraft und Mut.“

8. Das „Zuhause“ mitbringen

Neben dem Lieblingsplüschtier kannst Du dem Personal auch Gewohnheiten mitteilen, die das Kind von Zuhause kennt.

Ich erinnere mich an einen kleinen Jungen, der sich das Mittagessen selbst auf seinem Teller anrichten durfte – wie daheim.

Dieses Entgegenkommen hat den Alltag des Jungen unglaublich bereichert. Sein Stolz vertrieb rasch das anfängliche Unbehagen und die Schüchternheit.

Wenn Du Dein Kind wählen lässt, welche Brotdose, welcher Rucksack, welche Hausschuhe usw. für den Kindergarten gekauft werden, kannst Du damit schon etwas auf den Kindergartenbesuch hinarbeiten. Vielleicht entwickelt Dein Kind dadurch eine regelrechte Vorfreude.

9. Spieglein, Spieglein

Ich erlebte eine Mutter, die nach der Verabschiedung für mehrere Minuten durch das Fenster guckte, um sicherzugehen, dass mit ihrem Sohn auch alles gut sei. Der kleine Junge spürte das und nährte sich aus den Gefühlen seiner Mutter. Er „spiegelte“ gewissermaßen seine Mama.

Wenn ihr eine ehrliche Erzieherin findet, die mit euch vereinbart, Dich wirklich zurückzupfeifen, wenn sie das Gefühl hat, dass Dein Kind leidet, dann nutze diese Chance! Weder Mutter und Kind noch die Erzieherin sollten sich verraten fühlen.

Gefühle übertragen sich auf Kinder. Was Du empfindest, bleibt Deinem Kind nicht verborgen. Steht die Mutter der Erzieherin eher kritisch oder negativ gegenüber, dann fällt es dem Kind schwerer, sie als Bezugsperson anzunehmen.

Beobachtet es hingegen, dass sich Mama und diese „unbekannte“ Frau gut verstehen, macht es das für das Kind wesentlich einfacher. Es kann sich auf die Erzieherin einlassen und Vertrauen zu ihr entwickeln.

Stell Dir zum besseren Vergleich zwei Situationen vor: Wie verhält sich Dein Kind, wenn ihr euch mit einer Freundin trefft? Verhält es sich bei Fremden, die es im Supermarkt tätscheln, genauso?

10. Locker bleiben

Und wenn alle guten Ratschläge scheitern: Das Leben geht weiter! Mitunter braucht es einfach noch ein bisschen Zeit, drei neue Anläufe, einen anderen Kindergarten oder eine Tagesmutti.

Manchmal mischt man die Karten neu, entscheidet sich gegen etwas und wiederum für etwas anderes – und am Ende wird doch immer alles gut. :-)

Ein kleiner Bonus

Johann Sperl: Kindergarten; um 1885

Johann Sperl: Kindergarten; um 1885 – Ein Kindergarten zum Wohlfühlen :-)

Das Bewertungsportal für Kindergärten, -krippen und Tageseltern MeinKiTa.de ist eine wertvolle Anlaufstelle, um die Meinungen anderer Eltern, Großeltern und ErzieherInnen zu den KiTas in Deiner Region zu lesen. Und wenn die KiTa Deines Kindes noch nicht eingetragen ist, kannst Du sie dort anlegen und bewerten und damit anderen Eltern und ihren Kindern bei der Entscheidung helfen. Denn egal ob selbst- oder fremdbetreut:

Wir alle wollen nur das Beste für unsere Kinder!

Alles Liebe für Dich und Dein Kind!
Evelin

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Über die Autorin
Evelin ist vegetarisch aufgewachsen und lebt seit 20 Jahren vegan. Sie hat als Erzieherin gearbeitet und schließlich studiert, um sich noch mehr für das Recht auf eine Kindheit in Würde, Frieden und ohne Manipulation durch Erziehung einzusetzen – nicht nur für die eigenen drei kindergarten- und schulfreien Kinder. Ihre Lieblingsthemen sind u.a. „Unerzogen“, „Attachment Parenting“, Hochsensibilität und Veganismus.

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