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Aktualisiert am: 11.08.2026

In einem Leserbrief werde ich um guten Rat gebeten. Doch der ist alles andere als einfach – vielleicht ist es meine bisher schwierigste Leseranfrage. Vielleicht habt ihr in den Kommentaren eigene Erfahrungen, die den jungen Eltern weiterhelfen.

„Liebe Evelin …“

ich bin verzweifelt und hoffe sehr auf deine Hilfe!

In eurem Blog habe ich gelesen, dass du anderen Mamis gute Schlaf-Tipps gegeben hast. Ich hoffe du findest die Zeit mir zu antworten. Allerdings ist mein Problem momentan ein anderes wie in eurem Blog.

Mein erstes Kind ist jetzt fast 14 Monate alt. Wir schlafen im Familienbett und ich stille unseren Sohn nach Bedarf. Beides mache ich sehr gerne. Allerdings haben wir uns angewohnt, ihn zum Einschlafen auf einem Hüpfball/ Gymnastikball zu hüpfen.

Das klappt wunderbar und ist mittlerweile eigentlich die einzige „Einschläferungsmethode“, die funktioniert. Meistens stille ich ihn noch währenddessen und singe oder wir hören Musik. Wenn mein Mann ihn ins Bett bringt, hüpft er auch mit ihm auf dem Ball. Was noch funktioniert ist im Stand zu wippen, aber das ist noch anstrengender als auf dem Ball zu hüpfen.

Das wäre so weit auch noch ok für mich, aber unser Sohn möchte seit mindestens 3 Monaten auch nachts auf dem Ball gehüpft werden – alle 2 bis 3 Stunden.

Nachts wird er unruhig. Er wirft sich hin und her, seine Arme und Beine schleudert er herum, dann stille ich ihn. Manchmal reicht das, aber so gut wie immer, will er danach auf dem Ball gehüpft werden. Das bedeutet für mich alle 2-3 Stunden: „Aufstehen!“ Manchmal nur 10 Minuten, manchmal aber auch 1 Stunde lang.

Ich kann und will das nicht mehr machen! Ständig bin ich erkältet und brauche ewig um gesund zu werden. Obwohl ich früher fast nie krank war. Ich brauche einfach mehr Schlaf. Außerdem hab ich langsam ganz schön Rückenschmerzen von diesem ewigen Gehüpfe.

Ich stille ihn sehr gerne alle 2-3 Stunden, aber das reicht ihm nicht. Irgendwann stößt er die Brust weg und krabbelt auf mich drauf, stößt sich mit den Beinen ab und fängt an zu weinen. Er wird immer unruhiger, bis er irgendwann aufwacht. Er will einfach unbedingt auf dem Ball gehüpft werden.

Von seiner Art her ist er sehr aktiv. Er wird auch tagsüber nicht ruhiger, wenn ich mich mit ihm ins Bett lege, ihn streichle oder singe, oder ruhig etwas erzähle, ihn umarme … er wird immer unruhiger und zappeliger, er braucht irgendwie Action um einschlafen zu können.

Ich hoffe wirklich sehr, du hast ein paar Tipps für mich.“

An die jungen Eltern

Euer Gymnastikballritual beschäftigt mich sehr. Leider weiß ich überhaupt nicht, ob ich einen helfenden Rat habe, der für euch praktikabel und umsetzbar ist.

Bevor ich euch mit meinen Ideen überschütte, möchte ich schreiben, was ich großartig finde. Nämlich, dass ihr familienbettet und nach Bedarf stillt, den Mut habt, Fragen zu stellen und nach friedlichen Lösungen sucht.

Julia Dibbern beschrieb in ihrem Buch Geborgene Babys eine Situation, in der sie ihren Sohn auch mit dem Gymnastikball zu beruhigen versuchte. Sie fanden irgendwie eine andere Lösung zur Beruhigung.

Man sieht nicht selten, wie Babys eben „geschuckelt“ werden: im Kinderwagen, in Babywippen, auf dem Schoß … Meiner Meinung nach vermittelt das jungen Eltern, dass Babys das bräuchten. Und deshalb probiert man dieses „Beruhigungsmittel“ selbst aus, und wenn es – wie bei so vielen Babys – funktioniert, bleibt man dabei.

Das Baby wippen – Macht doch jeder!

Beim Hausbesuch (oder auch „Babywillkommensbesuch“) fällt vielleicht nur kurz bei der Verabschiedung der Satz: „Schuckeln Sie das Baby vielleicht mal nicht so oft.“ Wenn Erklärung und Alternativen fehlen, steht man danach eher ratlos da.

In einem Forum erklärte ein Kinderarzt: „Es macht doch keinen Sinn, ein Baby, das wegen Problemen mit der Verarbeitung der vielen Reize aus der Umgebung schon unruhig ist, mit einem starken Bewegungsreiz auf Dauer beruhigen zu wollen. Und dabei sein von Haus aus gereiztes Nervenkostüm noch mehr reizen, auch wenn die Ablenkung erst mal wirkt.“ Zur Beruhigung schlägt er stattdessen einen abgedunkelten Schlafraum vor und bittet die Eltern, nur leise redend oder singend beim Baby zu bleiben.

Diese Antwort ist eine einzelne kinderärztliche Einschätzung aus einem Elternforum. Für mich ist daran vor allem der Gedanke interessant, beim Einschlafen auch Ruhe und weniger Reize auszuprobieren. Bei meinen drei Kindern passte das oft gut.

Die pädiatrische Schlafmedizin beschreibt außerdem sogenannte Einschlafassoziationen: Manche junge Kinder gewöhnen sich an bestimmte Reize oder Situationen zum Einschlafen und suchen sie nach nächtlichem Aufwachen erneut. In einer fachärztlichen Übersichtsarbeit werden unter anderem Schaukeln, Stillen und Wiegen als Beispiele genannt. Ein Gymnastikball wurde dort nicht eigens untersucht. Kang & Kim, 2021

Wenn ihr euch in dem Thema Reizoffenheit wiedererkennt, findet ihr dazu auch unseren Erfahrungsbeitrag Mein Leben mit einem hochsensiblen Baby.

Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen?

Auf dem Gymnastikball in den Schlaf gewippt
Auf dem Gymnastikball in den Schlaf gewippt 😉

Zugegeben: Das Hüpfen auf dem Gymnastikball wurde dem Kleinen angewöhnt. Ihr wolltet eurem Kind helfen. Das Beruhigen hat funktioniert und deshalb habt ihr es beibehalten – übrigens gibt es Eltern, denen es ähnlich geht. Einen Fehler sehe ich dabei nicht. Bisher war das eben eure Lösung für das „Einschläfern“. Wenn sie das jetzt nicht mehr ist, werden sich andere Wege auftun. 🙂

Kalter Entzug?

Ein abrupter Abschied vom Ball passt für mich nicht zu dem friedlichen Weg, den ihr sucht. Ihr könnt die körperliche Grenze der Mutter ernst nehmen und euren Sohn zugleich durch die Veränderung begleiten. Dasselbe gilt für das Stillen: Aus eurem Brief ergibt sich für mich kein Grund, beides auf einmal verändern zu wollen.

Die liebevollste alleinerziehende Mutter, die ich kenne, verriet mir:

„Ich bin immer ziemlich über meine Grenzen gegangen. Ich habe mich festgehalten an dem Wissen, dass es bald vorbei ist. Dass mein Kind vielleicht mehr leiden würde als ich. Ich weiß, dass sich die Zeiten ändern. Im Gegensatz zu den Kleinen.“

Leider (und zum anderen natürlich auch zum Glück) kann ich nicht aus Erfahrung sprechen, wie ihr das Gymnastikballproblem angehen könnt. Ich wünschte, dass meine Ideen weiterhelfen und keine neuen Abhängigkeiten schaffen.

Ihr schreibt, dass euer 14-Monate alter Sohn nachts gestillt wird, nachdem er unruhig wurde. Unser Sprössling im selben Alter wird nachts auch unruhig, weil er pinkeln muss. Deshalb halte ich ihn erst ab und stille ihn danach, wie unter anderem in diesem Artikel zu lesen ist.

Ich habe keine Erfahrung, ob Windelträger gleiche Symptome zeigen. Vielleicht hat euer Kind ein euch bisher verborgenes Bedürfnis. Kann das Kind erst „loslassen“, wenn es in eine bestimmte Bewegung kommt? Oder drückt etwas, ist ihm warm, kalt oder durstig? Das sind Fragen zum Beobachten, keine Diagnose aus der Ferne.

Mehr als nur hopsen

Tagsüber könnte der Gymnastikball noch eine andere Bedeutung bekommen. Vielleicht kullert er durch die Wohnung, fliegt gemeinsam aufs Bett, bekommt ein Gesicht oder einen Namen. Ihr kennt euer Kind und merkt vermutlich schnell, ob daraus überhaupt ein Spiel wird. Und ja: Auch das Anpupsen mit dem Mund darf weiterhin zum pädagogischen Repertoire gehören. 😉

Die Sprachentwicklung bekommt eine immer größere Bedeutung für euren Sohn. Vielleicht habt ihr auch Lust, mit eurem Gymnastikball zu sprechen. In ein paar Monaten erfindet euer Sohn eventuell einen Namen dafür. Ob „Mr. Pezzi“ eines Tages versteht, dass er nachts auch mal allein bleiben kann?

Unkonventionelles im Bett

Haltet ihr etwas von der Idee, euer Familienbett vorübergehend so zu gestalten, dass ihr nachts weniger aufstehen müsst?

Um Unfälle zu minimieren, schliefen wir vorübergehend auf Matratzen ohne Bettrahmen. Für euch könnte ein kleineres Zwischenziel interessant sein: Bewegung bleibt erst einmal dabei, verlagert sich aber möglichst ins Liegen oder Sitzen und kostet weniger Kraft.

Vielleicht fühlt sich leichtes Wippen mit einem Bein, rhythmisches Streicheln, Summen oder enger Körperkontakt für euren Sohn irgendwann ähnlich vertraut an. Das ist eine Idee zum Ausprobieren, keine belegte Methode für genau euer Gymnastikballproblem.

Bei meinem letzten Fitnesskurs versuchte ich, mich auf einem Gymnastikball an eine Wand zu lehnen. Mit den kleinsten Ballgrößen war mir das möglich. Vielleicht schenkt euch das Anlehnen an eine Wand in den kommenden Nächten einen Funken Kraft und Durchhaltevermögen.

Schon alles versucht?

Sicher habt ihr schon versucht, den Ball sanfter zu bewegen – mit oder ohne Musik.

Bestimmt habt ihr euch längst überlegt, wie ihr euer Bett in eine ähnliche Bewegung bringen könnt, um nachts nicht mehr aufstehen zu müssen. Hilft es, wenn der Papa im Bett so wackelt, dass es dem Söhnchen auch gefällt? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! 😉

Vielleicht lässt sich das Muster außerdem verkleinern: kürzer hüpfen, weniger stark wippen, früher ins Bett wechseln oder einen Teil der Bewegung durch Stimme und Körperkontakt ersetzen. Dafür kenne ich keine Studie, die genau diesen Übergang bei einem 14 Monate alten Kind auf dem Gymnastikball untersucht hat. Es sind mögliche Wege, an denen ihr beobachten könnt, was euer Sohn annimmt und was eure Körper entlastet.

Wenn ihr noch andere Ursachen rund ums Einschlafen sortieren möchtet, findet ihr hier unseren Beitrag Baby schläft nicht ein: Ursachen verstehen und sanfte Wege finden.

Andere Umgebung, anderes Verhalten

Irgendwann sagt ihr eventuell: „Wir sind jetzt mutig und wollen die Nacht einfach mal in einer neuen Umgebung verbringen.“ Bei den Großeltern übernachten, ein paar Nächte im Hotel verbringen – wieso nicht?

In meinem Umfeld habe ich solche Veränderungen schon erlebt: Eine meiner Nichten schlief zum Beispiel im neuen Haus fortan viel ruhiger, die Tochter einer Freundin schreit nicht mehr im neuen Bett, ältere Kinder schlafen plötzlich mit einem Schlaflicht von selbst wieder ein … Das sind Beobachtungen aus einzelnen Familien und kein Versprechen für eure Nacht.

Schlaf in Etappen: ein bisschen Luft für die Übergangszeit

Für die Übergangszeit darf ich einen alten Gedanken vorsichtiger formulieren: Zusätzlicher Schlaf am Tag kann kurzfristig helfen, wenn die Nacht zu kurz war. Lovato und Lack fassen Studien an Erwachsenen zusammen, in denen Nickerchen Müdigkeit verringerten und die kognitive Leistung zeitweise verbesserten. Lovato & Lack, 2010

Gleichzeitig zeigte die Laborstudie von Van Dongen und Kolleg:innen mit 48 gesunden Erwachsenen zwischen 21 und 38 Jahren: Wer 14 Nächte lang nur vier oder sechs Stunden Zeit im Bett hatte, baute über die Tage messbare Leistungseinbußen auf. Die Studie sagt nichts darüber, wie viel Schlaf diese Mutter persönlich braucht; sie zeigt aber, warum ein Nickerchen die vielen unterbrochenen Nächte nur begrenzt auffängt. Van Dongen et al., 2003

Wenn tagsüber irgendwo ein kurzes Nickerchen möglich wird, kann das also wertvoll sein. Vor allem klingt aus eurem Brief für mich aber sehr deutlich: Die Mutter braucht körperliche Entlastung. Rückenschmerzen und dauernde Erschöpfung sind genug Grund, die bisherige Lösung zu verändern.

Ich wünsche euch, dass ihr die Kraft findet, eurem Sohn weiterhin mit Liebe zu begegnen.

Beim Schreiben wippe ich übrigens längst mit. Ob ich mir das wieder abgewöhne? 😀
Gute Nächte und alles Liebe wünscht von Herzen

Evelin

FAQ: Baby schläft nur mit Hüpfball oder Gymnastikball ein

Ist es schlecht, wenn unser Baby nur mit Gymnastikball einschläft?

Der Ball kann eine sehr wirksame Einschlafhilfe sein. Entscheidend wird irgendwann, was dieses Ritual für eure Familie kostet. Wenn ein Elternteil nachts alle zwei bis drei Stunden aufstehen und teilweise bis zu einer Stunde hüpfen muss, ist die eigene körperliche Grenze längst Teil der Situation.

Warum will unser Kind nachts immer wieder auf den Ball?

Eine mögliche Erklärung sind Einschlafassoziationen. Die pädiatrische Schlafmedizin beschreibt damit Reize oder Situationen, die ein junges Kind mit Einschlafen verbindet und nach nächtlichem Erwachen erneut suchen kann. Schaukeln, Stillen und Wiegen gehören zu den beschriebenen Beispielen; zum Gymnastikball selbst habe ich keine passende Untersuchung gefunden. Kang & Kim, 2021

Wie können wir den Gymnastikball zum Einschlafen langsam abgewöhnen?

Für genau diesen Übergang kenne ich keine untersuchte Schrittfolge. Denkbar ist, die Bewegung nach und nach kleiner und körperlich leichter werden zu lassen: erst sanfter hüpfen, dann wippen, früher ins Bett wechseln und dort mehr über Stimme, Berührung oder Stillen begleiten. Ob euer Sohn einen solchen Weg annimmt, zeigt sich erst im Alltag. Nähe kann dabei erhalten bleiben, auch wenn sich die Einschlafhilfe verändert.

Sollten wir nachts weniger stillen, damit das Kind besser schläft?

Aus diesem Leserbrief lässt sich das nicht ableiten. Der Sohn nimmt die Brust an und sucht danach häufig zusätzlich die Bewegung. Deshalb wäre nächtliches Abstillen für mich hier keine naheliegende Antwort auf das eigentliche Kraftproblem.

Welche Alternativen zum Hüpfball könnten nachts Kraft sparen?

Als mögliche Zwischenlösungen kommen sanfteres Wippen, Bewegung im Sitzen oder Liegen, rhythmisches Streicheln, Summen und enger Körperkontakt infrage. Das sind Ideen, keine Garantie. Entscheidend wäre für mich, ob euer Sohn sich damit begleiten lässt und ob die Mutter dabei körperlich wirklich entlastet wird.

Wann kann fachliche Hilfe sinnvoll sein?

Die Mutter beschreibt bereits Rückenschmerzen und starke Erschöpfung. Mit diesen Beschwerden kann sie ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt ansprechen. Für den Schlaf des Kindes kann eine kinderärztliche Abklärung sinnvoll werden, wenn euch zusätzlich Dinge wie auffälliges Schnarchen, Atemprobleme, Schmerzen oder andere gesundheitliche Auffälligkeiten beschäftigen. Eine pädiatrische Übersichtsarbeit nennt bei der Schlafanamnese ausdrücklich nächtliches Erwachen, Schlafdauer und schlafbezogene Atmungsprobleme als Punkte, die Fachpersonen erfassen können. Kang & Kim, 2021

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Quellen

  • Kang EK, Kim SS (2021): Behavioral insomnia in infants and young children. Clinical and Experimental Pediatrics 64(3):111–116. doi:10.3345/cep.2020.00052. Tragende Stellen: Abstract; Abschnitt „Definition and subtypes of childhood insomnia“; Abschnitt „Evaluation“.
  • Lovato N, Lack L (2010): The effects of napping on cognitive functioning. Progress in Brain Research 185:155–166. doi:10.1016/B978-0-444-53702-7.00009-9. Tragende Stelle: Abstract.
  • Van Dongen HPA, Maislin G, Mullington JM, Dinges DF (2003): The Cumulative Cost of Additional Wakefulness: Dose-Response Effects on Neurobehavioral Functions and Sleep Physiology From Chronic Sleep Restriction and Total Sleep Deprivation. Sleep 26(2):117–126. doi:10.1093/sleep/26.2.117. Tragende Stellen: Abstract, insbesondere Design, Participants, Results und Conclusions.

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