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Worldschooling: Unschooling auf Reisen

Aktualisiert am 14. August 2026

Wenn ihr euren Kindern Unschooling ermöglichen wollt, gibt es mehrere Wege. Mit diesem Beitrag wollen wir euch Mut machen, wenn ihr erwägt, Deutschland zu verlassen und mit eurer Familie das Worldschooling auszuprobieren.

Falls ihr neu im Blog seid: Wir sind Evelin und Patrick, und wir reisen mit unseren Kindern quer durch Europa. Wir wünschen uns ein selbstbestimmtes Lernen für unsere Kinder. Deshalb reisen wir, um die Welt zu entdecken und die Aneignung von Wissen nicht auf einen Ort zu beschränken.

Worldschooling bedeutet dabei erst einmal: Kinder lernen unterwegs – aus Orten, Begegnungen und Situationen, die ihnen im Alltag begegnen. Reisen liefert einen Teil der Anlässe, aus denen Fragen und Interessen entstehen können. Wie eine Familie dieses Lernen begleitet, kann sehr unterschiedlich aussehen.

Wenn ihr euch ausführlicher für Unschooling, die Abgrenzung zu Homeschooling und selbstbestimmtes Lernen interessiert, findet ihr unsere Einordnung hier: Was ist Unschooling? Selbstbestimmtes Lernen verständlich erklärt.

Worldschooling: Video zum Blogpost

Dieser Blogpost entstand aus einem Film, den Karolis Spinkis von seimutig.tv von uns gedreht hat. Darin erzählen wir von unserem Weg zum Unschooling und Worldschooling. Bei seimutig.tv findet ihr außerdem weitere Inspirationen für „angstfreie und mutige Entscheidungen“.

Unser Video zum Thema Worldschooling und Unschooling auf Reisen könnt ihr euch hier anschauen:

Unser Weg zum Unschooling & Worldschooling

Der erste Impuls, unser Leben anders als die meisten Familien in Deutschland zu führen, kam schon in der Schwangerschaft. Wir haben uns überlegt, dass wir zur Geburt nicht ins Krankenhaus gehen, weil wir uns eine natürliche Geburt wünschen – und ein natürliches Aufwachsen für den Säugling.

Es hat dann irgendwie eines zum anderen geführt:

  • Dass wir unser Kind mit im Bett hatten, also dieses typische „Familienbett“ praktiziert haben.
  • Dass wir unser Kind lange gestillt haben.
  • Und wir unser Kind selbst entscheiden ließen, was es essen möchte.

Es hat sich alles auf einem natürlichen Weg entwickelt. Wir sahen, dass unser Vertrauen ins Kind nicht gebrochen wurde von dem,

  • was die Gesellschaft „vorgab“,
  • was die Werbung suggeriert und allem,
  • was die Generationen vor uns „eben so gemacht“ haben.

Wir haben gemerkt, dass es diese „typische Erziehung“ für uns nicht braucht. Dass man das Kind nicht „dirigieren muss“, damit es sich so oder so entwickelt.

Mit dem Vertrauen in das Kind ist so viel in uns gewachsen, dass wir gesagt haben: „Unser Kind braucht nicht in die Schule gehen“.

Es lernt von sich aus und ist so begeistert! Ein Kind kann viel schöner ohne Zwang leben. Und wir können „mitwachsen“ und uns daran erfreuen.

Wenn euch das Thema Vertrauen und Lernen interessiert, findet ihr inzwischen auch unser ausführliches Interview mit André Stern über Begeisterung, Grenzen und Vertrauen in Kinder.

Nur Mut!

Das alles hat unser Familienleben ein bisschen anders entwickeln lassen, als das bei den meisten Leuten so ist.

Wir haben tatsächlich erst überlegt, ob wir unser ältestes Kind, das damals schulpflichtig wurde, auf eine normale Schule schicken.

Allerdings hatten wir uns schon seit so vielen Jahren mit dem Unschooling beschäftigt, mit dem Lernen an sich, mit dem „natürlichen Lernen“ – wo man dem Kind nicht sagen braucht, was es „jetzt sofort“ in einer homogenen Gruppe „zu lernen hat“.

Deshalb sind wir überzeugt:

Zum Lernen braucht ein Kind keine Schulpflicht

Für uns spielt Begeisterung dabei eine große Rolle – und ebenso unsere Verantwortung als Eltern.

Bei unserer Großen haben wir beobachtet, dass es mit den Buchstaben schon relativ zeitig losging. Es war einfach das Interesse da. Natürlich schrieb sie damals nicht jedes Wort perfekt. Kinder entwickeln einzelne Fähigkeiten in unterschiedlichem Tempo. Was wir bei einem unserer Kinder beobachten, sagt dabei erst einmal etwas über dieses Kind und unsere Familie aus.

Beim Unschooling steht für uns die Begeisterung im Vordergrund. Wenn ein Kind sich für etwas interessiert, beschäftigt es sich aus eigenem Antrieb damit. Lernen und Spielen mussten deshalb in unserem Familienalltag keine zwei sauber getrennten Welten sein.

Alltag statt Urlaub

Es gibt noch immer Menschen, die denken, wir fahren „in den Urlaub“. Doch die ganze Sache ums Unschooling und Herumreisen ist auch mit einem gewissen Aufwand verbunden.

Unser Alltag unterwegs fühlt sich selten wie ein durchgehendes Bildungsprogramm an. Da gibt es Einkauf, Kochen, Wäsche, Müdigkeit, Streit um Kleinigkeiten und manchmal ein krankes Kind in einer fremden Stadt. Und dazwischen passiert etwas, das wir am Worldschooling mögen: Ein Ort wirft plötzlich eine Frage auf, die vorher niemand geplant hat.

Ein Fahrplan muss gelesen werden. Preise werden verglichen. Ein Gespräch entsteht, obwohl uns Wörter fehlen. Eine Landschaft macht neugierig auf Geologie. In einer Stadt taucht eine historische Frage auf. Manchmal ist ein Museum spannend. Manchmal wollen die Kinder lieber auf den Spielplatz.

Für uns hat sich dabei das Reisetempo als ziemlich wichtig erwiesen. Wenn wir länger an einem Ort sind, entsteht eher Alltag. Wir kennen irgendwann den Weg zum Laden, begegnen denselben Menschen wieder und müssen unsere Sachen seltener zusammenpacken. Gerade mit Kindern macht das für uns einen großen Unterschied.

Wie wir Lernen unterwegs begleiten

Manchmal begleiten wir eher indirekt: Wir hören zu, recherchieren gemeinsam, besorgen ein Buch oder Material und helfen dort, wo ein Kind Unterstützung möchte. Manchmal erklären oder zeigen wir etwas ganz direkt.

Familien verbinden mit Worldschooling unterschiedliche Formen des Lernens. Manche folgen auch unterwegs einem Curriculum oder bearbeiten einzelne Fächer strukturiert. Andere verbinden Worldschooling mit Unschooling und orientieren sich weitgehend an den Interessen ihrer Kinder.

Für uns zählt vor allem, was gerade bei diesem jungen Menschen passiert: Was interessiert ihn? Welche Frage beschäftigt ihn? Möchte er Hilfe? Braucht er Ruhe? Ein Familienalltag unterwegs bringt reichlich Lerngelegenheiten mit sich. Er bringt genauso Müdigkeit, Überforderung und den Wunsch mit, einfach mal nichts Neues sehen zu müssen.

Was sagt die Forschung zu Worldschooling?

Wenn man nach Worldschooling sucht, findet man schnell große Versprechen über Lernen, Freiheit und die Entwicklung von Kindern. Wir wollten deshalb wissen, was die Forschung dazu tatsächlich hergibt.

Die direkte Forschung zu Worldschooling ist bisher überschaubar. Die vorhandenen Arbeiten helfen vor allem dabei, die Lebensform, Motive von Familien und bestimmte Worldschooling-Angebote besser zu verstehen. Für langfristige Aussagen über Lernen und Entwicklung reichen sie bisher kaum aus.

Worldschooling als Lebensform

Die Soziologin Jennie Germann Molz beschäftigt sich in The World Is Our Classroom ausführlich mit Worldschooling-Familien. Sie untersucht unter anderem ihre Motive und die Spannungen zwischen dem Wunsch nach Freiheit, der Verantwortung der Eltern und dem ganz normalen Familienalltag unterwegs.

Das liefert viel Kontext für eine Lebensform, die wissenschaftlich bisher wenig untersucht wurde. Einen Vergleich, aus dem sich eine bestimmte Wirkung von Worldschooling auf Kinder ableiten ließe, bietet diese Arbeit aufgrund ihres Forschungsansatzes nicht. Quelle: Molz, The World Is Our Classroom (NYU Press), DOI: 10.18574/nyu/9781479891689.001.0001.

Gina Riley untersuchte 2017 fünf Retreats von „Project World School“. Teilnehmende beantworteten vor und nach diesen Treffen Fragebögen. Damit gibt die Studie einen Einblick in eine ganz bestimmte Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener, die sich freiwillig für dieses Angebot entschieden hatte. Diese Auswahl begrenzt die Aussagekraft für Worldschooling insgesamt. DOI: 10.5296/ije.v9i1.10798.

Roadschooling als verwandter Begriff

Als Nachbarbegriff taucht in der Forschung auch „Roadschooling“ auf. Sandra Sotomayor analysierte dafür Webseiten, auf denen Familien und Angebote diese Form des Lernens beschrieben. Die Untersuchung zeigt also vor allem, wie Roadschooling online dargestellt wird und wer in diesem Material sichtbar wird. Lern- oder Entwicklungsverläufe waren dabei nicht Gegenstand der Untersuchung. DOI: 10.1177/14673584221094433.

Was Homeschooling-Forschung beitragen kann

Für einige Fragen kann die breitere Homeschooling-Forschung Hinweise geben. Die Lebensbedingungen unterscheiden sich allerdings deutlich: Eine Familie, die dauerhaft an einem Ort lebt und zu Hause lernt, hat andere Voraussetzungen als eine Familie, die regelmäßig weiterreist.

Daniel Hamlin und Albert Cheng untersuchten 2022 soziale Erfahrungen ehemals homeschoolender Erwachsener in den USA. Bei den von ihnen betrachteten späteren Lebensmerkmalen fanden sie in ihrer Stichprobe insgesamt keine deutlichen Nachteile für länger homeschoolte Personen. Auswahl der Teilnehmenden, Studiendesign und das US-amerikanische Umfeld begrenzen die Übertragbarkeit auf andere Familien und erst recht auf Worldschooling. DOI: 10.1080/15582159.2022.2028338.

Hamlin untersuchte 2019 außerdem Daten homeschoolender Familien in den USA. Diese Familien berichteten im Durchschnitt nicht weniger kulturelle Aktivitäten als Vergleichsgruppen. Auch hier hängen die Unterschiede zwischen Familien von vielen Faktoren ab, und die Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf einen bestimmten Reisestil übertragen. DOI: 10.1080/0161956X.2019.1617582.

Ein anderer Befund aus der Homeschooling-Forschung ist ebenfalls interessant. Martin-Chang, Gould & Meuse unterschieden 2011 in ihrer Stichprobe zwischen strukturiertem und unstrukturiertem Homeschooling. Die Kinder aus der unstrukturierten Gruppe schnitten bei den eingesetzten standardisierten Tests im Mittel schwächer ab. Die Tests erfassten bestimmte schulische Kompetenzen innerhalb dieser Stichprobe. Worldschooling wurde in dieser Untersuchung nicht untersucht. Quelle: Martin-Chang et al. (2011).

Warum die Forschung hier so schwierig ist

Familien entscheiden sich selbst für Unschooling oder Worldschooling. Sie bringen unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten, Bildungsbiografien, Überzeugungen, Arbeitsmodelle und familiäre Voraussetzungen mit. Forschende können deshalb nur schwer auseinanderhalten, welcher Unterschied mit der Bildungsform zusammenhängt und welcher schon vorher zwischen den Familien bestand.

Dazu kommt beim Worldschooling die Mobilität. Manche Familien wechseln alle paar Tage den Ort, andere bleiben Monate oder kehren regelmäßig an dieselben Plätze zurück. Für Forschung sind das ziemlich unterschiedliche Lebensbedingungen.

Und schließlich messen standardisierte Tests nur einen Teil dessen, was Familien beim Worldschooling wichtig sein kann. Schulische Kompetenzen lassen sich damit vergleichsweise gut erfassen. Selbstständigkeit im Alltag, der Umgang mit unbekannten Situationen oder Beziehungen unterwegs verlangen andere Forschungsfragen und Messmethoden.

Für uns heißt das: Wir können unsere Erfahrungen erzählen und Forschung danebenlegen. Daraus wird kein wissenschaftlicher Beweis für unsere Lebensweise. Es hilft uns aber, genauer hinzuschauen und große Versprechen auch dann groß sein zu lassen, wenn wir sie gern glauben würden.

Freundschaften unterwegs

Eine der häufigsten Fragen zum Unschooling und Worldschooling betrifft Freund:innen.

Unsere Erfahrung ist zweigeteilt. Unterwegs entstehen manchmal erstaunlich schnell Kontakte. Gleichzeitig endet ein Aufenthalt irgendwann, und dann liegt zwischen zwei Kindern plötzlich wieder ein Land oder mehrere hundert Kilometer.

Wie sich das für einen jungen Menschen anfühlt, können Eltern von außen nur begrenzt beurteilen. Alter, Persönlichkeit, vorhandene Freundschaften und Reisestil machen einen Unterschied. Deshalb finden wir es wichtiger, auf das einzelne Kind zu schauen als die Frage mit einem allgemeinen Satz über die Sozialkontakte von Worldschooler:innen abzuhaken.

Längere Aufenthalte, wiederkehrende Orte, Kurse, Vereine und Treffen mit anderen Familien können mehr Kontinuität ermöglichen. Ob ein Kind genau das möchte, gehört für uns ebenso zu dieser Frage.

Im Flow gegen den Strom

Es wird Menschen geben, die überzeugt sind, dass Lernen am besten in einer Schule funktioniert. Andere Familien erleben Schule als passenden Ort für ihre Kinder. Wir haben für unsere Familie einen anderen Weg gewählt.

Wenn das eigene Bauchgefühl sagt, dass Unschooling zur Familie und vor allem zu den eigenen Kindern passen könnte, tauchen trotzdem viele Fragen auf. Dazu kommen manchmal Kritik, Sorgen aus dem Umfeld oder das Gefühl, sich ständig erklären zu müssen.

Wir kennen das. Uns hat geholfen, immer wieder auf unsere Kinder und unseren gemeinsamen Alltag zu schauen. Wie geht es ihnen mit diesem Leben? Was wünschen sie sich? Wo funktioniert etwas für uns – und wo eben gerade nicht?

Verwaltungsaufwand

Beim Unschooling und Worldschooling beschäftigen uns neben Lernmaterialien, Büchern, Museumsbesuchen und Ausflügen auch ziemlich profane Dinge: Wohnsitz, Versicherungen, Fahrzeugzulassung und Behördenpost.

Es war unser Ausgangspunkt, mit Behörden offen zusammenzuarbeiten und mit offenen Karten zu spielen. Das ist unsere persönliche Erfahrung. Wie eine Behörde in einem anderen Bundesland oder in einer anderen Situation reagiert, kann anders aussehen.

Wenn ihr Deutschland für längere Zeit verlasst, findet ihr unsere Erfahrungen zur Wohnsitzabmeldung in einem eigenen Beitrag.

Wenn ihr ohne festen Wohnsitz mit einem Auto unterwegs seid, wird auch die Frage nach Autoversicherung und Zulassung ohne Wohnsitz schnell sehr praktisch.

Schulpflicht in Deutschland

Deutschland hat eine allgemeine Schulpflicht, deren genaue Ausgestaltung die Bundesländer regeln. In der Regel ist sie als Schulbesuchspflicht ausgestaltet. Für Familien, die Deutschland verlassen oder ihren Wohnsitz verändern, kommt es auf das jeweilige Landesrecht und den konkreten Sachverhalt an.

Eine offizielle Übersicht bietet die Kultusministerkonferenz zur Schulpflicht.

Eine ausführlichere Einordnung findet ihr in unserem Beitrag Was ist Unschooling? Selbstbestimmtes Lernen verständlich erklärt. Dieser Beitrag beschreibt unsere Erfahrungen und ist keine Rechtsberatung.

Und was ist, wenn später ein Schulabschluss wichtig wird?

Diese Frage hat uns schon früh beschäftigt: Was passiert, wenn eines unserer Kinder später studieren oder für eine Ausbildung einen bestimmten Schulabschluss erwerben möchte?

Für verschiedene Schulabschlüsse gibt es in Deutschland Wege über Nichtschüler- oder Externenprüfungen. Die Voraussetzungen und Verfahren hängen vom angestrebten Abschluss und vom jeweiligen Bundesland ab.

Damit kann ein Schulabschluss später gezielt zum eigenen Ziel werden. Wie gut dieser Weg zu einem jungen Menschen passt und welche Vorbereitung er dafür braucht, lässt sich Jahre vorher kaum für ihn entscheiden. Wenn dieses Ziel irgendwann seines wird, können wir gemeinsam schauen, was es dafür braucht.

Unschooling auf Reisen: Worldschooling

Ich glaube, die Erfahrungen, die wir beim Worldschooling sammeln, werden uns langfristig prägen; und auch die Kinder. Das ist etwas, worüber wir uns sehr freuen.

Wir hoffen natürlich, viel von der Welt zu sehen – von den Ländern, die wir bereisen: kleine Ortschaften, große Städte und neue Freundschaften. In andere Kulturen eintauchen – so dass man merkt:

Es gibt Menschen, die leben anders als in Deutschland.

Hier gibt es Menschen, die ernähren sich anders.

Dort leben andere Tiere.

Und da gibt es so viel zu entdecken und zu lernen.

Das macht das Worldschooling so schön und interessant – auch für uns als Eltern und Erwachsene, weil wir nun so viel nachholen können, was wir vielleicht vorher verpasst haben.

FAQ: Häufige Fragen zu Worldschooling

Was bedeutet Worldschooling?

Worldschooling beschreibt Lernen im Zusammenhang mit Reisen und wechselnden Lebensorten. Orte, Menschen, Sprachen, Kultur, Natur und der normale Alltag unterwegs können Lernanlässe liefern. Wie stark eine Familie dieses Lernen strukturiert, ist sehr unterschiedlich.

Ist Worldschooling dasselbe wie Unschooling?

Die beiden Begriffe beschreiben verschiedene Ebenen. Worldschooling bezieht sich vor allem auf den Lernkontext unterwegs. Unschooling beschreibt eine Form selbstbestimmten Lernens, bei der die Interessen der jungen Menschen eine zentrale Rolle spielen und der Alltag keinem schulähnlichen Lehrplan folgt. Ausführlicher erklären wir das in Was ist Unschooling?.

Wie „unterrichtet“ ihr eure Kinder unterwegs?

Unterricht im klassischen Sinn gehört bei uns selten zum Alltag. Wir begleiten, erklären, suchen gemeinsam nach Informationen und besorgen Material, wenn daraus gerade etwas entsteht. Vieles beginnt mit einer Frage oder einem Interesse der Kinder.

Braucht man viele Lernmaterialien?

Wir kommen mit vergleichsweise wenig Material aus. Bücher, Papier, Stifte und digitale Möglichkeiten reisen leichter als ein halbes Klassenzimmer. Vieles, womit sich unsere Kinder beschäftigen, ergibt sich ohnehin aus dem Ort und dem Alltag.

Was ist mit Freund:innen?

Kontakte können unterwegs schnell entstehen und durch den nächsten Ortswechsel ebenso schnell wieder auf Distanz geraten. Längere Aufenthalte und wiederkehrende Orte können mehr Kontinuität schaffen. Entscheidend ist für uns, wie unsere Kinder ihre Beziehungen selbst erleben und was sie sich wünschen.

Wie viel Struktur braucht Worldschooling?

Das lässt sich für Familien kaum allgemein beantworten. Bei uns entsteht Struktur eher durch den Alltag: Schlafen, Essen, Arbeiten, gemeinsame Unternehmungen, freie Zeit und Phasen, in denen jede:r etwas für sich macht. Häufige Ortswechsel können diesen Rhythmus ziemlich durcheinanderbringen.

Welche Schwierigkeiten kann Worldschooling mit sich bringen?

Reisen kostet Kraft. Abschiede, wechselnde Unterkünfte, fehlende Rückzugsorte, finanzielle Unsicherheit, Behördenfragen und die Organisation von Arbeit und Familienalltag können anstrengend werden. Auch Freundschaften brauchen unter diesen Bedingungen Aufmerksamkeit. Für uns gehört deshalb die Frage zum Worldschooling, wie es allen Familienmitgliedern mit dem gewählten Reisetempo tatsächlich geht.

Was sagt die Forschung über Worldschooling?

Direkte Forschung gibt es bisher in begrenztem Umfang. Die vorhandenen Arbeiten beschreiben vor allem Familien, Motive und einzelne Worldschooling-Angebote. Homeschooling-Studien können einige Nachbarfragen beleuchten. Andere Auswahl-, Bildungs- und Lebensbedingungen begrenzen jedoch die Übertragbarkeit.

Wie ist die Schulpflicht in Deutschland geregelt?

Die Bundesländer regeln die Schulpflicht in ihren Schulgesetzen. Für Familien, die im Ausland leben oder ihren Wohnsitz verändern, kommt es auf das jeweilige Landesrecht und den konkreten Sachverhalt an. Die Kultusministerkonferenz bietet einen Einstieg in die Regelungen. Bei einem konkreten Rechtsfall kann eine fachkundige rechtliche Beratung die eigene Situation klären.

Kann man nach Unschooling später einen Schulabschluss machen?

Für verschiedene Schulabschlüsse gibt es Nichtschüler- beziehungsweise Externenprüfungen. Voraussetzungen und Verfahren unterscheiden sich nach Abschluss und Bundesland. Ein junger Mensch kann sich damit später gezielt auf einen Abschluss vorbereiten, wenn dieser für seinen eigenen weiteren Weg wichtig wird.

Zum Schluss

Worldschooling klingt von außen schnell nach großer Freiheit und Weltreise. Unser tatsächlicher Alltag besteht aus sehr viel gewöhnlicheren Dingen: Essen, Wäsche, Arbeit, Schlaf, Fahrten, Gesprächen, neuen Orten und der Frage, wann es für alle genug ist.

Gerade darin liegt für uns ein großer Teil des Lernens. Unsere Kinder erleben die Welt nicht als Unterrichtsmaterial. Sie leben in ihr.

Und wir lernen mit.

Über eure eigenen Erfahrungen, Fragen und Gedanken in den Kommentaren freuen wir uns.

Alles Liebe und bis bald
Patrick

CC BY-SA 4.0 Worldschooling mit Kindern: Lernen auf Reisen, Alltag und Stolpersteine von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.