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Letztes Update: 15.08.2026 Hinweis: Dieser Text ist ein Pro-Bitcoin-Essay. Er ist keine Anlageberatung. Bitcoin ist volatil; ein Totalverlust ist möglich. Kurzfazit: Ist Bitcoin schlecht für die Umwelt? Bitcoin-Mining verbraucht viel Strom. Der Cambridge Centre for Alternative Finance schätzte den jährlichen Verbrauch im Cambridge Digital Mining Industry Report 2025 auf 138 TWh, rund 0,54 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Wie stark Klima und Umwelt belastet werden, hängt unter anderem vom Strommix, vom Standort, vom Verhalten bei Netzengpässen und von der Lebensdauer der Mining-Hardware ab. Für mich ist Bitcoin deshalb unter bestimmten Bedingungen mit Nachhaltigkeit vereinbar. Gerade seine flexible Stromnachfrage kann in passenden Stromsystemen nützlich sein. Fossil betriebenes Mining kann dagegen zusätzliche Emissionen verursachen.

Als Befürworter von Bitcoin hat man es schwer. Denn viele Darstellungen reduzieren die Debatte auf ein einziges Wort: Stromverbrauch. Das Mining verschwende Unmengen Energie, heißt es dann. Und überhaupt: Der Bitcoin hätte gar keinen richtigen Nutzen. Es gehe nur um Gier und Geld. Da solche Aussagen schnell weitergetragen werden, kommt es vor, dass Menschen wie ich, die vom Bitcoin fasziniert und überzeugt sind, als Umweltsünder dargestellt werden. Wie könne man nur vegan leben, von Nachhaltigkeit, Natur- und Umweltschutz sprechen, wo der Bitcoin doch so schlimm für die Zukunft der Menschheit sei? Natürlich beschäftigen mich dererlei Vorwürfe. Gleichwohl scheine ich mit meiner Haltung zum Bitcoin irgendwie in einer Parallelwelt zu leben. Denn ich sehe in Bitcoin, anderen Kryptowährungen und der Blockchain Werkzeuge, die manche Probleme der Menschheit zumindest entschärfen könnten. Warum also halte ich Bitcoin trotz der offenen Umweltfragen für sinnvoll – und warum passt er für mich zu Nachhaltigkeit und veganem Leben? Hier sind meine sieben Gründe – mit den Grenzen, die für mich genauso dazugehören.

1. Der Bitcoin ist vegan

Bei Banknoten ist die Lage weniger pauschal, als es oft heißt. Die Bank of England schreibt aktuell, dass bei ihren Polymerbanknoten in einem frühen Produktionsschritt eine winzige Menge Talg eingesetzt wird: weniger als ein Teil pro Tausend im Polymer-Ausgangsmaterial. Die Bank nennt in ihrer FAQ weder die Tierart noch die Herkunft dieses Fetts. Mehr lässt sich aus dieser Quelle über die betroffenen Tiere und die Lieferkette belastbar kaum ableiten. Bank of England: Banknote FAQs Bitcoin selbst braucht keine Banknoten. Für mich als Veganer und Antispeziesisten ist das ein kleiner, aber echter Vorteil eines digitalen Geldsystems.

5-Pfund-Banknote: Polymerbanknoten der Bank of England enthalten Spuren eines tierischen Ausgangsstoffs

Die 5-Pfund-Banknote der Bank of England gehört zu den Polymerbanknoten, bei deren Herstellung Spuren von Talg eingesetzt werden. (Foto: Philip Veater/Unsplash)

2. Bitcoin-Mining kann erneuerbare Energien und flexible Stromnetze unterstützen

Beim Thema Bitcoin und Umwelt steckt der schwierigste Teil für mich im Stromverbrauch. Der Cambridge Digital Mining Industry Report 2025 schätzt den jährlichen Stromverbrauch des Bitcoin-Minings auf 138 TWh, rund 0,54 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Die Forschenden stützen sich auf Angaben von 49 Mining-Unternehmen mit Aktivitäten in 23 Ländern; zusammen standen sie zum Erhebungszeitpunkt für 48 Prozent der weltweiten Hashrate. Damit beruht die Schätzung auf ungewöhnlich vielen direkten Unternehmensdaten, bildet das weltweite Mining aber nur teilweise ab. Die befragten Mining-Unternehmen meldeten 52,4 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen und Kernenergie zusammen; 42,6 Prozent entfielen auf erneuerbare Energien und 9,8 Prozent auf Kernenergie. Cambridge weist zugleich darauf hin, dass US-Unternehmen in der Stichprobe wahrscheinlich überrepräsentiert sind. Auch die Emissionsschätzung hängt stark von der Methode ab: Der Bericht nennt 39,8 Mt CO₂e auf Basis der Befragungsdaten und 69,6 Mt CO₂e mit einem IP-basierten Modell. Eine einzelne „grüne Bitcoin-Prozentzahl“ würde diese Unsicherheit verdecken. Spannend finde ich eine andere Eigenschaft des Minings: Rechenzentren lassen sich vergleichsweise schnell drosseln oder abschalten. Die von Cambridge befragten Unternehmen meldeten für 2023 insgesamt 888 GWh abgeregelte Last. Das zeigt, dass Mining technisch als flexible Last eingesetzt werden kann. Ob daraus ein Vorteil für die Energiewende entsteht, entscheidet der Einsatz. Eine Modellstudie zum texanischen Strommarkt aus dem Jahr 2023 kommt zu einem gemischten Ergebnis: Bitcoin-Mining kann zusätzliche erneuerbare Erzeugung wirtschaftlich machen und zugleich die CO₂-Emissionen erhöhen. Wenn Mining-Unternehmen Demand Response leisten, also ihre Last an die Lage im Netz anpassen, fällt der Emissionseffekt im Modell deutlich kleiner aus. Meine Pro-Bitcoin-These ist deshalb eng: Mining kann dort nützlich sein, wo wirklich überschüssige oder sonst abgeregelte Energie zur Verfügung steht und Verträge oder Preise bei Netzstress eine Drosselung auslösen. Transparente Daten über Stromquellen und Lastverhalten gehören für mich dazu.

3. Bitcoin braucht keine Banknoten und Münzen – Mining braucht Hardware

Bitcoin braucht keine Bäume zum Druck von Geld, keine (Edel-)Metalle für Münzen und für die Herstellung von Chipkarten kein Erdöl. Damit endet die Ressourcenrechnung allerdings noch lange nicht. Mining braucht spezialisierte ASIC-Hardware, Kühlung und weitere Infrastruktur. Wie viel Elektroschrott dadurch entsteht, ist erstaunlich unsicher. Alex de Vries und Christian Stoll schätzten 2021 mit einem Modell 30,7 Kilotonnen pro Jahr. Der Cambridge-Bericht von 2025 kommt für 2024 auf rund 2,3 Kilotonnen und berichtet zugleich, dass die befragten Miner 86,9 Prozent ausgemusterter Geräte weiterverkaufen, anderweitig nutzen oder recyceln. Beide Werte stammen aus unterschiedlichen Jahren und Methoden; eine direkte Gegenüberstellung würde mehr Genauigkeit vortäuschen, als die Daten hergeben. Für meine Bewertung zählt deshalb die Lebensdauer der Hardware mit. Ein digitales Geldsystem spart an einer Stelle Material und kann an einer anderen neues verbrauchen.

4. Bitcoin kann offengelegte Geldflüsse nachvollziehbarer machen

Der Bitcoin ist höchst transparent. Bestätigte Zahlungen sind pseudonym in der Blockchain öffentlich einsehbar. Wenn Staaten, Unternehmen, Parteien, Stiftungen oder NGOs ihre relevanten Bitcoin-Adressen offenlegen, können Bürger:innen die dort sichtbaren Geldflüsse nachvollziehen. Diese Transparenz reicht so weit wie die Zuordnung der Adressen. Zahlungen außerhalb der Blockchain und unbekannte Adressen erscheinen dort ohne benannten Akteur. Lobbyismus verschwindet dadurch also keineswegs. Für mich liegt der interessante Punkt enger: Freiwillige oder vorgeschriebene Offenlegung kann öffentliche Geldflüsse leichter prüfbar machen. Bei Privatpersonen dreht sich mein Maßstab um. Dort halte ich finanzielle Privatsphäre für wichtig. Mehr Nachprüfbarkeit nach oben und möglichst wenig unnötige Nachverfolgung nach unten passen für mich gut zusammen.

5. Bitcoin ist pseudonym; Lightning verlagert viele Zahlungen aus der öffentlichen Blockchain

Auf der Bitcoin-Blockchain sind bestätigte Transaktionen öffentlich. Adressen sind pseudonym. Sobald sich eine Adresse einer Person zuordnen lässt, können frühere und spätere Bewegungen leichter zusammengeführt werden. Auch die Bitcoin-Entwicklerdokumentation erläutert deshalb die Privatsphäre-Risiken wiederverwendeter Adressen. Lightning verändert diesen Alltag. Zwei Parteien können einen Zahlungskanal über eine On-chain-Transaktion finanzieren und innerhalb des Kanals viele Zustandsänderungen austauschen. Eine einzelne Lightning-Zahlung erzeugt gewöhnlich keine eigene neue Transaktion in der Bitcoin-Blockchain. Kanalöffnung und ein späterer Abschluss oder eine erzwungene Abwicklung greifen dagegen auf On-chain-Transaktionen zurück. Die Lightning-Spezifikation beschreibt diesen Ablauf im Peer-Protokoll. Das senkt die öffentliche Datenspur einzelner Zahlungen. Bargeld und Lightning haben trotzdem unterschiedliche Privatsphäre-Eigenschaften. Kappos und Kolleg:innen zeigten 2021 anhand öffentlich verfügbarer Netzwerkinformationen mehrere Angriffe auf die Privatsphäre im Lightning Network, mit denen sich unter bestimmten Bedingungen unter anderem Guthaben oder Sender und Empfänger ableiten lassen. Aus Energiesicht ist mir eine Präzisierung wichtig: Für eine einzelne Lightning-Zahlung wird kein zusätzlicher Proof-of-Work-Rechenschritt ausgelöst. Miner produzieren Bitcoin-Blöcke ohnehin fortlaufend; On-chain-Transaktionen konkurrieren um den begrenzten Platz in diesen Blöcken. Lightning verlagert viele einzelne Zahlungen aus dieser öffentlichen Basisschicht, während das Bitcoin-Netzwerk und seine Mining-Infrastruktur weiterlaufen. Wenn euch die praktische Seite interessiert, findet ihr in unserem Beitrag Bitcoin Lightning im Blog: Spendenoption und Praxis mehr dazu.

6. Durch Bitcoin könnten mehr Menschen Zugang zur Weltwirtschaft bekommen

Der Zugang zu Finanzdienstleistungen ist weltweit deutlich größer geworden. Laut Global Findex 2025 der Weltbank besaßen 2024 rund 79 Prozent der Erwachsenen weltweit ein Finanzkonto. 1,3 Milliarden Erwachsene hatten weiterhin keines. Rund 900 Millionen dieser Menschen besaßen ein Mobiltelefon, darunter etwa 530 Millionen ein Smartphone. Das zeigt zunächst, dass für viele Menschen ein Teil der technischen Voraussetzung für digitale Finanzdienste vorhanden ist. Ob Bitcoin ihnen tatsächlich besseren Zugang verschafft, hängt von deutlich mehr ab: Internetzugang, verständlicher Software, tragbaren Gebühren, Wechselmöglichkeiten, sicherer Verwahrung und dem jeweiligen rechtlichen Umfeld. Dazu kommt die Volatilität. Wer kaum finanziellen Puffer hat, spürt Kursschwankungen besonders stark. Ich sehe Bitcoin hier deshalb als zusätzliche Möglichkeit für grenzüberschreitende Zahlungen innerhalb einer größeren Infrastrukturfrage.

Mobiltelefone sind weltweit weiter verbreitet als Finanzkonten

Mobiltelefone sind weltweit weiter verbreitet als Finanzkonten. (Foto: Danique Photography/Unsplash)

7. Der Bitcoin ist ungeheuer praktisch.

Habt ihr schon mal Zahlungen in Bitcoin gesendet oder empfangen? On-chain kann eine Zahlung nach wenigen Minuten in einem Block landen; bei hoher Auslastung oder niedriger Gebühr kann es deutlich länger dauern. Lightning ist für kleine Alltagsbeträge häufig schneller, sofern eine geeignete Route und genügend Liquidität vorhanden sind. Wenn man eine Ware oder eine Dienstleistung bezahlen will, braucht ihr das Portemonnaie nicht mehr mit euch herumzuschleppen. Ein Smartphone oder eine andere geeignete Wallet kann für die Zahlung reichen. Das fühlt sich im Alltag tatsächlich ziemlich unspektakulär an – und genau das mag ich daran. Wichtig ist außerdem, was eine Wallet eigentlich macht. Die Bitcoin selbst liegen weder auf dem Smartphone noch auf einer Hardware-Wallet. Die Blockchain hält fest, welche Beträge unter welchen Bedingungen ausgegeben werden können; die Wallet verwaltet die Schlüssel, mit denen ihr gültige Transaktionen signieren könnt. Geht ein Gerät verloren, lässt sich eine kompatible Wallet mit einer gesicherten Recovery Phrase wiederherstellen. Wer diese Wörter kennt, kann im Gegenzug die zugehörigen Bitcoin kontrollieren. Transparenz zu Werbung/Affiliate: Eine Hardware-Wallet kann für die eigene Schlüsselverwaltung interessant sein. Der folgende Link zur BitBox ist ein Affiliate-Link. Wenn ihr darüber kauft, können wir eine Provision erhalten.

Was ich (noch) nicht sicher weiß

Wie „grün“ Bitcoin-Mining weltweit im Durchschnitt ist, kann ich seriös nicht auf eine einzige Prozentzahl reduzieren. Der Cambridge-Bericht deckt zwar 48 Prozent der damaligen Hashrate ab, beruht aber auf freiwilligen Angaben von 49 Unternehmen und enthält eine wahrscheinlich starke US-Überrepräsentation. Auch die berechneten Treibhausgasemissionen verändern sich deutlich mit der Methode. Für mich ist deshalb die Bedingungsfrage hilfreicher: Wo steht das Mining, welcher Strom wird dort tatsächlich zusätzlich verbraucht, was passiert bei Netzstress und wie lange wird die Hardware genutzt? Mehr über die Technik, den Nutzen, die Risiken und die praktische Verwendung findet ihr in unserem ausführlichen Beitrag Bitcoin verstehen, ohne Mathe-Abi: Blockchain, Mining, Risiken.

FAQ: Bitcoin, Umwelt und Stromverbrauch

Ist Bitcoin umweltschädlich?

Bitcoin-Mining verursacht Umweltbelastungen durch Stromverbrauch und Hardware. Wie groß sie ausfallen, hängt vor allem vom zusätzlichen Strommix, vom Standort, von der Netzsituation und von der Lebensdauer der Geräte ab.

Wie hoch ist der Bitcoin-Stromverbrauch?

Der Cambridge Digital Mining Industry Report 2025 schätzt den jährlichen Stromverbrauch auf 138 TWh, rund 0,54 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Die Schätzung beruht auf dokumentierten Annahmen und Unternehmensdaten, die 48 Prozent der damaligen Hashrate abdeckten.

Kann Bitcoin-Mining erneuerbare Energien fördern?

Unter bestimmten Bedingungen kann Mining zusätzliche Nachfrage für erneuerbare Erzeugung schaffen und als flexible Last reagieren. Eine Modellstudie für Texas fand zugleich höhere Emissionen durch zusätzliches Mining; Demand Response verringerte diesen Effekt deutlich.

Ist Bitcoin mit erneuerbarem Strom umweltfreundlich?

Erneuerbarer Strom senkt den emissionsbezogenen Teil der Bilanz. Für die Gesamtbewertung zählen zusätzlich die Frage, ob der Strom andernorts gebraucht würde, mögliche Netzengpässe und die Hardware.

Kann Bitcoin-Mining mit PV-Überschuss sinnvoll sein?

Das kann sinnvoll sein, wenn der Solarstrom sonst tatsächlich abgeregelt oder ungenutzt bliebe und Mining bei höherer anderer Nachfrage flexibel zurückfährt. Ob das vor Ort zutrifft, hängt vom Netzanschluss, den Preisen und möglichen Alternativnutzungen des Stroms ab.

Wie groß ist das E-Waste-Problem beim Bitcoin-Mining?

Dazu liegen stark unterschiedliche Schätzungen vor. Eine Studie von 2021 modellierte 30,7 Kilotonnen pro Jahr; Cambridge schätzte für 2024 rund 2,3 Kilotonnen. Die Methoden und Zeitpunkte unterscheiden sich erheblich.

Ist Bitcoin mit Lightning privat wie Bargeld?

Lightning hält viele einzelne Zahlungen aus der öffentlichen Blockchain heraus. Forschung zeigt zugleich Möglichkeiten, aus öffentlich verfügbaren Netzwerkdaten Informationen über Zahlungen abzuleiten. Bargeld besitzt bei einer persönlichen Barzahlung andere Privatsphäre-Eigenschaften. Transparenz zu Werbung/Affiliate: Unser Empfehlungscode FREEYOURFAMILY für Relai ist ein Affiliate-Code. Nach Relais aktueller EU-Preispolitik reduziert ein Referral-Code die Servicegebühr um 10 Prozent. Bei der regulären Servicegebühr von 1,0 Prozent für Käufe bis 99.999,99 Euro entspricht das 0,9 Prozent. Relai zahlt dem Referrer zugleich 10 Prozent der Servicegebühr als Provision. Gebühren und Bedingungen können sich ändern. Wenn ihr Bitcoin kaufen möchtet, findet ihr in unserem Beitrag zur Relai-App unsere Erfahrungen und die aktuellen Angaben zu Gebühren, Limits und Self-Custody. Relai beschreibt seine EU-Wallet in den EU-Nutzungsbedingungen als self-custodial: Die privaten Schlüssel und die Recovery Phrase liegen bei den Nutzer:innen beziehungsweise auf deren Geräten; Relai hat darauf nach eigenen Angaben keinen Zugriff. Liebe Grüße Patrick

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