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Aktualisiert am: 7. August 2026

Wie sieht minimalistisches Wohnen mit Kindern aus, wenn eine vierköpfige Familie in einer kleinen Dachgeschosswohnung lebt – ohne Kinderzimmer, ohne TV und ohne klassische Einbauküche? In diesem Video zeigen wir euch unser damaliges Zuhause am Rande des Erzgebirges. Mit Experimentierstube, Eichhörnchenvorrat, abgesägtem Esstisch und einem Piratenschiff unterm Dach.

Unser damaliges Zuhause ist heute eine Ferienwohnung

Die Wohnung hat inzwischen ein neues Kapitel bekommen: Seit 2025 vermieten wir sie als Ferienwohnung. Dafür haben wir die Räume grundlegend renoviert und neu gestaltet. Wer neugierig ist, wie es dort heute aussieht, findet die Wohnung unter ferienwohnung-hager.de.

Das Video führt euch dagegen zurück ins Jahr 2016. Damals waren wir gerade aus Thüringen ins Erzgebirge gezogen und richteten uns mit unseren beiden Kindern in Evelins Elternhaus ein. Drei Jahre hatten wir zuvor am Rande des Thüringer Waldes gelebt. Dort waren Freundschaften entstanden, wir hatten Nachbar:innen, Familien, Hebammen, Ärzt:innen und viele andere Menschen kennengelernt, die unsere Zeit sehr bereichert hatten.

Für einige von ihnen bedeutete ein Besuch bei uns plötzlich mehrere Stunden Fahrt oder sogar einen Flug. Die Roomtour war deshalb zuerst für Freund:innen, Verwandte und Bekannte gedacht. Und dann natürlich für alle anderen, die wissen wollten, wie wir als Familie auf vergleichsweise wenig Wohnfläche zusammenlebten.

Minimalistisch wohnen mit Kindern: unsere Roomtour

Unsere Wohnung hatte damals vieles, was auf einem Grundriss vermutlich anders hieß als bei uns im Alltag. Ein Zimmer wurde zur Experimentierstube, der Dachboden zum Piratenschiff und irgendwo zwischen Kräutervorräten, Büchern, Kindersachen und Küchengeräten entstand unser Zuhause.

Die Experimentierstube

Hier durfte geplanscht und gematscht werden. Hier experimentierten wir mit Roggenmehl und Natron, probierten Dinge aus und lebten mit der beruhigenden Aussicht, dass dieser Raum Kleckereien verkraftete.

Und er hatte noch eine Funktion: Rückzugsort für diese sagenumwobene eine Minute ohne Kinder. Wobei unsere Kinder die Tür ohnehin für weitgehend überflüssig hielten.

Einige der damaligen Experimente sind später im Blog gelandet. Dazu gehören unser Selbstversuch mit Roggenmehl für die Haare und unser Natron-Deopuder.

Bibliothek und Arbeitszimmer

An unserer Bibliothek entlang ging es in Omas ehemalige Schlafstube. Nach der Sanierung diente sie uns als Arbeitszimmer. Dort verbrachten wir viele Abende am Schreibtisch.

Kindersachen fanden selbstverständlich ebenfalls ihren Weg hinein. Wir räumten vieles nach dem Spielen wieder weg, weil derselbe Raum am Abend wieder Arbeitsplatz wurde. Ein eigenes Kinderzimmer gehörte damals schlicht nicht zu unserem Wohnkonzept. Die Räume waren für alle da und wechselten ihre Aufgabe mit dem Tagesverlauf.

Spielraum, Sternenguckplatz und Eichhörnchenvorrat

Eine Tür weiter wurde es bewegter. Dort wurde getanzt und gesungen, gemalt, gebastelt und gebaut. Der Raum war Spielplatz, Sternenguckplatz, Hüpfburg und bei Regen auch mal Picknickplatz.

Dort lagerte außerdem unser „Eichhörnchenvorrat“: Kräuter, Tee und andere gesammelte Dinge aus der Natur. Das Sammeln von Wildpflanzen gehörte damals ziemlich selbstverständlich zu unserem Familienalltag. Im Blog findet ihr dazu unsere Beiträge über essbare Wildkräuter im Winter und essbare Wildpflanzen im Erzgebirge.

Unsere kleine minimalistische Küche

Ein Stück weiter wurde ebenfalls gebastelt – meistens mit Obst und Gemüse.

Beim Umzug hatten wir einiges aussortiert und unsere Küche ziemlich reduziert eingerichtet. Dort standen Entsafter und Mixer, die häufig im Einsatz waren, dazu unsere Eisenpfannen und -töpfe. Statt einer üblichen Einbauküche nutzten wir alte DDR-Küchenschränke. Einen davon hatten wir von einer Schauspielerin bekommen, einen anderen hatte unser Lieblingsschwager zur Spüle umgebaut.

Wir mochten Möbel, die schon eine Geschichte hatten und trotzdem genau das taten, was wir von ihnen brauchten.

Eine unserer damaligen Küchenideen findet ihr im Beitrag Kochen mit Eisenpfannen und Eisentöpfen.

Unser abgesägter Esstisch

Auch unser Esstisch entsprach eher unserer Familie als einem Möbelkatalog. Wir hatten einen großen Tisch kurzerhand gekürzt und saßen daran auf dem Boden.

Für unsere Kinder lag dadurch alles in erreichbarer Höhe. Sie konnten sich selbst an den Tisch setzen, Dinge daraufstellen und beim Abräumen mitmachen. Und niemand konnte vom Stuhl fallen, denn es gab schlicht keinen.

Solche Lösungen waren für uns ein wichtiger Teil des minimalistischen Wohnens mit Kindern: Wir fragten uns weniger, welche Möbel normalerweise in einen Raum gehören, und mehr, wie wir den Raum tatsächlich benutzten.

Das Piratenschiff unterm Dach

Dann ging es hoch hinaus.

Unter dem Dach lag unser Schlafbereich. Unsere Katzen mochten ihn mindestens so gern wie wir. Dort fand unser Familienbett seinen Platz – und in der Vorstellung unserer Kinder noch einiges mehr.

Der Dachboden wurde zum Piratenschiff. Dort lagen geheimnisvolle Schätze, Kisten mit Gold und Edelsteinen, Schiffsproviant, gestohlene Pferde und ein Trockenplatz für Samt und Seide. Eine Landkarte reichte für Reisen, die deutlich weiter führten als bis zum Ende des Zimmers.

Mit geöffnetem Dachfenster zog im Sommer Luft durch den Raum. Wir empfanden den Schlafplatz damals als urig und gemütlich. Vor allem aber konnte derselbe Ort Familienbett, Puppentheater, Schiff und Ausgangspunkt für Weltreisen sein.

Wohnen mit wenig Platz bedeutete für uns gemeinsam genutzte Räume

Minimalismus hieß für uns damals vor allem, Räume nach unserem wirklichen Alltag einzurichten. Ein Arbeitszimmer durfte tagsüber voller Kindersachen liegen. Der Spielraum konnte zum Picknickplatz werden. Ein alter Küchenschrank wurde zur Spüle und ein abgesägter Tisch passte besser zu uns als die vorgesehene Sitzgruppe.

Unsere Kinder bewegten sich dabei durch die ganze Wohnung. Ihre Sachen und Spielideen gehörten zum gemeinsamen Zuhause, und vieles blieb beweglich. Einen Fernseher hatten wir ebenfalls weggelassen. Was dadurch frei wurde, war weniger eine bestimmte Anzahl Quadratmeter als Platz für andere Dinge.

Manches würden wir heute anders lösen. Vieles hat sich mit den Jahren, weiteren Kindern und anderen Lebensorten ohnehin verändert. Diese Dachgeschosswohnung zeigt einen bestimmten Abschnitt unseres Familienlebens: klein, improvisiert, manchmal etwas verrückt und sehr unseres.

Ganz oben lag das Piratenschiff. Und von dort aus konnte die Reise eigentlich überallhin gehen.

Im Video erwähnt

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CC BY-SA 4.0 Minimalistisch wohnen mit Kindern: Unser neues Zuhause (Video) von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.