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Zuletzt aktualisiert: 16. August 2026

Liebe Freundinnen und Freunde,

gerade frage ich meinen Freund Google, ob Bloggen noch zeitgemäß ist und zu welchen Themen ich mal wieder die Finger über die Tasten schwingen könnte, da piepst das Handy. „Wo seid ihr momentan?“ und „Was macht ihr gerade?“ Auf Instagram und Telegram werde ich wieder an mein unerfülltes Vorhaben erinnert, regelmäßiger Updates zu posten. Ich zeige vielleicht hin und wieder etwas Bastelkram, aber wenig aus unserem Leben. Aus mir wird wohl nie ein cooler Infaulenzer. 😀

Also gibt es jetzt das hier: einen langen Bericht darüber, wie es für mich war, zeitweise allein mit den Kindern zu reisen – samt ausgebüxtem Hund, Autopanne und umgestürzten Mülleimern.

Unser Reisealltag teilte sich plötzlich auf

Das „alleinerziehend“ in der Überschrift täuscht. Das bin ich nämlich nicht wirklich. Nur zeitweise. Wer bei so einem Wort gleich einen schief hängenden Haussegen vermutet: Alles in Butter. Patrick und ich teilten uns nur zeitweise auf – ein Elternteil reiste mit einem Teil der Kinder, der andere blieb mit den übrigen zu Hause.

Seit Jahren unternehmen wir regelmäßig längere Reisen. Wie unser Alltag zwischen Reisen und selbstbestimmtem Lernen aussieht, haben wir anderswo ausführlicher beschrieben. Bis zu diesem Herbst waren wir meistens als ganze Familie unterwegs. Nur bei Ausflügen im Ausland schnupperte ich gelegentlich in den Alltag ohne Patrick hinein, wenn er im Ferienhaus blieb und den PC samt Papierbergen und sonstigen Arbeiten hütete.

Letzten Herbst bot sich dann die Gelegenheit, zusammen mit meiner Schwester und unseren Kindern zu verreisen. Mit manchen Freundinnen hatte ich solche Pläne vorher schon ad acta gelegt, weil ich es mir mit meiner lauten, lebendigen Kinderschar bei ihnen nicht verderben wollte. Also ließen wir Patrick in Deutschland und baten ihn, sich um Haus und Tiere zu kümmern.

Hund im Bett

Es waren zwar nur knapp zwei Wochen und ich hatte die Unterstützung meiner Schwester. Trotzdem sah ich diese Reise als kleine persönliche Übung. Schließlich hatte ich mich in den zehn Jahren davor bei vielem Organisatorischen auf Patrick verlassen, während Kinder, Haushalt und das Arrangieren sozialer Kontakte eher meine Hauptaufgaben waren.

Winter mit zwei Kindern: ruhiger, aber nicht frei

Im Januar fuhr Patrick mit unseren damals elf- und neunjährigen Töchtern auf Bildungsreise. Ich blieb mit unseren beiden Jungs, sechs und vier Jahre alt, in Deutschland. Wir kamen alle gut zurecht. Ich witzelte darüber, dass es sich für mich fast wie Urlaub anfühlte. Das lag einfach daran, dass es mit den beiden Jungs ziemlich ruhig war.

Persönliche Freizeit hatte ich trotzdem nicht. Wenn alle Aufgaben an einem hängen und man für alles selbst zuständig ist, kann es schon vorkommen, dass man abends gleich nach dem Sandmännchen ins Bett fällt. Was mir in dieser Winterzeit half: ein toller Einkaufsservice. Denn im Gegensatz zu Patrick gehe ich in Deutschland gar nicht gerne einkaufen.

Lebensraum Teich
Auerochse
Krippe zur Weihnachtszeit
Müll als Lebensraum im Naturkundemuseum
Schnee-Engel

Basteln mit Kindern
Weihnachtsstimmung mit Hund

Wir wussten damals, dass diese Aufteilung in ein Elternteil plus zwei Kinder wahrscheinlich die letzte Reise dieser Art sein würde. Die bevorstehende Einschulung unseres Sechsjährigen machte die Sache komplizierter. Am einfachsten wäre es natürlich, gar nicht ständig nach Kompromissen suchen zu müssen. Aber die Katze, der Hund und schließlich der ausbleibende Lottogewinn zwangen uns dazu.

Hund und Katze

Wenn Termine den Rhythmus bestimmen

Ganz frei war unsere Aufteilung ohnehin nie. Mit Kindern, Reisen, zwei Wohnorten und Behördenfristen muss immer irgendwer irgendwo erscheinen. Unsere beiden Jüngeren waren damals noch nicht schulpflichtig und in Deutschland gemeldet, deshalb nahmen wir die Schuleingangsuntersuchung wahr.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin für medizinische Untersuchungen. Schwierig wird es für mich, wenn Erwachsene dabei so mit Kindern sprechen, dass diese eingeschüchtert im Untersuchungszimmer stehen.

Unser Sohn sollte Symbole an einer Wandtafel erkennen. Da er schon ein bisschen lesen konnte, nahm er an, dass er so etwas wie „Mimi am Zaun“ oder „Oma mit Opa“ vorlesen sollte. Also antwortete er, er könne das nicht lesen. Die Krankenschwester wertete den Sehtest daraufhin als auffällig, und die Amtsärztin übernahm diese Einschätzung zunächst. Dabei zeichnete, zählte und sprang der Junge bei den anderen Aufgaben völlig selbstverständlich.

Ich ärgerte mich im Stillen und konnte nachts nicht schlafen, bis ich meinen Ärger – selbstverständlich höflich und gewaltfrei – in einem Brief niederschrieb. Am nächsten Tag bekam ich bei einer Augenarztpraxis einen Termin. Die Helferin nahm mir lachend einen guten Teil meines Kummers: Solche Überweisungen kämen häufig vor, erzählte sie, und bei den Kindern, die sie bisher erlebt hatte, habe sich der Verdacht später nicht bestätigt. Aha, dachte ich. Also erst einmal kein Befund, sondern ein missverstandener Test.

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Neben dem Termin beim Augenarzt hatten wir in diesem Jahr noch einige andere Termine im In- und Ausland. Wir planten unsere Reisen im Idealfall so, dass wir alles möglichst gut miteinander verbinden konnten. Eine unserer Töchter musste beispielsweise Ende Mai zum Kieferorthopäden.

700 Kilometer allein am Steuer

Bis Ende Mai war ich damals in Ungarn, wieder „alleinerziehend“ – diesmal mit allen vier Kindern und ohne Patrick. Ich bin stolz auf mich, dass ich die rund 700 Kilometer allein am Steuer schaffte. Mit der Geburt des ersten Kindes hätte ich theoretisch meinen Führerschein abgeben können, so selten fuhr ich in den elf Jahren danach.

Nun waren wir in einem netten kleinen Ort mit allem, was wir brauchten. Vor allem hatten wir Platz. Platz zum Toben, zum Krachmachen, zum Leise-Sein, zum Kind-Sein, zum Entspannen, zum Sorglos-Sein. Und ich stellte fest: Ich schaffe das, allein mit den Kindern. Wir fanden schnell Kontakt zu anderen, besuchten Nachbarn, wurden zu Partys eingeladen und fanden neue Freunde.

Geschwister auf Pfosten
Morgendlicher Medienkonsum
Rührtofu kochen
Ungarisches Bettenlager
Raum zum Spielen

Friede, Freude, Eiersatzkuchen? Drei Situationen, in denen ich nicht gern allein war

Als der Hund abhaute: Polizei oder lieber mündlich verhandeln?

Allerdings gab es auch richtige Unglückstage. (Lotta aus der Krachmacherstraße ist übrigens das passende Buch dazu.) Zum Beispiel haute der Hund ab, den wir dort hüteten. Ein Nachbar half uns, den Frechdachs wieder einzufangen. Eine andere Frau warf derweil Schimpfwörter um sich wie Konfetti und wollte uns die Polizei auf den Hals hetzen. Das machte die Sache erst richtig verrückt. Am Ende ging die Ausreißer-Geschichte glimpflich aus, auch weil die anderen Nachbarn ruhig und freundlich blieben.

Müder Hund
Mit dem Malinois unterwegs
Ein geduldiger Malinois
Der kleine Ausreißer-Hund

Als am Balaton alles schepperte

Eine andere doofe Geschichte, bei der ich wirklich gern nicht allein gewesen wäre, passierte am Balaton. Als Mami von Kindern, die noch nicht sicher schwimmen können, schließt sich Me-Time am Wasser sowieso weitgehend aus. Glücklicherweise lockte das Wasser noch nicht mit Badetemperaturen. Ich bildete mir tatsächlich ein, einfach mal auf meiner Matte abzumatten, während die Kinder auf dem Spielplatz turnten.

Knall und Geschrei ließen mich nach wenigen Minuten hochfahren: Eine Reihe Mülleimer hatte meinen Jüngsten begraben. Für tiefe Schnitte, Verbrennungen und verstopfte Atemwege bin ich recht gut ausgestattet. Bei möglichen Knochenbrüchen beklage ich dagegen regelmäßig mein ausgebliebenes Medizinstudium.

Ich wickelte seine Füße und Beine in feste Verbände und trug ihn eine Weile, bis der schlimmste Schmerz nachließ. Gegen eine Fahrt ins Krankenhaus entschied ich mich damals. Das Auto sollte in die Werkstatt und ich wäre auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen gewesen. Falls der Vierjährige in der Klinik hätte bleiben müssen, hätte ich für die anderen drei so schnell keine Betreuung gehabt.

Stattdessen zeigte ich die blauen Flecken später einigen Nachbarn und ließ mich beruhigen. In Deutschland und mit Patrick an meiner Seite hätte meine Angst uns wahrscheinlich ziemlich schnell in die nächste Notaufnahme getrieben. Einige Tage später schaute sich ein deutscher Chirurg die Beine an und hielt nicht einmal Röntgen für nötig. Das war Glück – und meine damalige Entscheidung unter diesen konkreten Umständen ist keine allgemeine Empfehlung für Verletzungen bei Kindern.

Pappelpollen wie Schnee
Balaton im April
Balaton im April
Verletzter und versorgter Kinderfuß

Als das Auto aufgab

Diesmal waren wir nicht mit unserem alten, aber treuen VW-Bus unterwegs. Weil wir nur zu fünft waren, fuhren wir mit einem geliehenen Auto, das in Ungarn TÜV bekommen sollte. Soweit hatte alles gepasst.

Dann kam unser Abreisetag. Früh ging’s los. Die Routen zur Navigation waren geladen, die Maut für die Slowakei und Tschechien bezahlt. Wir hatten einen richtig schönen Trip durch Ungarns Landschaften. Dann gab das Auto seinen Geist auf. Ungünstigerweise mitten auf einer Schnellstraße.

Ein aufmerksamer Lkw blieb hinter uns, während das Auto noch einen letzten Kilometer bis zu einer kleineren Straße hoppelte. Dort bat ich den ersten Menschen, dem ich begegnete, einen Traktorfahrer, mir einen Abschleppdienst zu rufen. So wurde unser Tag noch sehr aufregend. Welches Kind träumt nicht davon, einmal mit dem Abschlepper zu fahren? Wir nahmen’s jedenfalls positiv, unterhielten uns gut mit dem freundlichen Fahrer und waren vor allem froh über die Hilfe.

In der Autowerkstatt tauschte man die Dieseleinspritzdüse – an einem Freitagnachmittag. Geschafft, aber froh, dass alles gut gegangen war, versanken wir abends wieder in unseren ungarischen Betten. Am nächsten Tag schliefen wir aus und spannten noch einmal aus, bevor wir die Strecke nach Deutschland erneut angingen.

Auto wird abgeschleppt

Memo an mich selbst

Habe ich irgendwas aus den Reisen mit Kindern ohne Patrick gelernt? Das Wichtigste zuerst: nie mehr ohne mobile Daten reisen. Genau die fehlten mir damals, weil unsere Internetverbindung praktisch zu Hause blieb. Also sah ich immer zu, mich irgendwo ins WLAN einzuwählen. Wenn nichts weiter ist, mag das kein großes Problem sein. Mit liegengebliebenem Auto, fremder Sprache und Werkstattsuche wird’s allerdings ziemlich umständlich.

Fremde helfen öfter, als man denkt

Mich treibt es häufig in die Ferne, aber mein Reisefieber ist stets etwas von Bammel begleitet. Was ist, wenn was ist? Was mache ich, wenn ich nicht weiter weiß?

Meine Erfahrung auf verschiedenen Reisen ist, dass uns Menschen erstaunlich oft helfen, wenn ich mit den Kindern allein unterwegs bin. Sogar mitten auf der Autobahn während einer Zollkontrolle bekam ich schon Hilfe, als ich nach einem mautfreien Weg fragte. In der Autowerkstatt findet sich plötzlich ein Mitarbeiter, der fließend Englisch spricht. Am Strand bietet jemand an, kurz einen Blick auf die Kinder zu werfen, damit ich mich umziehen kann. Der Tankwart winkt die Kleinen unter der Bezahlschranke durch, damit sie zur Toilette kommen. Beim Stadtbummel macht mir jemand unvermittelt ein Kompliment, wie toll ich mit den Kindern umgehe.

Ob das am Frau-Sein liegt, an den Kindern oder schlicht daran, dass vier Kinder und eine Mutter nach Hilfe aussehen, weiß ich nicht. Ich kann nur von meinen eigenen Reisen erzählen.

Genau diese kleinen Geschichten machen mir Mut. Man hat einen Mund, den man aufmachen kann. Oder eine Hand, um mit DeepL auf dem Handy etwas nachzufragen.

Was ist mit Sicherheit?

Opfer von Überfällen oder Gewalt wurden wir auf unseren Reisen bisher nie. Eingeschüchtert oder bedroht habe ich mich ebenfalls nie gefühlt. Richtig unangenehm wurde es einmal in Montenegro, als ich unwissentlich auf einem möglichen Privatweg spazierte und eine Frau mich ziemlich ruppig anging.

Mehr lässt sich aus unseren Erfahrungen vernünftigerweise nicht ableiten. Dass uns bisher nichts passiert ist, macht Reisen mit Kindern nicht automatisch überall sicher. Für mich persönlich hat es aber einen Unterschied gemacht, zu erleben, dass ich auch ohne Patrick handeln, nachfragen und Hilfe organisieren kann.

Allein mit Kindern reisen: machbar, anstrengend, echt

Allein mit Kindern zu reisen ist für mich heute kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Anstrengend kann es trotzdem sein, chaotisch sowieso, und instagrammig sieht es dabei selten aus. Ich weiß inzwischen: Ich kann losfahren, unterwegs den Mund aufmachen, wenn ich Hilfe brauche, und auch nach einem ziemlich verrückten Tag wieder ankommen.

Falls ihr euch für unser Lernen unterwegs interessiert, passen dazu auch Worldschooling und Unschooling auf Reisen und unser erster Unschooling-Trip nach England.

Wo liegen für euch die Hürden beim Reisen allein mit Kindern? Oder habt ihr inzwischen die schönen Seiten entdeckt? Gibt es Ziele, die ihr besonders empfehlen würdet? Ich freue mich über alle Tipps und Kommentare.

Viszlát, eure Evelin!

CC BY-SA 4.0 Kleines Lebensupdate: Allein(erziehend) mit Kindern auf Reisen von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.