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Zuletzt aktualisiert: 16. August 2026
Wir haben in den letzten Jahren Geld, Zeit und Nerven an Versprechen verloren, die größer klangen als ihr realer Nutzen. Dieser Text ist ein persönlicher Erfahrungsbericht über leere Versprechen, teure Abkürzungen und die Frage, woran ihr heiße Luft oft schon erkennt, bevor sie euch Geld kostet.
Bei uns kamen mehrere Dinge zusammen: der Wunsch, unseren Kindern mehr Freiheit und selbstbestimmtes Lernen zu ermöglichen, die Frage nach einem Einkommen, das dazu passt, und die Sehnsucht nach einem Familienleben, das nicht ständig an äußeren Vorgaben hängt. Genau in so einer Situation klingen Menschen überzeugend, die finanzielle Freiheit, ein erprobtes System oder die Abkürzung dorthin versprechen.
Mit „heißer Luft“ meine ich Angebote, deren Versprechen größer sind als ihre Substanz, ihre Belege oder ihre realistische Erfolgsaussicht. Manchmal kommt sie als Online-Business-Schule daher, manchmal als Trading-Bot, spirituelles Freiheitsversprechen oder als Produkt, das ein Problem lösen soll, das vorher gar keines war. Betrug ist das nicht automatisch. Es reicht schon, wenn Hoffnung, Angst oder Orientierung sehr teuer verkauft werden und am Ende deutlich weniger dahintersteckt als vorher versprochen.
Wie wir selbst in diese Luft hineingerieten
Am Anfang standen André Sterns Gedanken zur „Ökologie der Kindheit“. Sie haben uns früh beeindruckt. Wir wollten unseren Kindern mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung und mehr echtes Leben ermöglichen. „Wenn wir nur genügend finanzielle Mittel hätten, um uns und unseren Kindern ein solches Leben zu ermöglichen!“ – dieser Gedanke war damals mein ständiger Begleiter.
Dann tauchte Ka Sundance auf. Er reiste mit seiner Familie durch die Welt und verkaufte ein System, mit dem angeblich jede und jeder ein erfolgreiches Online-Business nach seinem Vorbild aufbauen könne. Die Aussicht auf ein solches Leben war verlockend. Der Preis war mir viel zu hoch. „Dafür brauche ich ihn nicht“, dachte ich und startete unser eigenes Blog: freeyourfamily.net. Da ich technisch versiert bin: kein Problem für mich.
Auch YouTube gehörte eine Zeit lang dazu, obwohl das Sprechen vor der Kamera nie wirklich unseres war. Ein paar kontroverse Themen liefen sogar ordentlich. Nur stand der Aufwand für Aufnahme und Schnitt in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem, was am Ende dabei herauskam. Für uns war das jedenfalls kein tragfähiges Geschäftsmodell.
Eine Freundin investierte damals ihre letzten Ersparnisse in die Online-Business-Schule von Ka Sundance und ließ mich einen Blick in die Kursinhalte werfen. Für das, was wir suchten, hätte uns der Kurs nicht weitergebracht. Viele der damals gefeierten „Erfolgsgeschichten“ verschwanden später wieder von der Bildfläche.
2017 schrieb ich einen Artikel über meine Selbstständigkeit, den ich heute deutlich nüchterner formulieren würde. Werbung und Affiliate-Marketing brachten trotz einzelner Kooperationen nie genug ein, um davon leben zu können. Als Autor für ein großes Verlagshaus war die Bezahlung enttäuschend. Als Fotograf, Web- und Grafikdesigner merkte ich schnell, wie voll dieser Markt ist. Gut bezahlte Aufträge fallen dort jedenfalls nicht einfach vom Himmel.
Durch ein Unschooling-Treffen in Prag kamen wir mit Menschen aus der Bitcoin-Szene in Kontakt. Wir fingen an, Bitcoin zu „stacken“. Dass ich Bitcoin langfristig interessant fand, hieß noch lange nicht, dass ich den Markt durch Trading oder einen Bot austricksen konnte.
Als 2019 die Schulpflicht für unsere älteste Tochter konkret wurde, meldeten wir uns – naiv und unerfahren, wie wir waren – aus Deutschland ab. Um steuerlich auf der sicheren Seite zu sein, gründeten wir auf Anraten eines Verwandten eine GmbH. Das erwies sich als teurer Irrweg. Wir mussten über 4.000 Euro Kindergeld zurückzahlen, und die GmbH verursachte weitere Kosten, die wir als Familie an anderer Stelle besser hätten gebrauchen können.
Als wir später wieder in Deutschland waren, weil wir kurzfristig entschieden hatten, dass unser Jüngster lieber nicht in Griechenland zur Welt kommen sollte und unsere Große ohnehin einmal „Schule ausprobieren“ wollte, ließ ich mich auf die nächste Idee ein: Trading im Kryptobereich, teils sogar automatisiert. Erst gab es Buchgewinne. Dann echte Verluste – bei Fiatgeld und bei Bitcoin. Mit unseren Ersparnissen auf diese Weise zu zocken, anders kann ich es im Rückblick nicht nennen, war wohl das monetär Dümmste, was ich je getan habe. Zum Glück hatte ich damals einen Nebenjob, der half, den Schaden zumindest teilweise aufzufangen.
Was mir in dieser Zeit ebenfalls bewusst wurde: Rund um die Schulpflicht in Deutschland, ortsunabhängiges Leben und den Wunsch nach mehr Freiheit ist aus meiner Sicht ein eigener Markt entstanden. Uns begegneten Bücher, Coachings, Kurse und Geschäftsmodelle, die erst die Ängste und Unsicherheiten von Familien ansprechen und anschließend gleich die passende kostenpflichtige Lösung verkaufen. Wie groß dieser Markt tatsächlich ist, kann ich nicht beurteilen. Aber nach dem, was wir erlebt und gesehen haben, empfinde ich Teile dieser Welt als regelrechte Maschinerie: Erst wird das Problem möglichst groß, dann kostet das Gegenmittel richtig Asche.
Und noch etwas hat sich bei mir festgesetzt: Vieles in dieser teuren Coaching-, Online-Business- und Freiheitswelt erinnert mich an die Logik eines Schneeballsystems – nicht im rechtlichen Sinn, sondern weil wenige sichtbare Gewinner als Beweis dafür dienen, dass es angeblich für alle funktionieren könne, während über die vielen Menschen, bei denen es nicht funktioniert, kaum gesprochen wird. Genau dieses Verhältnis zwischen glänzenden Erfolgsgeschichten und unsichtbaren Verlierern macht mich bis heute misstrauisch.
Bereut haben wir unsere Reisen trotzdem nicht. Wir haben wunderbare Menschen und Kulturen kennengelernt und Erfahrungen gesammelt, die für uns bis heute wertvoll sind. Der finanzielle Druck war aber real. Und wenn das Geld knapp ist und man gleichzeitig als Familie einen ungewöhnlichen Weg sucht, klingt eine elegante Lösung schnell vernünftiger, als sie bei genauerem Hinsehen ist.
Warum sich heiße Luft so gut verkauft
In Kroatien erfuhren wir von einer Familie, die ähnlich unterwegs war wie wir: ortsunabhängig, mit selbstbestimmtem Lernen, sichtbar frei. Nach außen sah es nach einem erfolgreichen Online-Business aus. Später erfuhren wir, dass ihr Lebensstil vor allem durch eine große Erbschaft getragen wurde. Das ist kein Betrug. Aber die Geschichte vom selbst aufgebauten Freiheitsbusiness, die online erzählt wurde, stimmte offenbar so nicht.
Bei uns wurden Abkürzungen gerade dann attraktiv, wenn der Gelddruck groß war und wir gleichzeitig nach mehr Freiheit suchten. Deshalb würde ich Menschen in so einer Situation heute nicht als dumm abtun. Wir waren selbst an diesem Punkt.
Dazu kommt die Zugehörigkeit. Manche Angebote verkaufen nicht nur eine Leistung, sondern gleich ein neues Selbstbild: wach, mutig, unabhängig, spirituell, antizyklisch oder einfach weiter als die anderen. Wer zweifelt, steht dann schnell nicht nur einem Produkt skeptisch gegenüber, sondern der ganzen Gruppe.

- Die Instant-Workout-Pille: Muskeln im Schlaf. Nebenwirkung: Realitätsverlust.
- Der Telepathie-Helm: Endlich Gedanken lesen – besonders praktisch, wenn ihr wissen wollt, was eure Katze wirklich von euch hält.
- Das Anti-Stau-Spray: Einmal auf die Windschutzscheibe, und die Welt ordnet sich um euch herum.
- Der Zeitreise-Wecker: Zu spät? Einfach die Vergangenheit neu einstellen.
Die erfundenen Beispiele sind albern. Bei realen Angeboten fehlt meistens nur der Lacher.
Wie man heiße Luft verkauft
- Beginnt mit Unschärfe. Eine Aussage, die auf fast jede Lebenssituation passt, wirkt schnell persönlich. „Öffne dein Herz für die unendlichen Möglichkeiten des Universums“ lässt sich schließlich schwer widerlegen.
- Verpackt alte Gedanken in neue Buzzwords. Heute „Synergie“, morgen „Quantenharmonisierung“, übermorgen „energetische Business-Alignment-Matrix“. Die Botschaft bleibt gleich. Nur das Etikett wird teurer.
- Macht Wissen exklusiv und teuer. Was alle wissen könnten, wirkt gewöhnlich. Was nur „Auserwählte“ nach einem 999-Euro-Kurs erfahren, klingt plötzlich nach Geheimwissen.
- Erzählt eine Heldengeschichte. Vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Burnout zur Berufung, von der Schuldenfalle zur finanziellen Freiheit. Je steiler die Kurve, desto besser. Überprüfbare Details stören dabei nur.
Das klingt nach Satire. Leider ist nur ein Teil davon erfunden. Der Rest kommt mir aus echten Angeboten verdächtig bekannt vor.
Woran wir unseriöse Angebote und Scams heute früher erkennen
Bei teuren Coachings oder Geldanlagen würde ich mich inzwischen nicht mehr nur auf mein Bauchgefühl verlassen. Die Verbraucherzentrale nennt bei unseriösen Coaching-Programmen unter anderem unklare Inhalte, unrealistische Ziele, vermeintlichen Zeitdruck und unklare Verträge als Warnsignale. Die BaFin rät bei Geldanlagen dazu, Anbieter und Aussagen zu prüfen, Informationen aus mehreren Quellen zu vergleichen und nichts zu kaufen, was man nicht versteht.
- Ihr könnt die Leistung nicht in eigenen Worten erklären. Viel Freiheit, Erfolg oder Transformation – aber kaum etwas dazu, was ihr konkret bekommt und wie es funktionieren soll.
- Die Belege bestehen fast nur aus Erfolgsgeschichten. Testimonials können interessant sein. Sie ersetzen keine überprüfbaren Angaben dazu, wie oft ein Angebot tatsächlich funktioniert und unter welchen Bedingungen.
- Die Kosten wachsen unterwegs. Erst der Kurs, dann das Upgrade, dann das exklusive Mentoring, weil der erste Schritt angeblich noch nicht gereicht hat.
- Ihr sollt sofort entscheiden. „Nur heute“, „letzte Chance“ oder „nur für Menschen, die es wirklich ernst meinen“ sind gute Gründe, erst einmal gar nichts zu kaufen.
- Der Anbieter ist schwer zu prüfen. Bei Finanzangeboten schaue ich heute zuerst, wer dahintersteht, ob ein ordentliches Impressum existiert und ob eine nötige Erlaubnis tatsächlich vorliegt.
- Vor dem Kauf ist jemand sofort da, danach kaum noch. Wenn zugesagter persönlicher Kontakt nach Vertragsabschluss plötzlich ausbleibt, ist das ein weiterer Grund, genauer hinzusehen.
- Eure Zweifel werden gegen euch verwendet. Wer nachfragt, hat plötzlich „Blockaden“, „negative Energie“ oder das falsche Mindset. Damit wird Kritik nicht beantwortet, sondern wegpsychologisiert.
- Das Risiko liegt fast vollständig bei euch. Wenn es klappt, soll das System der Grund gewesen sein. Wenn es scheitert, habt ihr es angeblich falsch umgesetzt.
- Die Geschichte ändert sich bei Nachfragen. Widersprüche zwischen Werbung, Vertrag und dem, was euch im Gespräch erzählt wird, sind für mich ein deutliches Stoppsignal.
Keiner dieser Punkte beweist für sich allein einen Betrug oder Scam. Mehrere zusammen reichen mir aber, um nicht auf „Jetzt kaufen“ zu klicken, sondern erst einmal nachzuprüfen.

Wo unser Urteil heute nüchterner ist

Coaches, Gurus und Freiheitsverkäufer: Ein Coaching ist nicht automatisch heiße Luft. Manche Menschen geben brauchbare Impulse und leisten gute Arbeit. Misstrauisch werde ich dort, wo nebulöse Freiheit, spirituelle Überhöhung oder ein großes Einkommensgeheimnis verkauft werden, ohne dass Leistung, Methode und Grenzen klar benannt sind.
Trading: Für mich war das kein Weg in die Unabhängigkeit, sondern Zocken mit dem Gefühl, man hätte die Sache unter Kontrolle. Besonders problematisch finde ich die Welt rund um Hebelprodukte, Trading-Bots, Kurse und vermeintliche Systeme. Sichtbar sind vor allem diejenigen, die ihre Gewinne präsentieren. Über Verluste wird viel weniger gesprochen. Deshalb halte ich Trading für einen denkbar schlechten Plan, wenn eine Familie finanzielle Sicherheit sucht. An den Plattformen, Gebühren, Kursen und Bots verdienen andere schließlich auch dann, wenn ihr selbst Geld verliert.
„Krypto“: Viele Menschen werden dort mit Renditeversprechen, dubiosen Token, Bots, Telegram-Gruppen und angeblichen Geheimtipps gelockt. Gerade dieses Umfeld halte ich für einen Tummelplatz für heiße Luft und Scams. Wenn mir jemand ungefragt auf Instagram oder Telegram erzählt, er habe ein fantastisches System entdeckt, mit dem ich nur noch Geld einzahlen müsse, gehen bei mir inzwischen sämtliche Warnlampen an. Bitcoin werfe ich damit ausdrücklich nicht in denselben Topf. Unsere eigene Perspektive darauf findet ihr hier: Magic Internet Money?
Content-Plattformen und Affiliate-Modelle: Damit lässt sich durchaus etwas Sinnvolles aufbauen. Bei uns reichten Werbung, Kooperationen und Affiliate-Einnahmen trotzdem nie für einen verlässlichen Familienunterhalt. Reichweite allein zahlt eben keine Miete.
Billigprodukte und Wegwerfzeug: Bei Spielzeug, das kurz nach dem Auspacken kaputtgeht, ärgert mich nicht nur das ausgegebene Geld. Es löst den Bedarf kaum und wird schnell zu Müll. Auch das ist für mich eine Form von heißer Luft: gekauft, kurz benutzt, schon wieder wertlos.
Was für uns eher taugt
Ich traue langsamer Arbeit heute mehr zu als jeder Abkürzung: Fähigkeiten, die man wirklich aufbaut. Dienstleistungen, die ein reales Problem lösen. Produkte, deren Nutzen sich ohne Nebelmaschine erklären lässt. Menschen, die sagen können, was ihr Angebot leistet, was es nicht leistet und wo seine Grenzen liegen.
Ich bin überzeugt, dass langfristig etwas anderes trägt: sinnvolle Arbeit, echtes Know-how und Produkte oder Dienstleistungen, die ein wirkliches Problem lösen. Lieber unterstütze ich Dinge, deren Nutzen sich konkret erklären lässt – zum Beispiel langlebige und reparierbare Produkte, erneuerbare Energien, energieeffiziente Technik oder Angebote, die Menschen tatsächlich weiterhelfen. Das ist für mich das Gegenmodell zu einem Markt, der vor allem davon lebt, immer neue Wünsche, Ängste und vermeintliche Probleme zu erzeugen.
Für uns als Eltern hängt daran mehr als die Frage, womit wir Geld verdienen. Wir wollen unseren Kindern ein freies, selbstbestimmtes Lernen ermöglichen und gleichzeitig dafür sorgen, dass unser Familienalltag finanziell trägt. Unsere Kinder werden älter, und damit verändern sich auch Bedürfnisse und Ausgaben. Die Lösung dafür haben wir noch nicht gefunden.
Darum bloggen wir weiter. Die Idee vom schnellen Weg zur finanziellen Freiheit haben wir dabei hinter uns gelassen. Wir können dort über Dinge schreiben, die uns wichtig sind, und Arbeit machen, die wir verstehen und verantworten können.
Fünf Fragen vor dem nächsten Kauf
Bevor wir heute Geld in ein größeres Versprechen stecken, helfen uns meistens fünf Fragen:
- Welches konkrete Problem löst das Angebot eigentlich?
- Woran würde ich merken, dass es wirklich funktioniert?
- Was ist die realistische schlechteste Version des Ergebnisses?
- Wer verdient hier sicher, selbst wenn ich scheitere?
- Würde ich das auch kaufen, wenn die Werbesprache um 80 Prozent nüchterner wäre?
Wenn nach diesen Fragen vor allem Nebel übrig bleibt, ist das meistens schon die Antwort. Und manchmal ist das Bauchgefühl tatsächlich klüger, als wir denken. Vor allem das der eigenen Frau. 😉
Wir haben die perfekte Lösung für unser Familienleben noch nicht gefunden. Eine offene Frage ist für uns heute aber kein Grund mehr, die nächste teure Abkürzung zu kaufen.
Wenn ihr weiterlesen wollt, passen dazu auch diese Beiträge:
- Wie Social-Media-Algorithmen Wahrnehmung und Meinung verschieben
- Selbstständigkeit: Und was machst du so?
- Warum Blogs wertvoll sind
Mich interessiert, bei welchen Angeboten ihr inzwischen sofort stutzig werdet. Gerade an solchen Beispielen sieht man gut, wie sich teure Luft heute tarnt.
Euer Patrick
Heiße Luft erkennen: Was teure Versprechen gemeinsam haben von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
Hallo Patrick, ich habe euch gerade erst entdeckt und nur 2 Artikel gelesen … kenne euch also kaum..
Ich bin ganz erstaunt, wie widersprüchlich sich dein Artikel (in meinen Augen) anfühlt.
Ich bin in so vielen Dingen ganz bei dir und in anderen wieder vollkommen anderer Meinung und frage mich, wie diese für mich gefühlte Diskrepanz zusammenpasst….
Du machst in dem Artikel so viele Teilbereiche auf, dass ich da gar nicht drauf eingehen kann.
Deshalb sage ich mal nur zu den Dingen etwas, die mich persönlich besonders triggern. 🙂
Ich bin selbst seit ungefähr 15 Jahren online tätig (E-Mail-Marketing Berater im weitesten Sinne) und beobachte auch, wie viel heiße Luft da um mich herum verpustet wird… aber es gibt auch andere Coaches, Trainer, Berater, denen es wirklich am Herzen liegt, dass ihre Kunden etwas erreichen. Für mich ist es grundsätzlich schade, wenn eine ganze Branche über einen Kamm geschoren wird … und in dieser Branche kann ich aus Erfahrung sagen, dass es sowohl heiße Luft, als auch ehrliches Bemühen gibt.
Sicherlich stellen viele Ihr Leben zu rosarot dar – finde ich bei euch übrigens auch in Bezug auf Bildung – aber von mir kann ich jedenfalls sagen, dass wir von meinen Einnahmen aus dem Onlinebusiness als 6-köpfige „Reise-Familie“ (mit bereits älteren Kindern mit entsprechend höheren Kosten) problemlos leben können.
Ja, ich arbeite auch relativ viel, obwohl wir unterwegs sind … aber das vor allen Dingen, weil ich meine Kunden unterstützen will und dafür eben die Verfügbarkeit von mir und die entsprechende Stundenzahl nötig ist.
Um jetzt mal die vielen anderen Themen auf einen Nenner zu bringen … mich wundert, wie sehr du zu „Standard-Argumentationen“ tendierst, die die Gesellschaft vorgibt, obwohl ihr im Lernen so kritisch seid. – oder anders ausgedrückt… wie kann man in einem Feld so kritisch sein, dass man komplett aus der gesellschaftlichen Norm ausbricht und gleichzeitig so verhaftet und unkritisch mit anderen Feldern umgehen.
Das meine ich tatsächlich nicht als Kritik in dem Sinne, dass ich dich/euch zu einer Änderung bringen will .. wieso auch und wer bin ich, dass ich jemandem sage, wie er zu leben und zu denken hat …
ich empfinde eher echtes Erstaunen, weil ich es so aus meinem Umfeld überhaupt nicht erlebe. In meinem Umfeld ist durch die „Abkoppelung“ von Deutschland ein eher generell kritischer Blick üblich geworden.
Das ist zwar oft mühsam (ich glaube nichts, was ich nicht selbst mehrfach durchdacht, hin und her bewegt habe und mir unterschiedlichste Quellen dazu angesehen habe.) gibt mir aber das Gefühl zumindest etwas wahrhaftiger mit den Themen umzugehen. Aber selbstverständlich weiß ich dadurch auch, dass ich viele Dinge einfach überhaupt nicht beurteilen kann, weil ich an die nötigen Informationen für so eine Entscheidung nicht oder mit (für mich) zu viel Aufwand herankommen kann.
Das fällt mir vor allen Dingen bei deiner Auflistung der Alternativen und bei deinen Linkempfehlungen auf, wo es mir in den Fingern kribbelt, zu beinahe jedem Punkt etwas zu sagen, weil man das aus meiner Sicht so einfach nicht stehen lassen kann… aber naja … ich kann doch .. bzw. will hier nicht zu viel Zeit in diesen Kommentar stecken.
Nur soviel dazu … es gibt zu beinahe jedem Punkt gut begründbare Ansichten, die das Gegenteil oder etwas anderes empfehlen würden und mir erscheint es so, wie bei deinem Bitcoin-Trading, dass du dich vom Schein blenden lässt und zu wenig hinter die Kulissen blickst (zugegeben, das ist auch wirklich schwer einschätzbar) … aber es sind einfach zu viele Themen, um die jetzt direkt auseinander zu pflücken…
Noch ein Tipp bzgl. AI-Inhalten. Es sind in letzter Zeit einige Webseiten im Google-Ranking abgestürzt, weil sie zu viel AI-Inhalte direkt übernommen haben. Besser ist es deshalb, die nur als strukturgebend zu nehmen und wirklich in die eigene Sprache umzuwandeln.
Um jetzt nochmal positiv zu enden…
Wir haben auch festgestellt, dass wir fast nichts brauchen und nur mit Koffer zu reisen, hilft uns auch immer wieder, uns von unnötigen Anschaffungen zu distanzieren – das passt nicht in den Koffer … das hilft.
An der Stelle ist das „Reise-Leben“ auf jeden Fall einfacher. Wir haben uns vor der Reise auch wirklich von fast allem getrennt und besitzen nur noch das, was wir im Koffer mitnehmen können und was im Camper ist… unglaublich wie viel Blast wir vorher durchs Leben geschleppt haben und wie befreiend, nicht an so viel Dinge gebunden zu sein.
Viel tolle Erfahrungen wünsche ich euch!
Henning
Hallo Henning,
natürlich darf sich der Artikel für dich widersprüchlich anfühlen, da du die Welt nicht durch unsere, sondern durch deine Augen siehst. Es gibt so viele Welten wie es Köpfe gibt. Dass du so denkst wie du denkst, und die Meinung hast, die du eben hast, liegt an all den Informationen, die du mit deinen Sinnen wahrnimmst und die dein Gehirn verarbeitet und eingeordnet hat. Wie weit sich diese Welt der Wahrheit annähert, will ich nicht beurteilen.
Doch beschleicht mich das Gefühl, dass ich hier jemandem antworte, der schon zu der Klientel gehört, die ich im Artikel einer „kritischen Würdigung“ unterziehe und ein Blick auf deine Website email-workflow.de unterstreicht meinen Eindruck zusätzlich. Wir sind aber auch keine „Admins“ einer toten Facebookgruppe. 😉
Du kritisierst KI-Inhalte bei uns (die übrigens alle noch mal durch meine eigenen Finger gehen, bevor ich davon etwas auf die Welt loslasse) und machst darauf aufmerksam, dass das ja unserem „Ranking“ schaden könnte. Mach dir darüber bitte keine Sorgen. Immerhin haben wir eine Website, die besucht und gelesen wird – also wird das eine oder andere wohl für manche Menschen relevant sein.
Zum Thema „Online Business“: Ich sage ja nicht, dass bei den Coachings nicht „ehrliches Bemühen“ dahinter stünde und manche „Berater“ nicht auch nur das Beste ihrer „Kunden“ wollen. Doch empfinde ich es als Augenwischerei, zu verschweigen, dass der ganze Prozess ein Kampf ist. Niemand garantiert zum Beispiel deinen „Kunden“, dass die Umsetzung deiner E-Mail-Marketing-Strategien ihnen tatsächlich neue Kunden und mehr Umsatz bringen wird, auch wenn das WIRKLICH dein Anliegen ist. 😉
Die meisten Leute, die „neu“ dabei sind, herumreisen, ihren Kindern mehr oder weniger freie, undogmatische Bildung ermöglichen und sich online was aufbauen wollen, buchen dann aus Unerfahrenheit erst mal irgendwelche Kurse oder Coachings von Leuten, die vorgeben, es „geschafft“ zu haben. Von solchen, die von ihrem geilen Leben und ihrem florierenden „Onlinebusiness“ schwärmen. Dabei fließt das, was die „Kunden“ eigentlich am dringendsten brauchen, zu eben jenen: Geld. Da beißt sich die Katze doch in den Schwanz. Die „Neuen“, stellen sich ihr eigenes Leben eben auch viel zu rosarot vor, um bei der Metapher zu bleiben. Nur, um dann festzustellen, dass sie sich haben blenden lassen. Sie sind dann irgendwo in Thailand oder auf Bali gestrandet, verkaufen Reisefotos in der Fußgängerzone oder bieten eben ihre unverzichtbaren Lifestyle- und Business-Coachings an.
Wenn du mehr unserer Artikel gelesen hättest, wüsstest du auch, dass es unglaublich kräftezehrend ist, es Kindern zu ermöglichen, sich selbstbestimmt zu bilden. Es kostet Zeit und Geld. Work-Life-Balance gibt es nicht in Freilerner-Familien. Wer für seine Kinder da sein will, dem fehlt die Zeit zum Arbeiten. Wer arbeiten will, ist in der Zeit nicht für seine Kinder da. Deshalb gibt es ja Kindergärten und Schulen: damit in der Zeit, in der die Eltern arbeiten, jemand für die Kinder da ist und sie nicht verwahrlosen. Wenn man das allein durchziehen will, weil man überzeugt ist, dass das besser für die eigenen Kinder ist, muss zwangsläufig Abstriche machen. Es sei denn, man hat schon irgendwie Geld auf der hohen Kante oder wirklich irgendein sinnvolles Geschäftsmodell, das einem die Freiheit schenkt, eben nicht mehr „viel zu arbeiten“ und sich ganz den Kindern zu widmen. Jedenfalls solange sie noch jung sind. Denn später suchen sie sich ihre Mentoren oder Mentorinnen selbst.
Ich weiß gerade nicht, auf welche „Standard-Argumentationen“ du dich beziehst. Denn es gibt nur wiederholbare, überprüfbare, experimentell durch randomisierte kontrollierte Studien gestützte Erkenntnisse und Theorien, zu denen ich eine Meinung haben kann, wenn ich will. In der Wissenschaft geht es aber nicht darum, die eigene Weltsicht zu erhalten und den eigenen Standpunkt mit Studien und Experimenten zu untermauern und sich die Rosinen herauszupicken. Vielmehr geht es darum, Hypothesen immer wieder zu verwerfen und sich so der Wahrheit zumindest zu nähern. Man muss aber nicht wieder ganz von vorne anfangen und voller Ernst behaupten, die Erde sei eine Scheibe. 😉
Eine wissenschaftlich untermauerte Weltsicht ist ein viel kritischerer und konstruktiverer Standpunkt als würde man es sich einfach machen und als stolzer „Querdenker“ sagen:
– „die da oben“,
– „mein Gefühl“,
– „der Jürgen bei Telegram hat aber in seinem Video gesagt“,
– „die wollen uns nur manipulieren“,
– „wir leben in einer Diktatur“,
– „die Grüüüüünen!!!“,
– „Menschen haben schon immer Fleisch gegessen“, etc. pp.
Natürlich kann nicht jeder alle Fachbereiche zur Gänze durchdringen. Aber wenn man sich für ein Themengebiet begeistert, dann würde ich trotzdem erst mal in die Fachliteratur schauen, oder Leute fragen, die sich damit auskennen. Ja, auch in der Forschung gibt es mitunter Lobbyarbeit (Bitcoin fixes this). Aber irgendwann fällt das auf und die betreffenden Thesen werden revidiert.
Außerdem kann man immer noch für sich entscheiden, dass man etwas ablehnt, weil man es zum Beispiel für ethisch nicht vertretbar hält (wie ich z.B. Tierversuche in der medizinischen Forschung).
Wir brechen auch nicht aus der „gesellschaftlichen Norm“ aus. In Bezug auf Deutschland vielleicht. Aber Deutschland ist nicht die Welt. In Irland, England und Kanada ist Homeschooling (ich zähle Unschooling dort mal mit rein, auch wenn es ein ganz anderer Ansatz ist) ein ganz normaler und gesellschaftlich anerkannter Bildungsweg. Den größten Teil der Menschheitsgeschichte gab es aber auch in „Deutschland“ keine „Schulgebäudeanwesenheitspflicht“ – geschweige denn eine Schule.
Der „generell kritische Blick“ durch die „Abkopplung“ von Deutschland, von dem du schreibst, hat die Bemühungen von Menschen, die ihren Kindern selbstbestimmte Bildung IN Deutschland ermöglichen wollen, komplett konterkariert und damit die Freilerner-Bewegung um Jahrzehnte zurückgeworfen. Mich wundert das nicht, wenn ich mir anschaue, was für ein Bild von unserer schönen Welt manche angeblichen „Freilerner-Eltern“ ihren Kindern vermitteln. Das geht sogar so weit, dass das gar nichts mehr mit „Freilernen“ oder gar „Homeschooling“ zu tun hat, sondern mit Indoktrination. Es bilden sich dann irgendwelche paranoiden Parallelgesellschaften mit abstrusen Feindbildern, denen die Zukunft der Menschheit auf dem Planeten gänzlich egal zu sein scheint. Wir hingegen verstehen uns als Teil einer inklusiven, toleranten und wissensbasierten Gesellschaft. Und wir leisten unseren Beitrag, damit unsere Kinder und Kindeskinder in einer lebensfreundlichen Umwelt gedeihen können. Denn wir sind alle eine Menschenfamilie und wir sollten uns umeinander und um diese wundervolle, blaue Perle kümmern, mit der wir durchs All reisen.
Dein Satz: „wie bei deinem Bitcoin-Trading, dass du dich vom Schein blenden lässt und zu wenig hinter die Kulissen blickst“, möchte ich nicht so stehen lassen. Du stellst hier eine ganz steile These in den Raum, bei der ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. Am besten alles gleichzeitig. 😀 Nein, ich bin kein Trader und ich empfehle auch niemandem das Trading – wie ich hier im Artikel auch deutlich machen wollte. Ich habe mich sehr wohl intensiv mit Bitcoin und Lightning auseinandergesetzt und nutze es als „Pleb“ im Alltag, sofern das möglich ist. Ich sehe Bitcoin als die Zukunft des Geldes, die einige gravierende Probleme unserer Welt lösen kann. Ich glaube an Bitcoin als die Grundlage des weltweiten Finanzwesens (auch wenn das noch ein paar Jährchen dauern wird) und als disruptive Technologie, die unglaubliches Potential hat.
Doch schon heute kann man Bitcoin als global funktionierendes Geld verwenden. Wenn du es ausprobieren willst, kannst du dir gerne die Wallet of Satoshi oder die Blink-App installieren und mir deine Empfangsadresse zukommen lassen. Dann schicke ich dir ein paar Sats für deinen Kommentar. 😀 Ernsthaft: Bitcoin hat nichts mit Trading zu tun und ist auch ganz klar von anderen Coins bzw. dem Begriff „Krypto“ im Allgemeinen abzugrenzen. Das Bitcoin-Whitepaper ist leicht verständlich öffentlich zugänglich: https://bitcoin.org/files/bitcoin-paper/bitcoin_de.pdf
Zum letzten Punkt: Wir haben festgestellt, dass wir doch manches „brauchen“, was wir nicht in wenige Koffer verteilen können. Zum Reisen geht es manchmal nicht anders. Aber ein fester Ort, an dem man Materialien hat, Instrumente, Hefte, Bücher, Malzeug, ein Kleinod, das man „Zuhause“ nennen darf, wo Freunde warten (die man selbstredend auch um den Globus herum hat – so klein ist die Welt schon geworden :-)) und man sich kreativ austoben kann, ist für uns wichtig geworden.
Ich danke dir auf jeden Fall für deinen Kommentar und hoffe, meine Antwort wühlt dich nicht zu sehr auf. 🙂 Habt eine schöne Zeit auf eurer Reise! Viel Erfolg trotzdem auch mit deinem E-Mail-Marketing-Coaching. Jeder Mensch soll sein Leben so führen wie er möchte, wenn er damit niemandem schadet.
Liebe Grüße
Patrick